Fotograf schildert So entstand das Bild von Ex-Prinz Andrew nach Haftentlassung

Samuel Walder

21.2.2026

Fotograf schildert: So entstand das Bild von Ex-Prinz Andrew nach Haftentlassung

Fotograf schildert: So entstand das Bild von Ex-Prinz Andrew nach Haftentlassung

Sechs Stunden Warten, wenige Sekunden Zeit: Reuters-Fotograf Phil Noble schildert, wie ihm die Aufnahme gelang, die binnen Stunden um den Globus ging – und einen Royal erstmals wie einen gewöhnlichen Beschuldigten zeigt.

21.02.2026

Sechs Stunden Warten, wenige Sekunden Zeit: Fotograf Phil Noble schildert, wie ihm die Aufnahme gelang, die binnen Stunden um den Globus ging – und einen Royal erstmals wie einen gewöhnlichen Beschuldigten zeigt.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein Reuters-Foto zeigt Ex-Prinz Andrew nach stundenlangem Verhör erschüttert auf dem Rücksitz eines Autos und ging weltweit als Symbol seines öffentlichen Niedergangs um.
  • Fotograf Phil Noble wartete stundenlang vor einer Polizeistation in Norfolk und hielt in letzter Sekunde den entscheidenden Moment fest.
  • Andrew wurde wegen mutmasslichen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein befragt, bestreitet jedoch jegliches Fehlverhalten.

Auf dem Rücksitz eines Range Rovers sitzt ein sichtlich erschütterter Mann. Der Blick starr nach vorne gerichtet, die Augen gerötet, die Schultern zusammengesunken. So verlässt Andrew Mountbatten-Windsor die Polizeistation von Aylsham in Norfolk.

Das Foto, aufgenommen von Reuters-Fotograf Phil Noble, ging binnen Stunden um die Welt. Es zeigt einen Mann, der einst als «Playboy-Prinz» Schlagzeilen machte – nun aber wie jeder andere Verdächtige behandelt wird. Jetzt erzählt Noble, wie er das Foto geschossen hat.

Sechs Stunden Warten – und ein entscheidender Moment

Als am frühen Donnerstagmorgen die Nachricht von Andrews Festnahme publik wurde, machte sich Noble von Manchester auf den sechsstündigen Weg nach Norfolk. Klar war nur: Der Ex-Prinz war dort festgenommen worden. Doch da Beamte der Thames Valley Police ihn verhörten, kamen rund 20 Polizeistationen infrage.

Dieses Bild von Noble ging um die Welt.
Dieses Bild von Noble ging um die Welt.
Reuters

Ein Hinweis führte Noble nach Aylsham. Stundenlang geschah nichts. Die Dunkelheit brach herein, Zweifel kamen auf. War er am falschen Ort?

Gerade als das Reuters-Team beschloss, ins Hotel zu fahren, klingelte das Telefon: Die Fahrzeuge seien eingetroffen.

Noble raste zurück – und sah die Wagen bereits davonfahren. Vorne ein Polizeifahrzeug, dahinter Andrews Range Rover. Sekunden blieben.

Sechs Bilder – eines schreibt Geschichte

Der Fotograf drückte ab. Sechs Aufnahmen entstanden. Zwei zeigten nur Polizisten, zwei waren leer, eine unscharf. Doch eine traf ins Mark.

«Bei Autoaufnahmen ist mehr Glück als Können gefragt», sagte Noble später. «Man kann planen, Erfahrung nutzen – aber am Ende muss alles zusammenpassen.»

Das Bild dokumentiert einen historischen Moment: Erstmals in der modernen Geschichte wird ein hochrangiges Mitglied der britischen Königsfamilie sichtbar wie ein gewöhnlicher Verdächtiger aus dem Polizeigewahrsam entlassen.

Verdacht auf Amtsmissbrauch

Mountbatten-Windsor war mehr als zehn Stunden lang verhört worden – wegen des Verdachts, als Handelsgesandter vertrauliche Regierungsdokumente an Jeffrey Epstein weitergeleitet zu haben.

Die Ermittlungen stehen nicht im Zusammenhang mit Vorwürfen sexueller Übergriffe, sondern betreffen mutmasslichen Amtsmissbrauch, wie der stellvertretende Polizeichef Oliver Wright erklärte.

Andrew bestreitet jegliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit Epstein und hat wiederholt sein Bedauern über die Freundschaft zu dem 2019 verstorbenen Finanzier geäussert. Seit der jüngsten Veröffentlichung von Millionen Seiten Epstein-Dokumenten durch die US-Regierung äusserte er sich nicht öffentlich.

Ein Bild, das bleibt

Das Foto dominierte weltweit Titelseiten. Schlagworte wie «Niedergang» begleiteten es.

Für Phil Noble war es «ein ganz normaler Nachrichtentag der alten Schule». Doch das Bild erzählt mehr: Es zeigt den Moment, in dem ein Royal nicht mehr als Prinz, sondern als Beschuldigter wahrgenommen wird.