Riskantes Pentagon-ExperimentSo gefährlich ist Skandalminister Pete Hegseth für Donald Trump
Andreas Fischer
18.2.2026
Wird Pentagon-Chef Hegseth zunehmend zur innenpolitischen Belastung für Präsident Trump? (Archivbild)
Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Er hat es wieder getan: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth entfernt erneut einen ranghohen Militär aus dem Pentagon, weil der ihm nicht passt. Wo soll das hinführen? Ins Weisse Haus etwa?
Unter Pete Hegseth kommt das Pentagon einfach nicht zur Ruhe.
Als hätte der US-Verteidigungsminister nicht schon genug Skandale produziert, drängt er zum wiederholten Mal einen ranghohen, aber unliebsamen Offizier aus dem Amt.
Im Kongress und in der Militärführung wächst das Misstrauen gegen einen Mann, der wie ein ideologischer Feldprediger auftritt und das US-Militär konsequent umkrempeln will.
Colonel David Butler ist ein hochdekorierter Offizier, er gilt im Pentagon als professionell und überparteilich, jemand aus der Kategorie «funktioniert im System». Doch mit dieser Kategorie hat ausgerechnet der Mann ein Problem, der diesem System vorsteht: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth.
Wie die «Washington Post» berichtet, hat Hegseth Colonel David Butler in den Ruhestand gedrängt. Es ist die jüngste Intervention des Pentagon-Chefs in die inneren Angelegenheiten des Militärs: Butler war die rechte Hand von Army Secretary (Heeresminister) Dan Driscoll, mit dem Hegseth laut Insidern ein Problem habe, weil dessen Einfluss wächst.
Hegseth bestreitet bei seinen Personalentscheidungen zwar eine politische Motivation. Kritiker sehen allerdings ein gefährliches Signal: Loyalität zur politischen Linie ist wichtiger als Kompetenz und Kontinuität. Pete Hegseth gilt als Kulturkämpfer im Kampfanzug und ist (nicht nur) in der militärischen Führung der USA umstritten.
Was ist Pete Hegseth für ein Typ?
Die Nominierung von Pete Hegseth als Verteidigungsminister war eine der umstrittensten Personalentscheidungen von Donald Trump, der nicht gerade wenige umstrittene Personalentscheidungen getroffen hat. Hegseth inszeniert sich als Kämpfer gegen «Verweichlichung», gegen «Wokeness», gegen das Establishment. Das macht ihn für MAGA-Anhänger attraktiv – und ist für seine Gegner alarmierend.
Pete Hegseth ist von aussen in das Pentagon gekommen: Er ist zwar ehemaliger Nationalgardist mit Einsätzen im Irak und in Afghanistan, vor allem aber ein Mann des Fernsehens. Bei «Fox News» wurde er zur scharfzüngigen Stimme des konservativen Kulturkampfs in Uniform.
Sein Stil? Lässt sich am besten als «frontal» beschreiben. Pathos, Patriotismus, klare Feindbilder: Hegseth spricht weniger wie ein Beamter, sondern eher wie ein Feldprediger für eine konservative Wiedergeburt Amerikas von «woken Generälen», von ideologischer Unterwanderung der Truppe, von einem Militär, das sich wieder aufs Kämpfen konzentrieren müsse. Für seine Kritiker gilt Hegseth als Ideologe mit Zugriff auf die schlagkräftigste Armee der Welt.
Hegseth will das Verteidigungsministerium (seit einer Umbenennung offiziell «Kriegsministerium») nicht nur führen, sondern umbauen – politisch, personell, kulturell. Schon seine Ernennung galt als Kampfansage an das sicherheitspolitische Establishment in Washington. Kritiker warnten früh, er bringe mehr Kulturkampf als Führungskompetenz mit.
So räumte Pete Hegseth im Pentagon auf
Der erzwungene Rücktritt von Colonel David Butler ist kein Einzelfall: Von seiner Macht hat Pete Hegseth von Beginn an Gebrauch gemacht. Seit seinem Amtsantritt hat Hegseth eine Reihe ranghoher Offiziere aus dem Pentagon entfernt – teilweise ohne öffentliche Begründung. Seine Devise: Wer zu moderat ist, wird ersetzt oder ausgebremst.
So überging er General James Mingus, zuvor Vize-Stabschef der Army, bei der Besetzung des prestigeträchtigen Postens des Chefs des U.S. Central Command. Die als sicher geltende Beförderung von Lieutenant General Douglas Sims zum Vier-Sterne-General kassierte Hegseth kurzerhand ein. Und General Charles Q. Brown Jr., Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff, musste gehen.
Auch mehrere Teilstreitkräftechefs wurden ausgetauscht. Offiziell ist von «Neuausrichtung» die Rede. Intern sprechen manche von einem politischen Säuberungsprozess – insbesondere gegenüber Offizieren, die unter Ex-Generalstabschef Mark Milley gearbeitet hatten. Mit Milley verbindet Hegseth und Trump eine innige Abneigung, weil er es gewagt hatte, Trump öffentlich zu kritisieren.
Hat Pete Hegseth Kompetenzen als Verteidigungsminister?
Militärisch hat Hegseth durch Einsätze im Irak und in Afghanistan zumindest auf taktischer Ebene Erfahrungen gesammelt. Er kennt den Krieg aus eigener Erfahrung. Er weiss, wie sich Einsätze anfühlen, wie Soldaten denken, wie die Realität an der Front aussieht. Das verschafft ihm Glaubwürdigkeit bei vielen in Uniform.
Auf der strategischen und politischen Ebene sieht es anders aus. Als Verteidigungsminister führt er keinen Zug, sondern ein gigantisches System – eine globale Maschinerie mit Millionen Mitarbeitenden und Kämpfern. Milliardenbudgets, NATO-Abstimmungen, geopolitische Krisen, atomare Abschreckung.
Dafür braucht es strategisches Fingerspitzengefühl und diplomatische Routine: Seine bisherige Amtsführung lässt Zweifel aufkommen, dass Hegseth diesen Aufgaben gewachsen ist. Stattdessen leistete sich Hegseth bereits einige Skandale.
Hegseth und die «Signalgate»-Affäre
Einer der grössten Skandale seiner Amtszeit war die sogenannte «Signalgate»-Affäre. Interne, sensible Abstimmungen zu militärischen Operationen liefen über einen Gruppenchat in der Messenger-App «Signal». In diese Gruppe wurde versehentlich auch ein Journalist eingeladen – der all die Informationen mitlesen konnte, die eigentlich als geheim klassifiziert sind.
Ein Untersuchungsbericht machte Hegseth daraufhin schwere Vorwürfe. Er habe durch laxen Umgang mit Kommunikationsprotokollen potenziell die Sicherheit von Soldaten gefährdet. Die Vorwürfe wogen schwer, weil sie nicht ideologisch, sondern operativ waren.
Die Angriffe auf «Drogenboote»
Zu reden gaben auch immer wieder militärische Operationen gegen sogenannte «Drogenboote» – Schnellboote mutmasslicher Kartelle. Kritiker werfen Hegseth vor, durch aggressive Einsatzregeln die Schwelle zwischen Drogenbekämpfung und militärischer Eskalation verwischt zu haben.
Die Kritik verstärkte sich, nachdem öffentlich wurde, dass seine Streitkräfte bei einem Zweitschlag zwei Schiffbrüchige getötet hatten. Rückendeckung für den möglicherweise völkerrechtswidrigen Angriff gab es freilich aus dem Weissen Haus.
Im US-Senat hingegen ist das Misstrauen gegen Pete Hegseth gewachsen. Ein Gesetz verlangt, dass der Verteidigungsminister dem Kongress ermöglicht, die Befehle für die Angriffe des US-Militärs auf mutmassliche Drogenboote zu prüfen.
Und zuletzt stoppte ein Bundesrichter Verteidigungsminister Pete Hegseth: Der Versuch, den demokratischen Senator und Ex-Navy-Offizier Mark Kelly wegen eines Videos über «illegale Befehle» disziplinarisch zu belangen, verstösst vorläufig gegen die Verfassung.
Es gibt erste Gerüchte: Kann Pete Hegseth wirklich US-Präsident werden?
In konservativen Medien und Trump-nahen Online-Foren wird sein Name immer wieder gehandelt – als kompromissloser Kämpfer, als möglicher Erbe einer radikalisierten Republikanischen Partei. Das ist allerdings, Stand heute, äusserst unwahrscheinlich.
Es sind bislang vor allem Gedankenspiele im rechten Medienspektrum und in Teilen der Trump-nahen Online-Szene, die in Talkshows, Podcasts und auf Social Media spekuliert.
Realistisch betrachtet fehlt Pete Hegseth allerdings eine eigenständige Machtbasis. Er kann sich auf kein gewähltes Spitzenamt (Gouverneur oder Senator) stützen, hat kein landesweites Netzwerk. Und solange Donald Trump die republikanische Bühne dominiert, bleibt für andere ohnehin kaum Raum.
Allerdings ist durchaus eine gewisse Logik hinter den Gerüchten zu erkennen: Hegseth vereint Militärbiografie, Medienpräsenz und ideologische Klarheit – eine Mischung, die in Teilen der republikanischen Basis durchaus Resonanz erzeugt.
Hegseth schimpft vor Top-Militärs über «fette Generäle»
Der US-Verteidigungsminister, der seit einem Erlass von Präsident Trump «Kriegsminister» heisset, rechnete in einem ungewöhnlichen Auftritt vor der versammelten Militärführung mit der bisherigen Ausrichtung der Streitkräfte ab.