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Donald Trump fühlte sich auf dem G7-Gipfel sichtlich wohl und zeigte sich überraschend zugänglich für die Anliegen der übrigen Mitgliedsstaaten.
Keystone/AP Photo/Julia Demaree Nikhinson
Der G7-Gipfel mit US-Präsident Donald Trump lief überraschend harmonisch ab. Besteht nach der Einigung mit dem Iran nun auch Hoffnung für ein Ende des Krieges in der Ukraine?
Ein Käfigkampf vor dem Hinflug, ein Dinner im Schloss von Versailles vor dem Rückflug – zwischen diesen beiden persönlichen Highlights zeigte US-Präsident Donald Trump sich bei dem G7-Gipfel in Evian überraschend zugänglich für die Anliegen der übrigen Staats- und Regierungschefs. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz witterte neue «transatlantische Einigkeit», und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erlebte seinen «Evian-Moment» und jubilierte über eine «Wiederannäherung» zwischen den USA und den übrigen G7-Staaten.
Trump fühlte sich in dem Luxusressort mit Blick auf den Genfer See, in dem alles blühte und grünte, sichtlich wohl. Eigentlich mag der US-Präsident Gipfeltreffen nicht besonders, in Kanada 2025 reiste er vorzeitig ab. Aber dieses Mal war das Treffen für ihn eine Bühne, auf der er sich seines Iran-Abkommens rühmen konnte, das er sich neben dem Käfigkampf gewissermassen auch zum Geburtstag geschenkt hatte – bei dem aber zahlreiche Details offen bleiben.
Wieder und wieder lobte Trump sich vor den Kameras dafür, die Iraner dazu bewogen zu haben, auf die Entwicklung von Atomwaffen zu verzichten. Und er genoss es in vollen Zügen, dass ihm die übrigen G7-Staats- und Regierungschef wiederholt dazu gratulierten.
Diese taten das allerdings auch, um Trump mit Blick auf die Ukraine wieder an Bord zu bekommen. «Ich habe Präsident Trump gesagt: Du siehst an diesem Beispiel, dass eine klare militärische Stärke in der Lage ist, diplomatische Lösungen herbeizuführen», sagte Merz etwa. «Wenn dasselbe dann auch für die Ukraine gilt, dann haben wir vielleicht sogar an zwei kritischen Stellen in der Welt die Chance, dem Frieden etwas näher zu kommen», fügte er hinzu,
Obgleich das Rahmenabkommen noch nicht unterzeichnet ist, drohte Trump dem Iran bereits im Stil eines autoritären Erziehers, er werde das Land «in Grund und Boden bombardieren, wenn sie sich nicht ordentlich benehmen». Und ob die Strasse von Hormus nun wirklich dauerhaft gebührenfrei geöffnet ist, ist auch noch nicht geklärt.
Dennoch taten die übrigen G7-Chefs alles, um Trump die gute Laune nicht zu vermiesen. Als er am Mittwoch eine Stunde verspätet zur Arbeitssitzung erschien und grinsend kommentierte «Ich bin der Boss», brachen die anderen in höfliches Gelächter aus.
Das Hofieren verfehlte seine Wirkung nicht: Trump zeigte sich entschlossen wie lange nicht, nun auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu einem Friedensabkommen bewegen zu wollen. Dafür sieht er durchaus eine Chance: «Sie wollen es beide, aber sie wissen nicht, wie sie es anfangen sollen», meinte er in dem für ihn typischen altväterlichen Ton.
Dass Trump bis zum Ende blieb, lag sicher auch an Macrons Einladung nach Versailles. «Ich mag den Palast, da gibt es eine Menge Gold, das will ich mir ansehen», sagte er nach dem Ende des Gipfels. Und auch die Anwesenheit von Macrons «fabelhafter» Frau Brigitte beim Abendessen, deren Hand er beim Familienfoto etwas länger festgehalten hatte als nötig, schien ihn zu ergötzen.
Macron verteidigte sich gegen Vorwürfe von vielen Seiten, seinem US-Kollegen den Teppich ausgerollt zu haben. «Wir brauchen uns nicht zu schämen: Versailles ist ein diplomatisches Instrument und ein Machtinstrument», sagte Macron, der gleich nach seinem Amtsantritt bereits Putin nach Versailles eingeladen hatte. Diplomatie bedeute, auch Menschen einzuladen, deren Meinungen man nicht teile, erklärte er.
Der Preis, um Trump kooperativ zu stimmen, bestand allerdings nicht nur in einer Essenseinladung ins Königsschloss: Macron hatte auch viele Themen ausgeklammert, die in dieser Runde ihren Platz gehabt hätten, in der es um die grossen Krisen der Welt gehen sollte – nicht zuletzt den gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel. Auf die Frage, ob dies gerechtfertigt sei, antwortete Merz ausweichend. «Das waren die Hauptthemen, die wir gemeinsam verabredet haben.»
Trump war der letzte der Staats- und Regierungschef, der nach dem Ende des Gipfeltreffens noch vor die Journalisten trat – und wurde auch dort von den Mitgliedern seiner Delegation mit Beifall begrüsst. Seine abschliessenden Worte galten dem Iran-Abkommen, das Vizepräsidet JD Vance unterzeichnen sollte: Wenn es funktioniere, sei er selbst «ein Genie» – und wenn nicht, «dann ist es der Fehler des Vizepräsidenten».