Wortgefechte, Vorwürfe, Chaos Demokraten zerlegen Hegseth – so eskalierte die Kongress-Anhörung

Philipp Dahm

1.5.2026

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte: Pete Hegseth muss im Kongress am 29. April dem House Committee on Armed Services Rede und Antwort stehen.
Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte: Pete Hegseth muss im Kongress am 29. April dem House Committee on Armed Services Rede und Antwort stehen.
KEYSTONE

1,5 Billionen Dollar fordert Verteidigungsminister Pete Hegseth für das US-Militär. Dafür muss er im Kongress Rede und Antwort stehen: Bei der entsprechenden Sitzung flogen die Fetzen. Die sechsstündige Anhörung in 6 Punkten.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Am 29. April befragt der Kongress Verteidigungsminister Pete Hegseth: Es kommt mehrfach zu einem verbalen Schlagabtausch.
  • Hegseth spricht unter anderem über den Iran-Krieg, Teherans Atomprogramm und das Aussetzen von Sanktionen.
  • Auch die Ukraine und die Einstellung von Hegseths Anwalt als sein Berater kommen zur Sprache – und es gibt jede Menge Zickereien.

«NewNation» berichtet nüchtern über die gestrige Anhörung des Verteidigungsministers im US-Kongress. «[Pete] Hegseth verteidigt Pentagon-Forderung nach einem Budget von 1,5 Billionen Dollar», schreibt der rechte Sender und zitiert den 45-Jährigen: «Wir bauen ein Militär auf, auf das das amerikanische Volk stolz sein kann.»

Andere Publikationen haben eine ganz andere Sicht auf die Sitzung. «‹Es ist die Inkompetenz!›: Hegseth wird von den Demokraten in der Anhörung zu den Streitkräften gegrillt», titelt der linke Sender «MS Now». «Hegseth benimmt sich vor dem Kongress wie ein Kind», meint «The Bulwark».

Hegseth opening statement to the House: "I ask may God continue to watch over our troops in harm's way"

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 29. April 2026 um 16:37

Die britischen Medien fassen das Ganze so zusammen: «Hegseth kollidiert in einer fast sechsstündigen Anhörung wegen des Iran-Kriegs mit den Abgeordneten», summiert die BBC. «Hegseth bestreitet, dass der Iran-Krieg ein ‹Sumpf› ist, während die Kosten für die USA auf 25 Milliarden Dollar geschätzt werden», lautet die Überschrift beim «Guardian».

Und der «Independent» analysiert: «Pete Hegseth verlor vor dem Kongress die Fassung. Es war eine dramatische Entgleisung». Liegt die Wahrheit in der Mitte, oder hat eine der beiden Seiten recht? Urteile selbst anhand von diesen Ausschnitten:

Hegseth zum Erfolg des Iran-Kriegs

«Wie läuft dieser Krieg? Glauben Sie, wir gewinnen?», fragt Seth Moulton Hegseth in der Anhörung. «Auf dem Schlachtfeld ist es ein verblüffender Erfolg gewesen», antwortet der.

«Aber gewinnen wir den Krieg?», hakt der Demokrat nach. «Absolut», lautet die Antwort.

Darauf hat Veteran Moulton nur gewartet: «Nennen Sie es gewinnen, wenn der Iran die Strasse von Hormus schliesst?» Hegseth beginnt, über die US-Blockade des Persischen Golfs zu sprechen.

MOULTON: Are we winning the war? HEGSETH: Absolutely MOULTON: Do you call Iran closing the Strait or Hormuz winning?

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 29. April 2026 um 17:58

«Okay, sie haben uns blockiert, und wir blockieren ihre Blockade?», legt der Demokrat aus Massachusetts nach. «Es ist, als hätte Präsident Madison [1814] gesagt: Nun, die Briten haben gerade Washington niedergerannt, aber keine Sorge: Wir werden es auch niederbrennen.»

Hegseth zu Irans Atomprogramm

Adam Smith möchte wissen: Wie erfolgreich war eigentlich die Operation Midnight Hammer, also der US-Angriff auf den Iran im Juni 2025? «Ihre Atom-Einrichtungen wurden ausradiert», sagt Hegseth. «Sie sind im Untergrund beerdigt, und wir beobachten sie 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche.»

Das versteht Demokrat Smith nicht: Hat der Minister nicht vor 60 Tagen gesagt, der jetzige Krieg basiere darauf, dass Teheran eine «unmittelbare atomare Bedrohung» darstelle? «Sie haben ihre nuklearen Ambitionen nicht aufgegeben», antwortet der Angesprochene.

«Dann hat die Operation Midnight Hammer also substanziell nichts erreicht?», fragt Smith. Hegseth wiederholt, was er zuvor geäussert hat. «Es ist die Nordkorea-Strategie», fügt er hinzu. «Benutze konventionelle Raketen, damit dich niemand herausfordert, um so den Bau der Waffe zu verlangsamen.»

HEGSETH: Their nuclear facilities have been obliterated SMITH: Whoa whoa. We had to start this war, you said, bc the nuclear weapon was an imminent threat. Now you're saying it was obliterated? HEGSETH: They had not given up their *ambitions* S: So Operation Midnight Hammer accomplished nothing

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 29. April 2026 um 16:53

Er meint: Der Iran rüstet konventionell auf, um in Ruhe seine Atomwaffen-Forschung weiterführen zu können. Smith kommentiert lakonisch: «Und ihre nuklearen Ambitionen haben sie immer noch nicht aufgegeben.»

Hegseth zum Aussetzen von Sanktionen

Die Trump-Administration hat zuvor ausgesprochene Sanktionen gegen den Verkauf von Öl und Gas aufgehoben, die bereits auf iranische und russische Schiffe geladen wurden. Wie viel hat Teheran dadurch eingenommen?, fragt Seth Moulton. Hegseth antwortet, dass der Iran jetzt finanziell ruiniert sei.

«Sie haben um die 14 Milliarden Dollar verdient», hält der Demokrat entgegen. Der Republikaner kontert, der Iran habe keine Marine mehr, mit der er die Blockade anfechten könne.

«Was für eine Marine können sie mit 14 Milliarden Dollar kaufen?», fragt Veteran Moulton. «Wie viele chinesische Raketen können sie kaufen? Tönt das nach Gewinnen?» Hegseth: «Wir stellen sicher, dass sie keine chinesischen Raketen kaufen.»

MOULTON: How much has Iran profited from your administration lifting the sanctions? HEGSETH: Iran is financially devastated right now MOULTON: They've earned about $14 billion. Does that sound like winning?

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 29. April 2026 um 18:01

Moultons Parteikollege Salud Carbajal streicht heraus, dass auch Russland von der Teil-Aufhebung der Sanktionen profitiert. Er will wissen: Befeuert das nicht den illegalen Krieg in der Ukraine? «Was wir gesehen haben, ist die Unfähigkeit von [Wladimir] Putin und Russland, auf dem Schlachtfeld effektive Fortschritte zu machen», sagt Hegseth.

Auch Venezuela habe Moskau nicht verteidigen können. «Russlands militärische Fähigkeiten sind nicht vergleichbar.» Er fährt fort: «Wir haben das beste Energie-Team des Planeten.» Der Demokrat würgt ihn ab: «Es ist eine einfache Ja-oder-Nein-Frage.» Dann wechselt Carbajal das Thema.

CARBAJAL: You don't believe easing sanctions is helping Russia? HEGSETH: We have the best energy team in the planet CARBAJAL: It's a simple yes or no HEGSETH: Do you understand the energy dominance this administration has unleashed?

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 29. April 2026 um 18:13

Hegseth zur Kraft der Ukraine

Adam Smith kritisiert, Hegseth habe Donald Trump gesagt, dass die Ukraine «keine Karten zum Ausspielen» hätte. Man erinnere sich an das denkwürdige Treffen mit Wolodymyr Selenskyj im Weissen Haus Ende Februar 2025: «Sie sollten so schnell wie möglich einen Deal abschliessen. Das war offensichtlich falsch. Was haben Sie verpasst?» 

Er meint: Die Ukraine ist ja gar nicht so niedergemacht worden wie vom Weissen Haus gedacht.

#01: Trump – das ist nicht neutral: Wie man mit Trump umgehen muss, ohne eine reinzukriegen

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Im ersten Teil der Reihe «Trump – das ist nicht neutral» gilt es, von den Fehlern von Wolodymyr Selenskyj und Justin Trudeau im Umgang mit dem US-Präsidenten zu lernen. Emmanuel Macron und Keir Starmer machen vor, wie es geht.

06.03.2025

«Was wir nicht verpasst haben», schiesst der Minister zurück, «ist, dass [Trumps Vorgänger] Joe Biden ohne Rechenschaft unsere Waffen im Wert von hunderten Milliarden Dollar der Ukraine gegeben hat. Mit einem Resultat, das es nie gegeben hätte, wenn Präsident Trump der Präsident gewesen wäre.»

«Sie werden die Frage nicht beantworten», resigniert Smith.

«Ihr Typen redet nicht darüber: Präsident Trump glaubt letztendlich, dass es einen Friedensschluss geben sollte», giftet Hegseth.

Smith fragt: Aber was ist nun mit der strategischen Fehleinschätzung? «Ich denke, die Ukrainer haben grossen Mut bewiesen, und ich schätze, dass die Europäer jetzt die Waffen bezahlen, die wir abgeben», windet sich Hegseth heraus.

During a hearing Congressman Adam Smith asked Secretary of Defense Pete Hegseth why the Trump administration miscalculated Ukraine‘s capabilities, questioning why the Trump admin tried to push Ukraine into an unfavorable deal. Hegseth deflected and didn’t respond to the question.

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— (((Tendar))) (@tendar.bsky.social) 29. April 2026 um 20:35

Der von Hegseth erwähnte «Fakt», die USA hätten Kiew Waffen im Wert von «hunderten Milliarden Dollar» gegeben, ist übrigens falsch. Mitunter hat Washington altes Material geschickt, dessen Entsorgung andernfalls hätte gezahlt werden müssen. Durch die Waffen-Hilfe konnte das Pentagon tatsächlich jenes Arsenal modernisieren, das im Ernstfall wieder aktiviert werden soll.

Hegseth zur Einstellung seines Kumpels

Hegseth wird zu Timothy Parlatone befragt – der ist nicht nur «seit langer Zeit» ein Kumpel von ihm: Er war einst auch sein Anwalt und hat auch für Trumps Team gearbeitet.

Im März 2025 hat ihn der Minister in die Reserve der Marine installiert und ihn zudem als führenden Berater eingestellt, der an wichtigen Meetings teilnimmt – ohne dass er überprüft oder vom Kongress bestätigt worden ist. Doch darüber redet Hegseth nicht gern, wie der zickige Austausch mit dem Demokraten Jason Crow zeigt.

Er muss sich jede Antwort aus der Nase ziehen lassen, preist Parlatone als «grossen Patrioten» ist «stolz», ihn als Berater zu haben. «Ich weiss nicht, worauf sie hinauswollen», lässt er  Crowo auflaufen: «Sie spielen ein Erwischt-Spiel, wie Sie und jeder andere es im TV spielen.»

🚨 Rep. Jason Crow presses Pete Hegseth on his special adviser Crow: Does Mr. Parlatore represent foreign governments or persons in his private law practice? Hegseth: I don't know Crow: You don't know? Somebody who is sitting in your meetings as a special adviser — you don't know? Hegseth: ...

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— Trending News (@trending-news.bsky.social) 29. April 2026 um 20:25

Ob Parlatone in seiner Anwaltskanzlei ausländische Mächte vertritt, kann Hegseth nicht beantworten.

Hegseth zickt gegen alle

Hegseth hat nicht vor, sich in der Anhörung auch nur irgendwas gefallen zu lassen, und geht stets zum Gegenangriff über. Selbst wenn Maggie Goodlander seine eigenen Worte zitiert, spricht er davon, dass ihm etwas «parteiisch unterstellt» wird. Dabei war die Frage bloss, ob das Militär keinen unrechtmässigen Befehlen folgen darf.

GOODLANDER: Do you agree with the statement, 'the military won't follow unlawful orders'? HEGSETH: I do, but-- GOODLANDER: I'm actually quoting you directly, Mr Hegseth, from April 2016

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 29. April 2026 um 21:21

Das Gebaren geht weiter, als ihn die 39-Jährige auf die Benzinpreise anspricht: Hegseth weiss nicht, wie die Preise vor und nach Beginn des Iran-Kriegs waren und kann dazu bloss sagen, dass der Sprit im demokratisch regierten Kalifornien viel teurer ist.

GOODLANDER: Do you know what the average cost of a gallon of gas was in this country was on February 28? HEGSETH: If you live in California, it's $8 GOODLANDER: $2.83. Do you know what the cost is today? HEGSETH: Much higher in California GOODLANDER: $4.23. You can't answer this basic question?

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 29. April 2026 um 21:19

Nächste Frage: Warum hat Hegseth einige Militärs entlassen? «Es gab viele geschlechtsspezifische und demografische Veränderungen, die aus anderen Gründen als die Fokussierung auf das Schlachtfeld stattfanden», sagt der Minister.

Marilyn Strickland erwidert, sie habe gar nicht nach dem Gendern gefragt. Hegseth grantelt: «Das ist in jeder Aussage miteingeschlossen.»

HEGSETH: There's been a lot of gender and demographic engineering that's been going on for reasons other than the focus on the battlefield STRICKLAND: I did not raise gender HEGSETH: That's implied in every statement STRICKLAND: Is this about loyalty to Trump?

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 29. April 2026 um 19:38

Stricklands Perteikollegin Chrissy Houlahan fragt nach, warum der hochangesehene General Randy George gefeuert wurde. Hegseth antwortet nicht direkt. Nur: «Es ist sehr schwer, die Kultur eines Ministeriums zu ändern, das durch falsche Perspektiven zerstört wurde.» Und: «Wir brauchen eine neue Führung.»

HEGSETH: It's very difficult to change the culture of a department that has been destroyed by the wrong perspectives HOULAHAN: So you think General George destroyed a culture? HEGSETH: We need new leadership HOULAHAN: You have no way of explaining why you fired him

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 29. April 2026 um 18:44

Hegseth und Houlahan verlieren sich in einem Wortgefecht, in dem der Republikaner den Demokraten die Schuld an den Kriegen in Vietnam und dem Irak gibt, die dessen Parteikollegen Richard Nixon und George W. Bush begonnen haben.

Hegseth blames Democrats for "getting us into" Afghanistan, Iraq, and Vietnam (George W Bush and Richard Nixon would like a word ... )

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 29. April 2026 um 18:42

Mit Sara Jacobs legt sich Hegseth an, weil sie ihn fragt, ob Trump mental noch fit sei. «Haben Sie bei Joe Biden dieselbe Frage gestellt?», pampt er die 37-Jährige an. «Joe Biden ist nicht Präsident», kontert die Abgeordnete aus Kalifornien. «Ich werde mich nicht auf das Niveau der Verunglimpfung einlassen, die Sie dem Oberbefehlshaber [Trump] entgegenbringen», sagt Hegseth und fängt wieder von Biden an.

JACOBS: Do you believe the president is mentally stable enough to be the commander in chief? HEGSETH: Did you ask the same question of Joe Biden? JACOBS: Joe Biden is not the president HEGSETH: I won't even engage with the level of disparagement you're putting on the commander in chief

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 29. April 2026 um 19:26

Sogar der republikanische Vorsitzende des Komitees muss Hegseth zur Ruhe rufen:

Hegseth is so out of control that even the House Republican committee chair is telling him to calm down

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 29. April 2026 um 19:53

Und was ist nun das Fazit? Für die einen hat sich der Verteidigungsminister erfolgreich geschlagen. Für die anderen läuft seine Zeit auf dem Posten ab. Die Zeit wird zeigen, ob sich das bewahrheitet.