Erfolgreicher RachefeldzugSo kaltblütig schaltet Trump seine Gegner aus
Oliver Kohlmaier
20.5.2026
Hat seine Partei fest in der Hand: US-Präsident Donald Trump.
Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Donald Trumps Umfragewerte sind im Keller, bei den Zwischenwahlen könnten Mehrheiten kippen. Seine Partei jedoch hält er im Würgegriff wie nie zuvor – und räumt gleich mehrere Kritiker aus dem Weg.
Redaktion blue News
20.05.2026, 19:16
20.05.2026, 19:51
Oliver Kohlmaier
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Donald Trump hat seine Macht in der Republikanischen Partei einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Alle von ihm unterstützten Kandidat*innen siegten bei parteiinternen Vorwahlen.
Damit schloss Trump einen monatelangen Rachefeldzug erfolgreich ab. Mehrere parteiinterne Widersacher wurden kaltgestellt.
Eigentlich läuft es gerade nicht gut für den US-Präsidenten. Der Iran-Krieg ist im Volk äusserst unbeliebt, steigende Lebenshaltungskosten machen den Bürger*innen zu schaffen. Entsprechend schlecht steht Trump in den Umfragen da.
Doch seine republikanische Partei hält Trump wie eh und je fest in der Hand, wie sein jüngster Rachefeldzug zeigt. In einer monatelangen Kampagne sägte Trump Dutzende parteiinterne Gegner ab. Die Krönung folgte am Dienstag: Bei parteiinternen Vorwahlen stellte Donald Trump seine Macht in der Republikanischen Partei einmal mehr unter Beweis. In zahlreichen Bundesstaaten gab es Erfolge für Trump-unterstützte Kandidaten, während Gegner des Präsidenten teils deutlich unterlagen.
Nach all den Jahren zeigt sich noch immer: Wer sich gegen Trump stellt, ist politisch erledigt – so wie Bill Cassidy. Der Senator von Louisiana stimmte 2020 als einer von wenigen Republikanern für die Amtsenthebung Trumps.
«Es ist schön, dass seine politische Karriere zu Ende ist!»
Seitdem versuchte Cassidy mehrfach vergeblich, die Beziehung zu Trump zu kitten. Die finale Quittung folgte am Samstag. Bei der Vorwahl der Republikaner im Südstaat unterlag er haushoch gegen die von Trump unterstützte Julia Letlow. Kurz nach dessen Niederlage liess Trump Cassidy wissen, warum ihm eine dritte Amtszeit als Senator verwehrt bleibt: «Illoyalität»
Den Triumph über seinen einstigen Widersacher kostete der US-Präsident gensslich aus: «Es ist schön zu sehen, dass seine politische Karriere zu Ende ist!»
Auch mit Brad Raffensperger hatte Trump noch eine Rechnung offen, auch hier spielen die Ereignisse aus 2020 die Hauptrolle. Der Secretary of State in Geogia hatte es damals gewagt, sich an geltende Gesetze zu halten, und weigerte sich, Trump nachträglich jene 11'779 Stimmen zu besorgen, die ihm in Georgia gegen den schliesslich gewählten Joe Biden fehlten.
Bei den Vorwahlen für das Gouverneusamt in Georgia unterlag Raffensperger schliesslich dem Milliardär Rick Jackson sowie Vizegouverneur Burt Jones, die beide in die Stichwahl einzogen.
Zahlreiche Politiker unterlagen ihren Herausforderern
Seinen Rachefeldzug schloss Trump mit dem Erfolg gegen Thomas Massie ab. Das Rennen stand unter der Vielzahl an Vorwahlen besonders im Fokus. Denn der Abgeordnete im Repräsentantenhaus hatte sich in den vergangenen Jahren immer wieder quergestellt und gehört zu den wenigen lautstarken Kritiker*innen im Kongress. So stellte er sich etwa gegen das wichtigste innenpolitische Ausgabenpaket des Präsidenten und insbesondere gegen den Krieg im Iran. Zudem war er es, der gemeinsam mit dem Demokraten Ro Khanna das Gesetz für die Veröffentlichung der Ermittlungsakten im Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein voranbrachte.
Grund genug für Trump, «diesen Taugenichts abzuwählen». Massies Widersacher Ed Gallrein, massiv unterstützt von Trump, ging bei den richtungsweisenden Vorwahlen in Kentucky letztlich als Sieger hervor. Selbstredend liess Trump auch diesen Erfolg nicht unkommentiert: «Er war ein schlechter Typ. Er hat es verdient zu verlieren.»
In den Wochen davor unterlagen bereits zahlreiche andere republikanische Politiker ihren von Trump unterstützten Herausforderern, darunter auch mehrere Senatoren in Indiana, die sich Trumps Plänen zur Neuziehung von Wahlkreisen widersetzt hatten.
«Das wertvollste Kapital ist die Unterstützung durch Trump»
Um seine Gegner kalt zu stellen, ist Trump und seinen Verbündeten offenbar kein Preis zu hoch. Denn die Vorwahl in Kentucky wurde zur bislang teuersten der US-Geschichte. Trumps Verbündete und mehrere pro-israelische Gruppen liessen es sich laut Medienberichten 32 Millionen Dollar kosten, um Massie zu besiegen. Dieser zeigt sich nach seiner Niederlage konsterniert: «In diesem Land sehnt man sich nach jemandem, der Prinzipien über Parteizugehörigkeit stellt.»
Trumps erfolgreicher Rachefeldzug zeigt einmal mehr: Wer sich gegen den US-Präsidenten stellt, wird politisch ausgeschaltet. «Trump hat erneut seine Macht innerhalb der Republikanischen Partei unter Beweis gestellt», sagt Trey Grayson, der frühere Secretary of State von Kentucky. Und Josh McKoon, Chef der republikanischen Partei in Georgia, betont: «Das wertvollste Kapital bei den Vorwahlen der Republikaner – nicht nur in Georgia, sondern im ganzen Land – ist die Unterstützung durch Donald Trump.»
Das weiss auch der Präsident – und lässt keine Gelegenheit verstreichen, seine Widersacher daran zu erinnern. So lesen sich seine Postings auf Truth Social wie die Chronologie einer parteiinternen Säuberungsaktion. Wie erfolgreich diese war, fasst Trump auf seinem sozialen Netzwerk selbst zusammen: Alle 37 der von ihm unterstützten Kandidat*innen haben ihre jeweiligen Vorwahlen gewonnen.
Nächste Woche könnte der finale Sieg in Texas folgen. Dort hatte sich der umstrittene Generalstaatsanwalt des Bundesstaates, Ken Paxton, die Unterstützung des Präsidenten gesichert, um in der Stichwahl der Vorwahlen den seit vier Amtszeiten amtierenden republikanischen Senator John Cornyn zu verdrängen. Vieles deutet darauf hin, dass Trump auch dieses Rennen für sich entscheiden wird.
Bewährungsprobe im November
Die Vorwahlen galten für Trump als letztlich erfolgreicher Test, wie gut er die republikanische Wählerbasis mobilisieren kann. Die entscheidende Bewährungsprobe folgt jedoch im November. Dann stehen die Midterms an, bei denen das Repräsentantenhaus und ein Teil des Senats neu gewählt werden.
Verlieren die Republikaner auch nur in einer der beiden Kammern ihre derzeit hauchdünne Mehrheit, wird Trump keine grösseren Gesetzesinitiativen mehr durchsetzen können. Zudem müsste er sich möglicherweise auf ein weiteres Amtsenthebungsverfahren einstellen.
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