Können Europäer einspringen?Geheimdienst-Blackout für Kiew – Trump verbietet sogar Verbündeten, zu helfen
Philipp Dahm
10.3.2025
#01: Trump – das ist nicht neutral: Wie man mit Trump umgehen muss, ohne eine reinzukriegen
Im ersten Teil der Reihe «Trump – das ist nicht neutral» gilt es, von den Fehlern von Wolodymyr Selenskyj und Justin Trudeau im Umgang mit dem US-Präsidenten zu lernen. Emmanuel Macron und Keir Starmer machen vor, wie es geht.
06.03.2025
Die USA geben keine Geheimdienst-Informationen mehr an die Ukraine weiter. Die Europäer wollen einspringen – aber haben sie überhaupt die Mittel dafür? Eine Bestandsaufnahme.
Donald Trump macht Ernst: Der US-Präsident hat nach dem Eklat mit Wolodymyr Selenskyj am 28. Februar im Weissen Haus nicht nur die Waffenhilfe für die Ukraine eingestellt, sondern gibt auch keine Geheimdienst-Informationen mehr an Kiew weiter.
Dass der Ukraine versprochenen Waffen wie etwa das Flugabwehrsystem Patriot fehlen werden, das bereits in einem Lager in Polen steht, ist klar. Doch auch die fehlende Aufklärung wird sich auswirken: Kiew hat nicht nur zu wenige Abfangraketen für russische Marschflugkörper, sondern erfährt auch zu spät, wann diese abgefeuert werden.
Und Washington ist konsequent: Auch Verbündete wie Grossbritannien dürfen der Ukraine keine Informationen stecken, die die USA gewonnen haben. Wie die «Daily Mail» berichtet, besteht das Weisse Haus auf die Nachrichtensperre, die auch Neuseeland, Australien und Kanada betrifft, die im Bündnis Five Eyes geheimdienstlich mit den USA kooperieren.
London und Paris wollen helfen, aber können sie das auch?
Frankreich reagiert auf diesen Zug als erstes: «Wir haben nachrichtendienstliche Ressourcen, die wir den Ukrainern zur Verfügung stellen», versichert Verteidigungsminister Sebastien Lecornu. Zudem habe Präsident Emmanuel Macron ihn angewiesen, «die Lieferung von französischen Hilfspaketen zu beschleunigen, um die ausbleibende US-Hilfe zu kompensieren».
Bild eines zivilen Satelliten von einem russischen Manöver im Jahr 2018.
KEYSTONE
Und auch London zieht nach: Grossbritannien will laut «Guardian» weiterhin jene Informationen an Kiew weitergeben, die ohne US-Hilfe gewonnen worden sind. «Sie sind nicht so weitreichend wie die Fähigkeiten der USA, nicht in der gleichen Grössenordnung und nicht in der Lage, deren Platz einzunehmen» schränkt ein Insider ein. Aber einen Nutzen hätte die Ukraine davon dennoch.
Für die Briten sei die Situation «komplizierter» weiss Lecornu. Die Franzosen hätten dagegen einen «souveränen Geheimdienst». Und tatsächlich belegen die Franzosen im Ranking der Militärsatelliten weltweit Platz vier. Das tönt theoretisch gut, doch in der Praxis liegen Welten dazwischen.
Enormer Nachholbedarf
Die Top-Plätze belegen die USA, China und Russland mit 247, 157 und 110 Militärsatelliten. Dann folgt Frankreich – mit 17 Exemplaren. Italien hat 10, Deutschland 8, Grossbritannien 6 und Spanien 4 Militärsatelliten, die dem ukrainischen Militär helfen könnten. Zusammen kommen die Europäer also auf eine Zahl von 45: Mit dem Arsenal der US-Streitkräfte kann das kaum mithalten.
Wenn es um die Luftaufklärung geht, bedient sich Europa weitgehend amerikanischer Technik. Grossbritannien unterhält Spionageflugzeuge vom Typ Boeing RC-135W Rivet Joint, Deutschland den Seefernaufklärer Boeing P-8 Poseidon und Drohnen vom Typ MQ-9 Reaper werden in Frankreich, Grossbritannien, Italien, Spanien, den Niederlanden und Polen eingesetzt.
Aufklärer ohne US-Technik sind auf dem alten Kontinent rar: Nur das System Saab GlobalEye aus Schweden verzichtet darauf. Auch in diesem Bereich muss Europa kräftig zulegen, bevor es unabhängig sein kann. Für die Ukraine könnte es dann jedoch zu spät sein.
Gen Z fleissiger als gedacht – «Sie arbeiten nicht weniger, aber anders»
Eine Studie des deutschen Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) hat das Klischee der faulen Generation Z widerlegt. Und was halten die Leute auf der Strasse von der Arbeitsmoral der 15 bis 30-Jährigen?