Von Enttäuschung bis SchulterzuckenSo reagieren Europas Populisten auf Orbans Wahlniederlage
dpa
14.4.2026 - 21:14
Wahlklatsche für Orban – Schock für Europas Rechte?
Ungarns langjähriger Regierungschef Orban war für viele Rechte in Europa eine Ikone.
Bild: Archivbild: dpa
AfD-Parteichefin Alice Weidel pflegte ein gutes Verhältnis mit Ungarns jetzt abgewähltem Regierungschef Viktor Orban.
Bild: Archivbild: dpa
Auch Italiens Premier Georgia Meloni und Orban hatten über die Jahre eine enge Verbindung.
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Wahlklatsche für Orban – Schock für Europas Rechte?
Ungarns langjähriger Regierungschef Orban war für viele Rechte in Europa eine Ikone.
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AfD-Parteichefin Alice Weidel pflegte ein gutes Verhältnis mit Ungarns jetzt abgewähltem Regierungschef Viktor Orban.
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Auch Italiens Premier Georgia Meloni und Orban hatten über die Jahre eine enge Verbindung.
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Orban galt vielen Rechtsaussen-Parteien als Vorbild. Nach seiner Abwahl suchen Europas Rechtspopulisten nach neuer Orientierung – und zeigen sich unterschiedlich betroffen.
DPA
14.04.2026, 21:14
14.04.2026, 21:20
dpa
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Nach der Abwahl von Viktor Orban reagieren die populistischen Parteien unterschiedlich auf die Niederlage.
In Deutschland, Frankreich,Polen, Österreich und bei der Rechten im EU-Parlament ist die Enttäuschung gross.
Italiens Premier Georgia Meloni pflegte zwar ein enges Verhältnis zu Orban, divergierte aber beim Thema Russland. Budapest hat in diesem Hinblick auch die britische Rechte verprellt.
Nicht nur AfD-Chefin Alice Weidel posierte gerne auf Fotos mit Viktor Orban. Für viele Rechtspopulisten in Europa war Ungarns nun abgewählter Regierungschef eine Ikone.
Sie bewunderten ihn für das technische und organisatorische Geschick, mit dem er sein Land zur «illiberalen Demokratie» umbaute. Und dafür, dass er sich 16 Jahre lang an der Macht hielt. Das ist nun vorbei. Und Europas Rechte müssen den Verlust ihres Vorbilds und politischen Bezugspunkts erst einmal wegstecken.
Deutschland
Für die AfD ist Orbans Wahlniederlage ein Schlag in die Magengrube. Parteichefin Weidel, die ein enges Verhältnis zu ihm pflegt und von ihm kurz vor der Bundestagswahl 2025 in Budapest fast wie ein Staatsgast empfangen worden war, suchte lange nach den richtigen Worten und schrieb schliesslich erst am Nachmittag nach dem Wahltag bei X:
«Herzlichen Glückwunsch an die Partei Tisza zum Wahlsieg in Ungarn. Vielen herzlichen Dank an Viktor Orbán. Die Leistungen für sein Heimatland und seine Verdienste um Europa bleiben uns Ansporn, weiter für einen Kontinent der souveränen Nationen einzutreten.»
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23.03.2026
Ein Bild mit Orban von Weidels Treffen in Budapest ziert weiterhin ihr Profil bei X.
Andere AfD-Politiker gaben ihrer Enttäuschung über das Ergebnis bei X Ausdruck. Benedikt Kaiser, rechter Vordenker im AfD-Umfeld, schrieb, auch in Deutschland werde eine in der polnischen Rechten populäre These relevanter: «Die freiwillige Selbstbindung an einen harten Trumpismus schadet der jeweils heimischen Rechten bei den Wählern kolossal.»
Frankreich
Für Frankreichs Rechtsnationale Marine Le Pen ist Orbans Niederlage persönlich und strategisch enttäuschend. Seit Jahren haben Le Pen und Orban ein enges Verhältnis. Vor wenigen Wochen erst nannte sie ihn bei einer Versammlung rechtsnationaler Kräfte in Budapest einen Freund, einen Pionier und einen Ausnahme-Politiker.
Marine Le Pen trîfft im Oktober 2021 Viktor Orban in Budapest.
KEYSTONE
Nach der Wahl sprach sie nun davon, dass er den Machtwechsel mit Eleganz vollzogen habe. Im Rassemblement National träumt man davon, dass Le Pen oder Parteichef Jordan Bardella im nächsten Jahr französisches Staatsoberhaupt werden – und dann den Kampf gegen die EU-Kommission entschieden führen.
Malgré les accusations grotesques de « dictature » dont le gouvernement de @PM_ViktorOrban a été accusé depuis des années, la Hongrie démocratique a choisi l’alternance. Celle-ci a été actée avec beaucoup d’élégance par Viktor Orbán qui a durant seize ans défendu avec courage et…
Dafür ist den Euroskeptikern mit Orban nun ein wichtiger Mitspieler verloren gegangen. Dass Le Pen und Bardella aber innenpolitisch unter Orbans Niederlage leiden, ist unwahrscheinlich. Zu sehr schaut man in Frankreich auf sich selbst.
Polen
Die Abwahl von Orban ist für Polens rechtskonservative Oppositionspartei PiS ein schwerer Schlag. Der Ungar war strahlendes Vorbild für die Partei, deren Chef Jaroslaw Kaczynski bereits 2011 schwärmte, irgendwann werde es ein «Budapest in Warschau» geben.
Damit kündigte er an, was später die PiS-Regierung von 2015 bis 2023 in puncto Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Zoff mit der EU umsetzte – bis sie abgewählt wurde. Polens rechter Präsident Karol Nawrocki reiste im März zu Orban, um diesem Wahlkampfhilfe zu leisten.
Karol Nawrocki besucht Orban am 23. März in Budapest.
KEYSTONE
Am Tag nach der Wahl gratulierte er zwar Wahlsieger Peter Magyar, befand aber, es sei nicht die Rolle von Polens Staatsoberhaupt, Wahlergebnisse zu kommentieren. Derweil ging die PiS-Spitze zunächst auf Tauchstation. «Die PiS muss sich jetzt erst mal selbst sortieren», sagt die Politologin Agnieszka Lada-Konefal vom Deutschen Polen-Institut.
Polens Rechte, die ständig ihre Nähe zu US-Präsident Donald Trump betone, müsse auch darüber nachdenken, dass Orban die Wahl angesichts der Unterstützung Trumps verloren habe. «Vermutlich werden sie Trump nicht mehr in jedem zweiten Satz loben», so Lada-Konefal.
Italien
Für Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni war Orban über die vergangenen Jahre ein wichtiger politischer Bezugspunkt und strategischer Verbündeter in mehreren Fragen. Die beiden schätzen einander und haben im Laufe der Zeit eine enge Beziehung aufgebaut.
Congratulazioni per la chiara vittoria elettorale a Peter Magyar, al quale il governo italiano augura buon lavoro. Ringrazio il mio amico Viktor Orban per l’intensa collaborazione di questi anni, e so che anche dall'opposizione continuerà a servire la sua Nazione. Italia e…
In ihrem Glückwunsch-Post für Magyar bei X betonte Meloni ausdrücklich ihren Dank an ihren «Freund Viktor Orban» für die «intensive Zusammenarbeit» – sie wisse, er werde auch aus der Opposition heraus seinem Land weiter dienen.
Trotz der grundsätzlichen Nähe haben sich im Laufe der Zeit bedeutende Unterschiede herauskristallisiert: Seit ihrer Wahl zur Regierungschefin hat Meloni den Ton stark gemässigt, tritt in der EU als verlässliche Partnerin auf und auch in Bezug auf Russlands Krieg gegen die Ukraine standen sie und Orban zuletzt weit auseinander.
Giorgia Meloni e,pfängt im Dezember 2024 Viktor Orban in Rom.
KEYSTONE
Für Meloni dürfte Orbans Niederlage kurzfristig daher keine dramatischen Folgen haben. Magyar gibt sich als Konservativer, gilt als prowestlich und nicht russlandnah – Schnittmengen dürfte es zwischen ihm und Meloni also geben.
Österreich
Für die rechte österreichische FPÖ war Orban bislang ein Vorbild und enger Verbündeter. Nun versucht die Oppositionspartei, die Ungarn-Wahl für die Mobilisierung der eigenen Anhänger zu nutzen: Parteichef Herbert Kickl und andere Politiker argumentieren, dass die EU an Orbans Niederlage Schuld sei. EU-Mittel seien zurückgehalten worden, um ihm zu schaden.
Kickl warnte auch, dass ohne Orban nun «Irrsinns-Projekte Brüssels gegen den Willen und zum Nachteil der Bevölkerung leichter ausgerollt werden könnten als bisher». Die FPÖ, die seit Jahren stimmenstärkste Partei Österreichs, hält also Orban auch nach dessen Niederlage die Treue.
EU
Das Rechtsaussen-Bündnis in der Europäischen Union, Patrioten für Europa (PfE), verliert mit Orbans Abwahl den einzigen Regierungschef aus den eigenen Reihen. Die politische Gruppe sicherte Orban und Fidesz nach der Wahl volle Unterstützung zu und verwies in einem Statement auf die Bedeutung der «Verteidigung der nationalen Souveränität und der konservativen Werte in Europa».
Zur PfE gehören unter anderem auch Politiker von Rassemblement National, der italienischen Lega und der FPÖ. Die Gruppe stellt im Europäischen Parlament derzeit mit 85 Abgeordneten die drittstärkste Fraktion.
Manfred Weber, der Vorsitzende der christdemokratischen Europäischen Volkspartei (EVP), sprach von einer massiven Schwächung der Populisten. «Mit der Niederlage von Viktor Orban haben die Rechtspopulisten auch europaweit ihre Symbolfigur, ihre Anführer-Figur verloren», sagte er dem ARD-Europastudio Brüssel. Die EVP stellt mit 184 Abgeordneten die grösste Fraktion im EU-Parlament und mehrere europäische Regierungschefs.
Grossbritannen
Für den britischen Rechtspopulisten und Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage, dessen Reform-Partei noch immer die Umfragen anführt, war der abgewählte ungarische Regierungschef schon seit längerem toxisch geworden.
Im Mai 2022 liess sich der britische Populist Nigel Farage noch bei der CPAC-Konferenz in Budapest zuschalten.
KEYSTONE
Spätestens seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hielt der Brite sich mit Sympathiebekundungen für Orban, den er einst als Vorbild gepriesen hatte, deutlich zurück. Der Schmusekurs Orbans mit Moskau kam selbst bei eingefleischten EU-Gegnern auf der Insel nicht gut an.
Johann Wadephul: UN muss Verantwortung im Iran-Krieg übernehmen
Berlin, 27.04.2026: Krisendiplomatie in New York: Aussenminister Johann Wadephul fordert mehr Einsatz vom UN-Sicherheitsrat im Iran-Konflikt.
O-Ton Johann Wadephul, Aussenminister
«Die UN müssen jetzt ihrer Verantwortung gerecht werden, insbesondere der Sicherheitsrat. Kriege und Konflikte schwelen, und wir sehen zum Teil die Unfähigkeit von Staaten, effektive Konfliktlösungsmechanismen in Kraft zu setzen. Insbesondere der Konflikt um den Iran und die blockierte Strasse von Hummus wird ein Thema sein, zu dem ich auch das Wort ergreifen werde im Sicherheitsrat.»
Wadephul fordert, der UN-Sicherheitsrat müsse handlungsfähiger werden: Blockaden, auch durch China und Russland, dürften Lösungen nicht länger verhindern.
Deutschland hofft zudem auf ein UN-Mandat für eine mögliche Mission in der Strasse von Hormus, einer wichtigen Route für die weltweite Energieversorgung.
In New York plant Wadephul Gespräche mit UN-Generalsekretär António Guterres sowie weiteren ranghohen UN-Vertretern und Amtskollegen. Dabei soll es auch um die Zukunft der Vereinten Nationen gehen.
28.04.2026
Einsatz im Mittelmeer: Minenjagdboot wird bald wegen Iran-Krieg verlegt
Das deutsche Minenjagdboot «Fulda» soll schon bald aufbrechen – Verteidigungsminister Boris Pistorius will, dass es schnell geht, sollte demnächst ein Einsatz zur Sicherung der Strasse von Hormus anstehen. Pistorius betont, Voraussetzung für einen Einsatz sei zuallererst ein Ende der Kampfhandlungen im Krieg der USA und Israels mit dem Iran. Zudem erinnert er daran, dass ein solcher Einsatz nur mit einem Mandat des Bundestags möglich sei.
27.04.2026
Pete Hegseths «Pulp Fiction»-Gebet
Verteidigungsminister Pete Hegseth zitiert am 16. April auf einer Pressekonferenz in Washington ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei.
«Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos. Hegseth zitiert ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei. «Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos.
Im Video siehst du jedoch, dass es sich um ein abgewandeltes Zitat aus dem Kultfilm «Pulp Fiction» von 1994 handelt, das nur an den Bibelvers angelehnt ist.
17.04.2026
Johann Wadephul: UN muss Verantwortung im Iran-Krieg übernehmen
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