Widersprüche und Wunschdenken So stiftet Donald Trump Chaos und Verwirrung im Iran-Konflikt

Oliver Kohlmaier

21.4.2026

US-Präsident Donald Trump legt im Konflikt mit Teheran eine Kehrtwende nach der anderen hin. 
US-Präsident Donald Trump legt im Konflikt mit Teheran eine Kehrtwende nach der anderen hin. 
Alex Brandon/AP/dpa

Friedensverhandlungen, Strasse von Hormus, Uran: Donald Trump stiftet mit widersprüchlichen Aussagen zum Iran Verwirrung ohne Ende – auch in den eigenen Reihen. 

Redaktion blue News

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Donald Trump sorgt im Konflikt mit dem Iran durch widersprüchliche Aussagen für Verwirrung und Chaos.
  • So behauptete der US-Präsident etwa, ein Deal mit Teheran sei praktisch beschlossen – das Dementi aus Teheran folgte umgehend.
  • Zudem verkündete Trump die Abreise seines Vizes zu einer zweiten Runde Friedensverhandlungen in Pakistan. JD Vance befand sich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch in Washington.
  • Auch bei der Frage der Spritpreise legte Trump eine Kehrtwende hin.

Dass Donald Trump ein lockeres Verhältnis zur Wahrheit pflegt, ist hinlänglich bekannt. Doch im Konflikt mit dem Iran treibt der US-Präsident das Nachrichten-Chaos mit widersprüchlichen und teils falschen Behauptungen auf die Spitze – und gefährdet damit einen möglichen Frieden.

So hat Trump wiederholt verwirrende Statements zum Stand der Gespräche mit dem Iran und zur Lage in der Strasse von Hormus abgegeben. Seine Behauptungen wurden dabei von den Iranern und manchmal auch von ihm selbst widerlegt. Dabei stiftet Donald Trump nicht auf diplomatischer Ebene jede Menge Verwirrung – sondern auch in den eigenen Reihen. 

«Deal» oder nicht?

Das wichtigste Ziel der USA ist es nach eigenen Angaben, den Iran am Bau einer Atombombe zu hindern. Schon vor dem ersten Treffen in Pakistan am 11. April erklärte Trump, die USA und der Iran würden gemeinsam daran arbeiten, das angereicherte Uran zu beseitigen – oder «nuklearen Staub», wie der US-Präsident es nennt. «Viele der 15 Punkte sind bereits vereinbart worden», sagte Trump und deutete eine Lösung an. Doch beide Seiten verliessen Islamabad ohne Einigung – aufgrund unüberbrückbarer Differenzen.

Nahost-Konflikt

Immer wieder kommt es zu Eskalationen im Nahen Osten. Jüngst sorgten die USA und Israel mit Angriffen auf den Iran für Unruhen.  blue News informiert dich laufend über alle wichtigen Entwicklungen in Nahost.

Dennoch deutete der US-Präsident seitdem wiederholt an, eine Einigung sei absehbar. Am Freitag hiess es von Donald Trump, ein Deal sei zum Greifen nahe. Teheran wolle die Strasse von Hormus «nie wieder» blockieren, habe «allem zugestimmt» und sich insbesondere bereit erklärt, angereichertes Uran an die USA zu übergeben.

Doch das entschiedene Dementi aus Teheran folgte prompt. Eine Weitergabe an die USA sei nie in Frage gekommen. «Angereichertes Uran ist für uns ebenso heilig wie der iranische Boden und wird unter keinen Umständen an irgendeinen Ort weitergegeben», hiess es in der Stellungnahme aus Teheran. Und bereits am Sonntag blockierte der Iran die Strasse von Hormus erneut, weil die USA ihrerseits weiterhin an ihrer Blockade iranischer Häfen festhielten.

«Werden jedes Kraftwerk und jede Brücke zerstören»

Trotz gegenteiliger Signale aus Teheran machte der US-Präsident zum Wochenbeginn einfach weiter. Fox News berichtete am Montagmorgen unter Berufung auf Trump, «ein Abkommen werde heute Abend unterzeichnet». Doch noch am Nachmittag bestritt der US-Präsident, dass es irgendeinen Zeitdruck für eine Einigung gebe.

Und selbst nachdem Trump erklärt hatte, Teheran habe den meisten Bedingungen bereits zugestimmt, drohte er erneut damit, die zivile Infrastruktur des Landes zu zerstören, sollte der Iran seine Forderungen nicht akzeptieren: «Wir bieten einen sehr fairen und vernünftigen Deal an, und ich hoffe, sie nehmen ihn an, denn wenn sie es nicht tun, werden die Vereinigten Staaten jedes einzelne Kraftwerk und jede einzelne Brücke im Iran zerstören.»

Kommt Vance nach Pakistan?

Am Sonntag kündigten hochrangige Vertreter der Regierung an, Vizepräsident JD Vance werde für eine neue Runde Friedensverhandlungen erneut nach Pakistan reisen. Doch Trump selbst teilte den TV-Senden das Gegenteil mit. Aufgrund von Sicherheitsbedenken werde Vance nicht nach Islamabad kommen. 

Trumps Äusserungen lösten im Weissen Haus hektische Aktivitäten aus. Mitarbeiter versuchten, Trumps Behauptungen zu korrigieren und teilten Reportern hinter verschlossenen Türen mit, dass Vance tatsächlich die Delegation nach Islamabad leiten werde, wie die «Washington Post» berichtete.

Die falschen Angaben des Präsidenten zu den Reiseplänen seines Vizes setzten sich am Montag fort. Der «New York Post» sagte er während eines morgendlichen Telefonats, Vance, Witkoff und Kushner seien bereits auf dem Weg nach Islamabad und würden dort am Montagabend (Ortszeit)  eintreffen. Doch nur kurze Zeit vor seiner vermeintlichen Landung in Pakistans Hauptstadt wurde die Autokolonne des Vizepräsidenten vor dem Weissen Haus gesehen. 

Wieder Hektik im Weissen Haus: Regierungsvertreter beeilten sich, Trumps Äusserungen zu korrigieren und teilten mit, Vance werde voraussichtlich am Dienstag abreisen und am Mittwoch in Pakistan eintreffen.

Doch als Donald Trump seinen Stab auf Trab hielt, hatte Teheran bereits verkündet, es würde nicht an den Friedensverhandlungen teilnehmen. Der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA zufolge machten Washingtons übertriebene Forderungen, unrealistische Erwartungen, ständige Meinungswechsel, wiederholte Widersprüche und die anhaltende Seeblockade eine Teilnahme unmöglich.

Spritpreise

Wegen stark steigender Spritpreise steht Donald Trump im Inland erheblich unter Druck, insbesondere im Hinblick auf die Midterm-Wahlen im November. Dann sollen die Preise «ungefähr die gleichen» wie jetzt sein, räumte Trump ein.

Wenige Tage später jedoch rüffelte er seinen Energieminister für die ähnliche Aussage, eine Gallone Sprit würde erst 2027 wieder den Preis von drei US-Dollar unterschreiten.

Chris Wright liege «total falsch», sagte der US-Präsident. Stattdessen würden die Preise fallen, «sobald das hier beendet ist». Experten weisen immer wieder darauf hin, dass die Preise an den Tankstellen auch dann hoch bleiben könnten, wenn die Strasse von Hormus wieder geöffnet wird.