Psychologe analysiertSo ticken Trump, Putin und Musk
Philipp Fischer
29.3.2025
«Nach aussen stark und dominant, aber innerlich sehr verletzlich und unsicher», analysiert der österreichische Psychologe Reinhard Haller.
Archivbild: Mark Peterson/Pool New York Magazine/AP/dpa
Prof. Dr. Rainer Haller zählt zu den renommiertesten Psychiatern und Psychotherapeuten Österreichs. Er analysiert die wahren Ichs und die Wesenszüge von Trump, Putin und Co. Im US-Präsidenten verortet er einen lupenreinen Narzissten.
Philipp Fischer
29.03.2025, 20:38
Philipp Fischer
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Im Interview mit der «Aargauer Zeitung» analysiert der österreichische Psychologe Prof. Dr. Rainer Haller die Wesenszüge von Donald Trump, Elon Musk und Wladimir Putin.
Bei allen drei Persönlichkeiten erkennt der Psychologe narzisstische Züge.
«Die Narzissmusfalle»: In seinem Buch aus dem Jahr 2023 befasst sich der österreichische Prof. Dr. Rainer Haller mit Persönlichkeitsstörungen und verschiedenen Formen des Hasses wie den Narzissmus oder die Hassliebe. In einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» knöpft sich der anerkannte Psychiater, Psychotherapeut und forensisch-psychiatrischer Gerichtsgutachter das Auftreten und den Hauruck-Regierungsstil von Donald Trump vor. Sein Verhalten nennt er «auffällig».
Unberechenbar und aufbrausend: US-Präsident Donald Trump.
Archivbild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
«Es ist schwer, das Verhalten von Donald Trump anders zu beschreiben als klassisch narzisstisch. Auch wenn ich mich als Psychiater nicht leichtfertig äussere – hier ist es sehr auffällig». Haller sieht bei Trump alle typischen Verhaltensmerkmale erfüllt, die Narzissten kennzeichnen. Er nennt sie die fünf grossen «E» des Narzissmus: Egozentrik, Eitelkeit, Empathiemangel, Entwertung anderer und Empfindlichkeit.
Egozentrik und Eitelkeit
Bei Trump zählen «nur seine Interessen». Selbst sein markiger Slogan «Make America Great Again» ist komplett auf ihn und seine Interessen zugeschnitten, in der andere Sichtweisen keinen Platz haben, so Haller.
Der Narzisst «ist süchtig nach Anerkennung, nach Bewunderung». Es ist wie die Gier nach einer Droge. «Diese Droge heisst: Applaus, Aufmerksamkeit, Bewunderung. Davon lebt Donald Trump», analysiert der Seelenforscher.
Empathiemangel und Empfindlichkeit
Trumps Rücksichtslosigkeit im Umgang mit Geflüchteten lassen kein Mitgefühl zu. «Da ist keinerlei Empathie erkennbar», so Haller. Widerspruch wird von Trump nicht geduldet. Wer nicht spurt, wird öffentlich beleidigt und vorgeführt.
US-Präsident Donald Trump (Mitte r) trifft im Februar den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (Mitte l) im Oval Office des Weissen Hauses. Die Pressekonferenz endete in einem heftigen Schlagabtausch.
Archivbild: sda
So musste es auch Wolodymyr Selenskyj bei seinem Eklat-Besuch im Weissen Haus erfahren. Vor der ganzen Welt wurde der ukrainische Präsident von Trump und seiner Gefolgschaft abgekanzelt und blossgestellt. «Wer nicht mit dem Narzissten übereinstimmt, wird abgewertet, herabgewürdigt, lächerlich gemacht», sagt Haller.
Lege dich nie mit mir an – ich bin sehr empfindlich: Schon kleine Kränkungen lassen bei Donald Trump den Kragen platzen. «Er verzeiht nie und merkt sich jede noch so kleine Kritik. Trump reagiert überzogen und beleidigend auf persönliche Angriffe oder Widerspruch.» Hader nennt die Dominanz nach aussen und die Unsicherheit nach innen «die Achillesferse des Narzissten».
Wie steht es um Elon Musk?
Trumps Tesla-Buddy Elon Musk verortet der Psychologe eher im «autistischen Bereich», wenn gleich der Tech-Miliardär «in Teilen auch narzisstische Merkmale zeigt». Musks Asperger-Syndrom, eine Form der Autismus-Spektrum-Störung, scheint das Überdosierte Ich-Verhalten noch zu verstärken.
Ziemlich gute Freunde – und Geschäftspartner: Der Milliardär Elon Musk und US-Präsident Donald Trump.
Archivbild: Keystone
Trump: Opfer seines Vaters
«Bei Trump wissen wir, dass seine Mutter mit erheblichen psychischen Problemen zu kämpfen hatte», erklärt Haller. Sein Vater dagegen war der unangefochtene Macher, «dominant, stark leistungsorientiert und emotional distanziert».
In ihrem Buch «Amerikas Albtraum» beschreibt Mary L. Trump, die Nichte von Donald Trump, das abwertende Verhalten des Vaters gegenüber Donald. «Wenn man das liest, kann man fast so etwas wie Mitleid mit dem kleinen Donald empfinden – weil man erkennt, dass hinter dem Verhalten eine sehr verletzte Kindheit steckt», so Haller.
Putin: Zum Narzissten geworden
Das Auftreten von Wladimir Putin deutet für Haller auf einen psychischen Wandel des Präsidenten während seinem Aufstieg zum mächtigsten Mann Russlands hin. «Mein Eindruck ist, dass Putin nicht schon immer narzisstisch war», sagt Haller. Zu Beginn seiner politischen Karriere wirkte Putin «noch weniger ich-bezogen». Er konnte «in der Öffentlichkeit auch lächeln», konstatiert der Psychologe.
Männer mit (fast) uneingeschränkter Macht: Kremlchef Putin und US-Präsident Trump.
Archivbild: Evan Vucci/AP/dpa
Das sieht man heute bei Putins Auftritten nicht mehr – oder nur noch in verkrampfter Form. Mit seinem zunehmenden Erfolg und der kompletten Übernahme des russischen Machtapparates nahm auch Putin mehr und mehr narzisstische Züge an. «Und wie es bei Narzissten typisch ist, begann er dann, kritische Stimmen aus seinem Umfeld zu entfernen.» Inzwischen sei er nur noch von linientreuen Ja-Sagern umgeben. «Das verstärkt wiederum den Narzissmus des Machthabers», erklärt Haller.
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