Iran-Krieg trifft die Ukraine hart So profitiert Putin vom Chaos im Nahen Osten

Andreas Fischer

5.3.2026

Trump: «Die meisten Leute, die wir im Kopf hatten, sind nun tot»

Trump: «Die meisten Leute, die wir im Kopf hatten, sind nun tot»

US-Präsident Donald Trump äussert sich zu einer möglichen Nachfolge-Regierung im Iran. Dabei muss die US-Regierung offenbar umplanen, weil mögliche Kandidaten bei den Angriffen ums Leben gekommen sind.

04.03.2026

Der Krieg im Nahen Osten wirkt sich auch auf Russlands Invasion in der Ukraine aus. Moskau und Kiew bekommen dabei die Folgen auf unterschiedliche Weise zu spüren.

,

DPA, Andreas Fischer

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Iran-Krieg hat auch Auswirkungen auf den Krieg gegen die Ukraine.
  • In Kiew wächst die Sorge, dass westliche Militärhilfen – etwa für Patriot-Abwehrraketen – wegen der Spannungen im Nahen Osten knapper werden könnten.
  • Der Iran war für Russland ein wichtiger Waffenlieferant im Ukraine-Krieg, insbesondere mit Shahed-Drohnen, Munition und mutmasslich auch Raketen.
  • Durch steigende Öl- und Gaspreise infolge des Iran-Kriegs könnte Russland wirtschaftlich profitieren und so zusätzliche Mittel für seinen Krieg gegen die Ukraine erhalten.

Der Krieg im Iran stellt das Kampfgeschehen in der Ukraine derzeit in den Schatten. Auch wenn Moskau und Kiew an dem Konflikt im Nahen Osten nicht direkt beteiligt sind, betreffen die Ereignisse dort die Kriegsparteien ganz konkret. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Folgen der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran auf den Ukraine-Krieg.

Wie wichtig ist der Iran für Russland als Verbündeter?

Der Iran war vor allem in den ersten Kriegsjahren als Waffenlieferant im Ukraine-Krieg wichtig. Moskau, das die Entwicklung von Drohnen verschlafen hatte, erhielt ab Sommer 2022 Kampfdrohnen des Typs Shahed aus Teheran. Iraner haben russische Soldaten beim Umgang damit trainiert. Später half das Land beim Aufbau einer Drohnenproduktion in Russland.

Zu den iranischen Lieferungen zählten auch Patronen und Artilleriemunition sowie – Medienberichten zufolge – ab 2024 sogar Raketen. 2025 schlossen beide Seiten eine «strategische Partnerschaft», wobei etwa ein Drittel des 47 Paragrafen umfassenden Vertrags der Kooperation bei Militär, Rüstung und Sicherheit gewidmet ist. Der genaue Umfang der gegenseitigen Waffenlieferungen bleibt im Dunkeln.

Muss Russland nun Ressourcen für den Iran aufwenden?

Zumindest sieht die strategische Partnerschaft kein verpflichtendes militärisches Eingreifen Russlands auf der Seite des Irans vor. Kurz vor dem Angriff der USA und Israels sollen allerdings verstärkt russische Waffenlieferungen an den Iran gegangen sein.

Kriegsentscheidend seien diese nicht, meint Nikita Smagin, Autor eines Blogs der US-Denkfabrik Carnegie. Auch für den Krieg in der Ukraine dürften diese Lieferungen unbedeutend sein, da Moskau bereits vorher den Bedürfnissen der Front alles andere untergeordnet hat.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat der Iran-Krieg für Russland?

Während Russland die Angriffe der USA und Israels politisch verurteilte, dürfte es wirtschaftlich davon profitieren. Die Öl- und Gaspreise sind wegen der Unsicherheit im Nahen Osten drastisch gestiegen. Russland könnte auch die Exportmengen steigern – für Ausfuhren etwa nach China, Indien oder in die Türkei.

Für den von einem hohen Defizit gezeichneten russischen Etat ist das gut – mehr als ein Viertel der geplanten Einnahmen stammt aus dem Verkauf fossiler Rohstoffe. Damit hätte Russland dann auch wieder mehr Mittel zur Finanzierung seines Kriegs. Denn bei den Ausgaben gehen knapp 40 Prozent des Haushalts in Militär, Rüstung und nationale Sicherheit.

Wladimir Putin kann sich über einen unerwarteten Bonus für seine Kriegskasse freuen: Aufgrund des Iran-Krieges steigen die Preise für Öl und Gas, Russlands wichtigste Exportgüter.
Wladimir Putin kann sich über einen unerwarteten Bonus für seine Kriegskasse freuen: Aufgrund des Iran-Krieges steigen die Preise für Öl und Gas, Russlands wichtigste Exportgüter.
IMAGO/ZUMA Press

Muss die Ukraine um westliche Militärhilfen fürchten?

In Kiew ist die Angst da, bei einem sich hinziehenden Iran-Krieg wichtige Unterstützung zu verlieren. «Ja, fraglos beunruhigt uns diese Frage, und daher sind wir im Kontakt mit unseren Partnern», sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montag. Es gab Telefonate mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Neben der finanziellen Unterstützung betrifft dies insbesondere die wichtigen Lieferungen für Flugabwehrraketen, die auch am Golf für die US-amerikanischen Patriot-Systeme gebraucht werden. Mit diesen schoss die ukrainische Flugabwehr bisher russische ballistische Raketen ab. Verzögerungen beim Nachschub hatten im Januar nach Angaben aus Kiew verheerende Folgen.

Kann die Ukraine mit ihren Kenntnissen im Drohnenkampf im Iran-Krieg eingreifen?

Nach dem Beginn iranischer Drohnenangriffe auf die Golf-Staaten schlug Selenskyj vor, ukrainische Drohnenabwehrexperten an den Persischen Golf zu entsenden. Doch machte er dafür eine Waffenruhe in der Ukraine zur Voraussetzung. Dafür sollten aus seiner Sicht die Golfmonarchien ihre guten Beziehungen zu Russland einsetzen. Seine Initiativen laufen aber bisher ins Leere.

«Wenn wir zum Beispiel über Waffen im Krieg sprechen, an denen wir einen Mangel haben, dann sind das PAC-3-Abfangraketen (für Patriot-Systeme), und wenn sie uns diese geben, geben wir ihnen Abfangdrohnen. Das ist ein gleichwertiger Tausch», sagte Selenskyj vor wenigen Tagen. Angesichts der Bedrohungslage am Golf durch iranische ballistische Raketen ist dies allerdings ein Vorschlag, der kaum aufgegriffen werden dürfte.

Wie geht es mit den Friedensgesprächen zwischen Kiew und Moskau weiter?

Ungelegen kommen die Kriegshandlungen am Golf auch für die seit Wochen laufenden Gespräche über ein Ende des Kriegs in der Ukraine. Zuletzt trafen sich die Unterhändler in Genf und davor in Abu Dhabi. Wann und wo es eine Fortsetzung der Gespräche geben könnte, ist vorerst nicht bekannt. Die USA sind als bisherige Vermittler bei den Ukraine-Verhandlungen zwar von beiden Seiten weiter erwünscht, aber nun auch mit ihrem Krieg beschäftigt.

Nach Äusserungen Selenskyjs sollte die nächste Runde der trilateralen Gespräche mit Russland und den USA am Donnerstag oder Freitag in Abu Dhabi stattfinden. Angesichts der Sicherheitslage in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat der Kreml schon abgewinkt.

Die Alternative in Genf lehnte Moskau wegen der «unzureichenden Neutralität» der Schweiz und wohl auch der schwierigen Logistik ebenfalls ab. Der europäische Luftraum ist für russische Flugzeuge weiterhin gesperrt, und es müssten Sonderflüge ausgehandelt werden.

Party trotz Krieg: Israelis feiern ausgelassen im Bunker in Tel Aviv

Party trotz Krieg: Israelis feiern ausgelassen im Bunker in Tel Aviv

Kurz nach dem Angriff auf den Iran wird in Israel das Purimfest gefeiert. Während draussen die Sirenen heulen, steigt im Bunker die Party. Historisch ist das Fest eng mit dem Iran verbunden.

05.03.2026