Nach Trumps «Müll»-AussageSomalische Flagge an US-Schule löst Sturm der Entrüstung aus
Oliver Kohlmaier
12.12.2025
Eine somalische Flagge neben der US-amerikanischen an der Schule in Winooski.
AP Photo/Amanda Swinhart/Keystone
Mitarbeiter einer Schule im US-Bundesstaat Vermont mussten nach einer Solidaritätsaktion rassistische Anrufe und Drohungen über sich ergehen lassen. Dabei hatten viele, die sich empörten, nur die halbe Wahrheit gesehen.
Redaktion blue News
12.12.2025, 23:23
12.12.2025, 23:34
Oliver Kohlmaier
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In einer Solidaritätsaktion hat eine Schule im US-Bundesstaat Vermont neben der US-amerikanischen auch die somalische Flagge gehisst.
Mitarbeiter der Schulverwaltung sowie Schüler wurden daraufhin mit rassistischen Anrufen und Drohungen im Internet überzogen.
US-Präsident Donald Trump hatte wenige Tage zuvor Migranten aus Somalia als «Müll» bezeichnet und gesagt: «Ich will sie nicht in unserem Land».
Nach abschätzigen Äusserungen von US-Präsident Donald Trump über Einwanderer aus Somalia hat eine Schule im Bundesstaat Vermont die somalische Flagge neben der Fahne der USA gehisst. Mitarbeiter der Schulverwaltung und Schüler wurden daraufhin mit rassistischen Anrufen und Drohungen im Internet bombardiert worden.
Präsident Trump hatte somalische Einwanderer in Minnesota, wo besonders viele von ihnen wohnen, als «Müll» bezeichnet und gesagt, sie würden nichts zum Wohle der USA beitragen. «Ich will sie nicht in unserem Land», sagte der Präsident. Agenten der Einwanderungsbehörde ICE wurden vergangene Woche in den Bundesstaat beordert, um illegal dort lebende Somalier aufzugreifen.
Auch im Schulbezirk von Winooski in Vermont sind neun Prozent der Schüler somalischer Abstammung. «Wir haben unsere Schüler und die Gemeinde eingeladen, sich zu einem kleinen Moment der Normalität inmitten einer Flut rassistischer Rhetorik auf nationaler Ebene zusammenzufinden», sagte Schulbezirksleiter Wilmer Chavarria, selbst ein Einwanderer aus Nicaragua, über das Hissen der somalischen Flagge. «Wir hatten ein wirklich gutes Gefühl dabei, bis am Montagmorgen die hässliche Realität zuschlug.»
Die somalische Flagge wurde neben der Fahne von Vermont und der US-Flagge an einem Schulgebäude gehisst. Somalischstämmige Schüler hätten geklatscht und gejubelt, sagte Chavarria. Die Aktion habe ihnen viel bedeutet.
Schulbezirksleiter Wilmer Chavarria.
AP Photo/Amanda Swinhart/Keystone
Videos zeigen nur die somalische Flagge
In rechten Netzwerken seien aber Videos kursiert, die nur die somalische Flagge, aber nicht die der USA und Vermonts gezeigt hätten, sagte Chavarria. Das habe dazu beigetragen, dass dort die Entrüstung besonders stark um sich gegriffen habe. Um die Mitarbeiter vor Anfeindungen zu schützen, seien Telefonleitungen und die Webseite des Schulbezirks abgeschaltet worden. Schulangestellte und andere in der Gemeinde seien bösartigen verbalen Angriffen ausgesetzt worden, sagte Chavarria.
Mukhtar Abdullahi, ein Einwanderer, der als Verbindungsmann unter anderem für somalische Familien im Bezirk fungiert, sagte: «Niemand, kein Mensch, egal woher er kommt, ist Müll.» Einige Schüler hätten sich Sorgen gemacht, ob ihre eingewanderten Eltern in den USA noch in Sicherheit seien, sagte er.
Eine Sprecherin des Weissen Hauses, Abigail Jackson, bezeichnete die Anrufe und Nachrichten, die die Schule erhalten hatte, als Handlungen von Personen, «die nichts mit Trump zu tun haben». Aber auch sie teilte gegen Migranten aus. «Ausländer, die in unser Land kommen, sich darüber beschweren, wie sehr sie Amerika hassen, keinen Beitrag zu unserer Wirtschaft leisten und sich weigern, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren, sollten nicht hier sein», erklärte Jackson in einer E-Mail. «Und amerikanische Schulen sollten amerikanische Flaggen hissen.»