PolitikSorge vor Flächenbrand nach Irans Grossangriff auf Israel
SDA
14.4.2024 - 12:39
ARCHIV - Eine Batterie des israelischen Raketenabwehrsystems Iron Dome, das zum Abfangen von Raketen eingesetzt wird, steht in Aschkelon im Süden Israels. Foto: Ariel Schalit/AP/dpa
Keystone
Der erste direkte Angriff des Irans auf Israel bringt die beiden Erzfeinde an den Rand eines Krieges. Die iranische Armee griff am Samstag israelische Ziele mit rund 300 Raketen und Drohnen an. Das israelische Militär wehrte nach eigenen Angaben die Attacke erfolgreich ab. Israel hatte Unterstützung der USA, Grossbritanniens, Frankreichs und Jordaniens.
Keystone-SDA
14.04.2024, 12:39
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Das israelische Kriegskabinett wollte am Sonntag über das weitere Vorgehen beraten. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schrieb auf der Plattform X (vormals Twitter): «Wir haben abgeschossen, wir haben gebremst. Gemeinsam werden wir siegen».
Die Führung in Teheran übte mit der Operation «Aufrichtiges Versprecher» Vergeltung für einen mutmasslich israelischen Angriff am 1. April auf ein iranisches Botschaftsgebäude in Syriens Hauptstadt Damaskus: Zwei Brigadegeneräle der Revolutionsgarden waren getötet worden.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wollte noch am Sonntag zu einer Dringlichkeitssitzung in New York zusammenkommen. US-Präsident Joe Biden plante, mit den Staats- und Regierungschefs der führenden wirtschaftsstarken Demokratien (G7) die Lage in einer Schalte zu beraten. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), der derzeit China besucht, verurteilte den iranischen Angriff. Deutsche Politiker versicherten Israel Solidarität.
Israels Armeesprecher: 99 Prozent der Geschosse abgefangen
Der israelische Armeesprecher Daniel Hagari sagte, 99 Prozent der mehr als 300 abgefeuerten Geschosse seien abgefangen worden. Er nannte das einen «sehr bedeutsamen strategischen Erfolg». Er wies die Idee, der Angriff des Irans könnte eine «Art geplanter Show» ohne echte Schadensabsicht gewesen sein, vehement zurück: «Ich glaube, der Iran wollte Ergebnisse erzielen und dies ist ihm nicht gelungen.»
Israels Kriegskabinett berät über das weitere Vorgehen
Der Einsatz von mehr als 120 ballistischen Raketen sei eine klare Eskalation gewesen, sagte Hagari. Nur wenige seien nach Israel vorgedrungen. «Sie schlugen im Bereich der Flugbasis Nevatim ein und verursachten nur leichten Schaden an der Infrastruktur.» Von 170 unbemannten iranischen Flugkörpern seien «null auf das israelische Gebiet vorgedrungen. Dutzende seien von israelischen Kampfjets der Luftabwehr sowie «der Luftwaffe und Luftabwehr unserer Partner» abgeschossen worden. Von mehr als 30 Marschflugkörpern sei keiner eingedrungen. Israels Luftraum wurde am Sonntagmorgen wieder geöffnet.
Israels Aussenminister: Wenn der Iran angreift, greifen wir den Iran an
Zu einer möglichen Reaktion sagte er: «Wir prüfen die Situation und zeigen dem Kabinett die Pläne, wir sind bereit, zu unternehmen, was für die Verteidigung Israels notwendig ist.» Aussenminister Israel Katz sagte in einem Interview des Armeesenders: «Wir haben gesagt: Wenn der Iran Israel angreift, werden wir im Iran angreifen. Und dieses Bekenntnis ist immer noch gültig.» Unter anderem der Fernsehsender Channel 12 berichtete, das Kriegskabinett versammele sich um 14.30 Uhr (MESZ).
Biden telefoniert mit Netanjahu
US-Präsident Biden telefonierte noch in der Nacht mit Netanjahu. Das Weisse Haus teilte anschliessend mit, Biden habe den Angriff «auf das Schärfste» verurteilt und das «eiserne Bekenntnis» der USA zu Israels Sicherheit bekräftigt. Der Sender CNN berichtete unter Berufung auf einen ranghohen Regierungsvertreter, Biden habe Netanjahu gesagt, die USA würden sich nicht an «offensiven Operationen gegen den Iran beteiligen».
Iran warnt die USA
Irans Revolutionsgarden haben nach den Worten von Irans Präsident Ebrahim Raisi dem Erzfeind eine «Lektion» erteilt. Er warnte auch Israels Verbündete vor Gegenangriffen: «Wir raten den Anhängern des Besatzungsregimes, diese verantwortungsvolle und verhältnismässige Aktion der Islamischen Republik Iran zu würdigen.»
Scholz verurteilt Irans Angriff scharf – UN-Generalsekretär warnt vor Eskalation
Bundeskanzler Scholz verurteilte die Angriffe auf Israel «mit aller Schärfe». «Mit dieser unverantwortlichen und durch nichts zu rechtfertigenden Attacke riskiert Iran einen regionalen Flächenbrand», erklärte Regierungssprecher Steffen Hebestreit nach Ankunft des Kanzlers in der chinesischen Metropole Chongqing. «In diesen schweren Stunden steht Deutschland eng an der Seite Israels. Über weitere Reaktionen werden wir uns nun eng mit unseren G7-Partnern und Verbündeten besprechen.»
Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilte den Iran. Der beispiellose Angriff drohe die Region zu destabilisieren, warnte er auf X. UN-Generalsekretär António Guterres sagte: «Ich bin zutiefst beunruhigt über die sehr reale Gefahr einer verheerenden Eskalation in der gesamten Region.»
Am Sonntag wollte in Berlin der Krisenstab der Bundesregierung unter Leitung von Aussenministerin Annalena Baerbock (Grüne) im Auswärtigen Amt tagen, hiess es am Sonntag aus dem Ministerium.
Johann Wadephul: UN muss Verantwortung im Iran-Krieg übernehmen
Berlin, 27.04.2026: Krisendiplomatie in New York: Aussenminister Johann Wadephul fordert mehr Einsatz vom UN-Sicherheitsrat im Iran-Konflikt.
O-Ton Johann Wadephul, Aussenminister
«Die UN müssen jetzt ihrer Verantwortung gerecht werden, insbesondere der Sicherheitsrat. Kriege und Konflikte schwelen, und wir sehen zum Teil die Unfähigkeit von Staaten, effektive Konfliktlösungsmechanismen in Kraft zu setzen. Insbesondere der Konflikt um den Iran und die blockierte Strasse von Hummus wird ein Thema sein, zu dem ich auch das Wort ergreifen werde im Sicherheitsrat.»
Wadephul fordert, der UN-Sicherheitsrat müsse handlungsfähiger werden: Blockaden, auch durch China und Russland, dürften Lösungen nicht länger verhindern.
Deutschland hofft zudem auf ein UN-Mandat für eine mögliche Mission in der Strasse von Hormus, einer wichtigen Route für die weltweite Energieversorgung.
In New York plant Wadephul Gespräche mit UN-Generalsekretär António Guterres sowie weiteren ranghohen UN-Vertretern und Amtskollegen. Dabei soll es auch um die Zukunft der Vereinten Nationen gehen.
28.04.2026
Einsatz im Mittelmeer: Minenjagdboot wird bald wegen Iran-Krieg verlegt
Das deutsche Minenjagdboot «Fulda» soll schon bald aufbrechen – Verteidigungsminister Boris Pistorius will, dass es schnell geht, sollte demnächst ein Einsatz zur Sicherung der Strasse von Hormus anstehen. Pistorius betont, Voraussetzung für einen Einsatz sei zuallererst ein Ende der Kampfhandlungen im Krieg der USA und Israels mit dem Iran. Zudem erinnert er daran, dass ein solcher Einsatz nur mit einem Mandat des Bundestags möglich sei.
27.04.2026
Pete Hegseths «Pulp Fiction»-Gebet
Verteidigungsminister Pete Hegseth zitiert am 16. April auf einer Pressekonferenz in Washington ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei.
«Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos. Hegseth zitiert ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei. «Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos.
Im Video siehst du jedoch, dass es sich um ein abgewandeltes Zitat aus dem Kultfilm «Pulp Fiction» von 1994 handelt, das nur an den Bibelvers angelehnt ist.
17.04.2026
Johann Wadephul: UN muss Verantwortung im Iran-Krieg übernehmen
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