«Fiasko» und abgesagte PKNach Wahl-Klatsche zerlegt sich die SPD selbst
dpa
23.3.2026 - 10:58
Die SPD-Spitze mit Bärbel Bas und Lars Klingbeil steht unter Druck.
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Die Ampel-Regierung ist abgewählt, die CDU in Rheinland-Pfalz hat nach 35 Jahren Opposition wieder eine Machtperspektive. Der Landtag in Mainz wird sich sehr verändern. Bei der SPD ist die Stimmung derweil auf dem Tiefpunkt.
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23.03.2026, 10:58
23.03.2026, 11:08
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Nach der Wahlniederlage in Rheinland-Pfalz sagt die SPD eine Pressekonferenz ab und gerät intern unter Druck.
Parteichef Lars Klingbeil fordert eine Debatte über den Kurs, schliesst aber einen Rücktritt aus.
Karl Lauterbach spricht öffentlich von einem «Fiasko» und einem «katastrophalen Befund» für die Partei.
Die SPD steckt nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz in einer tiefen Krise – und reagiert zunächst mit Rückzug. So sagte die Partei eine geplante Pressekonferenz für den Montagmorgen kurzfristig ab. Stattdessen treten lediglich Parteichefin Bärbel Bas und Co-Parteichef Lars Klingbeil im Willy-Brandt-Haus vor die Medien.
Die Entscheidung wirkt wie ein Symbol für die aktuelle Lage: Unsicherheit, Druck – und offene Fragen. Intern scheint die Diskussion bereits in vollem Gange. Laut «Table.media» stellte Klingbeil in einer internen Runde selbst seine Rolle zur Debatte. «Wenn ich das Problem bin, soll man das sagen», wird er zitiert. Gleichzeitig machte er öffentlich klar, dass er nicht zurücktreten will. «Ich ducke mich nicht weg», sagte er in der ARD.
Für zusätzliche Spannungen sorgt das Fernbleiben von Alexander Schweitzer, dem Spitzenkandidaten in Rheinland-Pfalz. Offiziell wird seine Abwesenheit mit kurzfristigen Terminänderungen erklärt. Wie die «Bild» schreibt, könnte jedoch Frust über die Parteiführung eine Rolle gespielt haben.
Auch Lauterbach räumt ein: «Katastrophaler Befund»
Die Ausgangslage ist brisant: Nach 35 Jahren in Regierungsverantwortung ist die SPD in Rheinland-Pfalz auf 25,9 Prozent abgestürzt und liegt deutlich hinter der CDU. Es ist nicht nur eine Niederlage – sondern ein Einschnitt für die Partei.
Wie tief die Verunsicherung reicht, zeigt sich auch in öffentlichen Auftritten. In der ARD-Sendung «Caren Miosga» fand Karl Lauterbach deutliche Worte für das Abschneiden seiner Partei. Das Wahlergebnis sei «ein Fiasko», sagte der ehemalige Gesundheitsminister. Und weiter: Der Zustand der SPD sei ein «katastrophaler Befund».
Nach der erneuten Enttäuschung bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz übte Karl Lauterbach (SPD) unmissverständliche Kritik an seiner eigenen Partei.
ARD
Lauterbach machte klar, dass er keine Personaldebatte führen will. Stattdessen fordert er inhaltliche Reformen. «Wir müssen konkret glaubwürdig werden durch die Reformen, die wir machen», erklärte er. Dabei sprach er unter anderem Themen wie das Gesundheitssystem, Bildung und soziale Gerechtigkeit an.
Gleichzeitig wird die Kritik an der Partei grundsätzlicher. Besonders das Verhältnis zur klassischen Wählerschaft steht zur Diskussion. Viele frühere Stammwähler – insbesondere Arbeitnehmer – wenden sich zunehmend anderen Parteien zu. Auch Lauterbach räumte ein, dass dies ein zentrales Problem sei.
Caren Miosga (Zweite von rechts) analysierte am Sonntagabend mit ihren Gästen die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz.
ARD
Journalistin Alisha Mendgen formulierte die Kritik noch schärfer. Sie stellte infrage, ob die SPD noch als klassische Arbeitnehmerpartei wahrgenommen wird. «Ich habe den Eindruck bei der SPD, dass es oft nur ums Verteilen geht. Nur in der Realität gibt es nicht viel zum Verteilen», sagte sie in der Sendung. Zudem attestierte sie der Partei «wenig Reformwillen» und warnte davor, dass viele Wähler den Eindruck hätten, die SPD liefere keine überzeugenden Antworten mehr.
Die Diskussion reicht jedoch über die SPD hinaus. Auch die CDU, die in Rheinland-Pfalz als Sieger hervorgeht, sieht Handlungsbedarf. Kanzleramtschef Thorsten Frei betonte, dass die politischen Ränder – insbesondere die AfD – weiterhin stark seien. «Wir haben in der Bundespolitik die Wende noch nicht wirklich geschafft», sagte er.