Wer ist der «Hitler-Redner»? Spurensuche nach Alexander Eichwald verläuft im Nichts

Noemi Hüsser

6.12.2025

Dieser AfD-Redner irritiert alle

Dieser AfD-Redner irritiert alle

Mit rollendem «R», Hitler-Duktus und der Anrede «Parteigenossen und -genossinnen» hat Alexander Eichwald beim Gründungskongress der neuen AfD-Jugend in Giessen für Kopfschütteln gesorgt.

30.11.2025

Mit seinem Auftritt bei der Gründung der neuen AfD-Jugend sorgte Alexander Eichwald für Entsetzen – auch in den eigenen Reihen. War das Satire? Auch nach intensiven Recherchen gibt es keine klare Antwort.

Noemi Hüsser

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Alexander Eichwald sorgte einem Auftritt bei der AfD-Jugendorganisation für Aufsehen und Spekulationen über eine mögliche Satire-Aktion.
  • Trotz Recherchen bleiben Herkunft und Absichten Eichwalds unklar. Er veröffentlichte früher Partymusik als «Alex Oak», ist aber ansonsten kaum greifbar.
  • Die AfD distanziert sich von ihm und plant einen Parteiausschluss, während das Satiremagazin «Titanic» die Aktion für sich beansprucht – jedoch ohne glaubwürdige Beweise.

Sein Auftritt bei der Gründungsveranstaltung der AfD-Jugendorganisation «Generation Deutschland» hat alle anderen Redebeiträge überschattet. Alexander Eichwald sprach die Delegierten mit «Parteigenossen und -genossinnen» an, rollte das «R» überdeutlich und sagte Sätze wie: Man teile «Liebe und Treue zu Deutschland» und es sei eine «nationale Pflicht», die deutsche Kultur vor Fremdeinflüssen zu schützen.

Der gesamte Auftritt wirkte wie eine überzeichnete Hitler-Imitation.

In den sozialen Medien kursierten rasch Clips seiner Rede, und bald fragten sich viele: Wer ist dieser Eichwald? Handelt es sich um eine eingeschleuste Figur, die sich über die AfD lustig macht? War das Satire?

Als «Alex Oak» veröffentlichte Eichwald Party-Lieder

Auf der Bühne sagte Eichwald lediglich, er sei Russlanddeutscher – daher das stark gerollte «R» – und komme aus Herford. Mehr ist zunächst nicht über ihn bekannt.

Die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» begann deshalb zu recherchieren. Doch Informationen über Eichwald zu finden, erwies sich als schwierig: Seine Social-Media-Konten sind gelöscht, frühere Vorgesetzte oder Kolleg*innen erinnern sich entweder nicht an ihn oder wollen sich nicht äussern. Einzig auf der Musikplattform Deezer findet sich etwas – Party-Lieder, die er unter dem Namen «Alex Oak» veröffentlicht hat.

Auch Anfragen bei Jan Böhmermann, beim Aktivist*innen vom Zentrum für Politische Schönheit und bei der Spasspartei «Die Partei» verliefen laut «Zeit» ergebnislos. Niemand bekennt sich zu einer Aktion, doch alle betonen, sie wären es gerne gewesen.

Schliesslich gelingt es dem Zeit-Journalisten, eine E-Mail-Adresse Eichwalds zu finden und ihn zu kontaktieren. Eichwald antwortete zwar, bat jedoch darum, seine Bekannten nicht weiter anzuschreiben. Er sei grundsätzlich bereit, mit Medien über seine Rede zu sprechen, wolle dies aber zuerst in einem TV-Interview tun.

AfD will ihn aus Partei ausschliessen

War Eichwalds Auftritt also womöglich tatsächlich authentisch? Auch die AfD weiss nicht viel über ihn – nur, dass sie ihm misstraut. Man will ihn aus der Partei ausschliessen. Inhalt und Auftreten Eichwalds seien mit den Grundsätzen der Partei nicht vereinbar, hiess es von AfD-Chef Tino Chrupalla.

Unterdessen behauptet das Satiremagazin «Titanic», den Auftritt organisiert zu haben. Interessant wäre das durchaus – wäre da nicht die Tatsache, dass «Titanic», nun ja, eben für Satire bekannt ist, was die Behauptung wiederum kaum glaubhaft macht.


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