Theater-Skandal in D

Staatsanwaltschaft prüft Anzeigen vor Aufführung von «Mein Kampf»

SDA

17.4.2018

Aufregung am Theater in Konstanz: Serdar Somuncu, Regisseur des Stücks "Mein Kampf" von George Tabori, steht bei der Pressekonferenz Rede und Antwort.
Aufregung am Theater in Konstanz: Serdar Somuncu, Regisseur des Stücks "Mein Kampf" von George Tabori, steht bei der Pressekonferenz Rede und Antwort.
Bild: Keystone

Vor der wegen Hakenkreuzen umstrittenen Theater-Aufführung von George Taboris «Mein Kampf» in der süddeutschen Stadt Konstanz sind Anzeigen bei der Staatsanwaltchaft eingegangen. Diese würden nun geprüft, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag.

Das Tragen von Hakenkreuzen in der Öffentlichkeit sei grundsätzlich eine Straftat. Im Fall des Theaterstückes müsse man aber prüfen, ob eventuell das Thema Kunstfreiheit eine Rolle spiele.

Vor der Premiere an diesem Freitag, 20. April, gibt es heftige Kritik, da das Schauspielhaus nach eigenen Angaben einen freien Eintritt anbietet für Besucher, die während der Vorstellung ein Hakenkreuz-Symbol im Saal tragen.

Wer dagegen eine Karte kaufe, könne einen Davidstern als Zeichen der Solidarität mit den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft tragen. Der Davidstern steht als Symbol des Judentums.

Auch die Tatsache, dass das Premierendatum auf den Geburtstag von Adolf Hitler (1889) fällt, sorgte für Streit. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft in der Bodensee-Region und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz hatten zum Boykott des Stückes aufgerufen.

Das Theater teilte daraufhin mit, dass Zuschauer, die das Datum als Provokation empfänden, die Karten umtauschen könnten. Mit der Freikarten-Idee habe das Theater zeigen wollen, wie leicht bestechlich Menschen seien, hiess es.

Sicherheitsvorkehrungen

Theaterintendant Christoph Nix sieht darin zudem eine Auseinandersetzung mit Rassismus. "Und das Theater ist der einzige Ort, an dem unmittelbar solche Auseinandersetzungen stattfinden", sagt er.

Bislang seien mehrere Anfragen für eine Freikarte im Gegenzug für das Tragen eines Hakenkreuz-Symbols eingegangen, sagte Intendant Nix. Ein Treffpunkt für Nazis soll das Theater nicht werden. Man werde darauf achten, dass es bei den insgesamt 14 Vorstellungen jeweils nur eine Handvoll Menschen mit Freikarte sei.

Am Eingang werde streng kontrolliert und auch intensiv darauf geachtet, dass die Symbole nach der Veranstaltung wieder eingesammelt würden. Zudem seien Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, falls es zu Zwischenfällen kommen sollte.

George Taboris Werk "Mein Kampf" ist nach Angaben des Theaters eine Karikatur der früheren Jahre Hitlers. Inszeniert wird das Stück vom Regisseur und Kabarettisten Serdar Somuncu. Die Geschichte zeige, "dass wir nicht von Ideologien befreit sind" und sich historischer Horror entwickeln könne, hiess es im Schauspielhaus.

"Direkt ins Gesicht"

Somuncu beantwortete am Dienstag bei einer teils sehr emotional geführten Debatte mit Medienschaffenden gut eine Stunde lang Fragen zur Aktion. Somuncu verwies darauf, dass Antisemitismus in Deutschland zunehmend hoffähig sei - dem müsse man entgegenwirken.

Es gehe darum, die demokratische Verfassung in Schutz zu nehmen, sagte er. Dies müsse offensiv und öffentlich geschehen, "direkt ins Gesicht unserer politischen Gegner." Aufgabe des Theaters sei es, praktische Anleitungen für Diskussionen zu geben - "und genau das ist die Idee meiner Inszenierung".

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