Lage im Iran in 5 Punkten«Strassen voller Blut» – greift Trump jetzt ein?
Philipp Dahm
12.1.2026
Trump sichert Demonstranten im Iran Hilfe zu – Teheran warnt
Unruhen im Iran. Und: Die Spannungen zwischen dem Iran und den USA verschärfen sich. Teheran droht mit Gegenschlägen gegen Israel und US-Stützpunkte, sollten diese die Proteste unterstützen. Das autoritäre Regime reagiert damit am Sonntag auf Berichte über mögliche US-Angriffe. US-Präsident Donald Trump sichert den Menschen auf den Strassen Unterstützung zu.
11.01.2026
Die Demonstrationen im Iran reissen nicht ab, obwohl das Regime mit voller Härte vorgeht. Greift Donald Trump nun ein? Welche Möglichkeiten hat er? Wer ist Rubina Aminian, und welche Rolle spielt der Kronprinz? Zum Thema hier fünf Fragen – und Antworten.
Der Iran wird von den grössten Unruhen erfasst, seit die 22-jährige Kurdin Mahsa Amini Mitte September 2022 von der Sittenpolizei getötet worden ist. Das Regime reagiert auf die jüngsten Proteste mit «maximaler Härte»: Wie der Generalstaatsanwalt angekündigt hat, sollen verhaftete Demonstrierende zu «Feinden Gottes» erklärt und hingerichtet werden.
Inzwischen sollen laut der Human Rights Activist New Agency (HRNA), die von den USA aus operiert, 10'681 Personen verhaftet worden sein. Die Zahl der Todesopfer gibt das HRNA mit 544 an. Im Internet kursieren Bilder, die Berge von Leichensäcken zeigen. Es soll sich um Opfer des Regimes handeln. Die Echtheit der Fotos kann allerdings nicht überprüft werden.
Überall Leichensäcke: Dieses Foto kursiert auf X.
X/@_SampathRam
Laut Ian Brian Hook, dem US-Sondergesandten für den Iran, könnten die Demonstrationen, die seit gut zwei Wochen laufen, über 1000 Bürger das Leben gekostet haben. «Wir wissen sicher, dass es viele, viele Hunderte sind», zitiert ihn «NBC News».
Die Ungewissheit, was die genauen Zahlen angeht, ist natürlich der Nachrichtensperre geschuldet, die die Abschaltung des Internets verursacht hat. Die Zahl der Opfer könnte inzwischen auch deutlich höher sein.
Der Sceenshot eines Videos auf X: Menschen suchen unter Reihen von Leichen nach Angehörigen.
X/@persianjewess
Das Regime in Teheran passt seine Sprache der Gewalt auf den Strassen an. Aussenminister Abbas Araghtschi sagt, der Protest sei «gewaltsam und blutig» geworden und spricht von «terroristischen Operationen», die durchgeführt würden. Die Lage sei jedoch «vollständig unter Kontrolle».
Dem widerspricht eine Teheraner Quelle der britischen BBC: «Die Lage hier ist sehr, sehr schlimm». Die Sicherheitskräfte hätten mit scharfer Munition geschossen. «Es ist wie in einem Kriegsgebiet, die Strassen sind voller Blut. Sie transportieren die Leichen in Lastwagen ab», hiess es.
Wer war Rubina Aminian?
Die in Norwegen ansässige Gruppe Iran Human Rights (IHR) macht auf ein schlimmes Schicksal aufmerksam: den Tod von Rubina Aminian. Die 23-Jährige ist demnach am 8. Januar in Teheran aus nächster Nähe in den Hinterkopf geschossen worden.
VICTIME. Elle s’appelait Rubina Aminian et avait 23 ans. Cette étudiante en design et mode au Collège technique Shariati de Téhéran, a été tuée à bout portant par derrière jeudi 8 janvier 2026 alors qu’elle manifestait dans la capitale.
Source : @iranhumanrights.bsky.social
Die Kurdin aus Marivan hat in der Hauptstadt Modedesign studiert und sich am Donnerstagabend nach der Uni den Protesten angeschlossen. Ihre Familie habe die Leiche identifizieren müssen – und dabei auch «die Leichen hunderter junger Leute» gesehen, schreibt IHR.
“It wasn’t just my daughter, I saw hundreds of bodies with my own eyes.”
The names of the protesters are beginning to emerge despite the internet blackout, and it is heartbreaking. Reports estimate at least 2,000 civilians killed so far.
«Es war nicht nur meine Tochter. Ich habe hunderte Leichen mit meinen eigenen Augen gesehen», wird die Mutter des Opfers zitiert. Viele Leichen hätten Schusswunden am Kopf aufgewiesen, heisst es weiter.
Wie reagiert Donald Trump?
Der US-Präsident dürfte mit seiner Aussage vom Wochenende, er werde Gewalt gegen Demonstrierende bestrafen, die Proteste noch befeuert haben. Nun wird offensichtlich mehr als rigoros gegen Widerstand vorgegangen. Handelt der US-Präsident jetzt?
Womöglich nicht: Der 79-Jährige hat am Sonntagabend an Bord der Air Force One erklärt, dass Teheran nach seiner Androhung, militärisch einzugreifen, Verhandlungen vorgeschlagen habe.
If you claim to support human rights yet can’t bring yourself to show solidarity with those fighting for their liberty in Iran, you’ve revealed yourself. You don’t give a damn about people being oppressed and brutalised so long as it’s being done by the enemies of your enemies. pic.twitter.com/eK3jjh3pD6
«Der Iran hat angerufen, sie wollen verhandeln», so Donald Trump. Die US-Regierung sei derzeit mit Teheran im Gespräch, um ein Treffen anzuberaumen. «Ich glaube, sie haben es satt, von den Vereinigten Staaten verprügelt zu werden», sagte der US-Präsident.
Trump: «Der Iran will verhandeln»
Der Iran will verhandeln: Angesichts der Massenproteste im Iran gegen die autoritäre Staatsführung erhöht Donald Trump den Druck auf die Islamische Republik. Zwar stellt der US-Präsident auch ein Treffen mit Vertretern des Irans in Aussicht – angesichts dessen, was im Land passiere, müssten die USA allerdings vielleicht auch vorher handeln, warnt Trump mit Blick auf die andauernden Proteste. Worüber der Iran mit den USA Gespräche führen möchte, führt er nicht aus.
12.01.2026
Zugleich erklärte er, dass er womöglich doch zuerst handeln müsse, da von steigenden Opferzahlen im Iran die Rede sei und die Führung in Teheran weiter Protestierende festnehme.
Senator Lindsey Graham called on Trump to take decisive action against Iran's leadership, accusing them of killing their own people. He said removing those in power could weaken groups like Hezbollah and Hamas, and open a path to better Israel-Saudi ties.
Laut US-Regierungskreisen erwägen Trump und seine nationalen Sicherheitsberater eine Reihe von Möglichkeiten, gegen die iranische Führung aktiv zu werden. Trump sagte, dass das Militär und seine Regierung «einige sehr starke Optionen» für ein Eingreifen im Iran hätten.
Mit Blick auf die iranische Warnung vor Vergeltungsmassnahmen sagte er: «Wenn sie das tun, werden wir sie auf eine Weise treffen, wie sie noch nie getroffen wurden.»
Wie könnten die USA eingreifen?
Für einen Luftangriff der US Navy müssten idealerweise zwei Flugzeugträger in der Nähe des Irans sein – doch Fehlanzeige: Die Einheiten, die normalerweise dort unterwegs sind, wurden in die Karibik Richtung Venezuela abgezogen.
Militärschläge sind aber natürlich dennoch möglich: Wie schon beim US-Angriff auf das iranische Atomprogramm im Juni könnten Tarnkappen-Bomber vom Typ B-2 in den USA starten und ihre tödliche Fracht in den Nahen Osten fliegen. Weiterhin können diese von Kampfjets unterstützt werden, die im Nahen Osten stationiert sind.
Whenever someone says Israel's the US's only ally in the Middle East I think of this map. We'd be fine, y'all.
Allerdings müsste das Pentagon nicht das Leben amerikanischer Piloten riskieren: Washington könnte sich auch für einen Angriff mit Marschflugkörpern entscheiden, die von U-Booten oder Schiffen abgefeuert werden.
Eine weitere Alternative sind Attacken ohne Beteiligung des Militärs. So könnten Cyberangriffe die Kommunikation des Regimes lahmlegen, das im Gegensatz zur Bevölkerung weiter Internetzugang hat. Oder aber der Internet-Zugang wird für breite Teile der Bevölkerung wiederhergestellt, etwa mit Starlink-Terminals. «Wir müssen vielleicht mit Elon Musk sprechen», sagte Donald Trump laut CNBC dazu.
Welche Rolle spielt der Sohn des Schahs?
Im Gegensatz zu früheren Unruhen im Iran scheint der Sohn des verstorbenen Schahs dieses Mal ein Faktor zu sein: Reza Pahlavi, der in den USA im Exil lebt, hat zum Streik und zum «nationalen Aufstand» aufgerufen. «Wir sind nicht allein», sagt der 65-jährige Kronprinz in einem Video und verspricht seinem Volk: «Internationale Unterstützung wird bald eintreffen.»
❗️BREAKING: Reza Pahlavi: “We are not alone, global assistance will arrive soon.”
He says recent mass protests have shaken the regime and announces a new phase of the national uprising. He urges holding central streets and confronting the regime’s propaganda/blackout apparatus.
Pahlavi hat sich auch bei Trumps Haus- und Hofsender «Fox News» gemeldet – und sich direkt an den US-Präsidenten gewendet: «Sie haben bereits Ihr Vermächtnis als ein Mann etabliert, der dem Frieden verpflichtet ist und die bösen Kräfte bekämpft», ködert der Iraner den Amerikaner.
«Es gibt einen Grund, warum die Leute im Iran Strassen nach Ihnen benennen. Sie wissen, dass Sie das exakte Gegenteil von Barack Obama und Joe Biden sind. Sie wissen, dass sie sie nicht verraten würden, wie [Obama und Biden] es getan haben», glaubt Pahlavi.
Don't censor the voice & will of the Iranian people. Iranians are demanding far more when they bravely risk their lives to chant Javid Shah.pic.twitter.com/45B599Aapx
Iranians across the nation have been bravely & clearly chanting Javid Shah (Long live the Shah) in support of…
Es gebe nun die Chance, das Mullah-Regime zu stürzen: «Ich bin darauf vorbereitet, bei der ersten Gelegenheit in den Iran zurückzukehren», versichert der Vater dreier Töchter. «Ich plane das und das Übergangsteam bereits. Wir hoffen einfach, dass das iranische Volk dieses Mal siegreich sein wird, und das wird es sein.»
Reza Pahlavi:
I know that Iranians are prepared to die for this cause and so am I.
Der Kronprinz ergänzt: «Ich weiss, dass die Iraner bereit sind, für diese Sache zu sterben, und ich bin es auch.» Das Problem: Pahlavi ist seit Jahrzehnten nicht im Land gewesen – und das Regime seines Vaters hat die Islamische Revolution von 1979 erst ermöglicht. Andererseits ist der Kronprinz eines der wenigen prominenten Gesichter des Widerstands.
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