Streit um ICE bewegt USA weiter Fünfjähriger mit seinem Vater aus Haftanstalt in Texas freigelassen

dpa

2.2.2026 - 06:11

Das Bild mit der Häschenmütze und dem Superman-Rucksack ging um die Welt: Der fünfjährige Liam Conejo Ramos wurde am 20. Januar 2026 von ICE-Beamten festgenommen, als er von der Kita nach Hause kam. 
Das Bild mit der Häschenmütze und dem Superman-Rucksack ging um die Welt: Der fünfjährige Liam Conejo Ramos wurde am 20. Januar 2026 von ICE-Beamten festgenommen, als er von der Kita nach Hause kam. 
Bild: Keystone/Ali Daniels via AP

Das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE treibt weiter viele Menschen auf die Strasse. Für Gegner von Trumps Abschiebepolitik gab es am Wochenende eine gute Nachricht.

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Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein bei einem Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE in Gewahrsam genommener Fünfjähriger und sein Vater sind wieder frei.
  • Eine Sprecherin des Repräsentantenhausabgeordneten, Katherine Schneider, erklärte, Vater und Sohn seien gemeinsam in ihr Zuhause im Bundesstaat Minnesota zurückgekehrt.
  • Das Kind und sein Vater waren nach ihrer Gefangennahme in einem Vorort von Minneapolis am 20. Januar in eine Einrichtung in Texas gebracht worden.
  • Aufnahmen des Jungen, die ihn umringt von Bundesbeamten mit Häschenmütze und Spider-Man-Rucksack zeigen, hatten Entrüstung über das Vorgehen der Einwanderungsbehörden unter US-Präsident Donald Trump hervorgerufen.

Die Razzien der Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten haben auch am Wochenende wieder Demonstranten in vielen Orten der USA auf die Strasse getrieben. Ein kleiner Junge, der vor fast zwei Wochen von ICE-Beamten bei einem Einsatz gegen seinen Vater in Gewahrsam genommen worden war, wurde nach einem Richterbeschluss freigelassen. Der Fall des Fünfjährigen hatte zu grosser Empörung geführt.

Der Junge sei wieder zu Hause im Bundesstaat Minnesota, teilte der Abgeordnete des Repräsentantenhauses, Demokrat Joaquin Castro, am Sonntag auf der Plattform X mit. Der Richter schloss nicht aus, dass am Ende eines Verfahrens im konkreten Fall auch eine Abschiebung stehen könnte, doch müsse das auf einem geordneten und humaneren Weg geklärt werden als dem aktuellen. 

Adrian Conejo Arias (l.) und sein Sohn Liam am nach ihrer Freilassung in San Antonio (Texas). (31. Januar 2026)
Adrian Conejo Arias (l.) und sein Sohn Liam am nach ihrer Freilassung in San Antonio (Texas). (31. Januar 2026)
Bild: Joaquin Castro via AP

Gericht kritisiert «tägliche Abschiebequoten»

Das Gericht führte aus, der Fall habe seinen Ursprung im «schlecht durchdachten und inkompetent umgesetzten Bestreben der Regierung, tägliche Abschiebequoten einzuhalten – offenbar selbst dann, wenn dies zur Traumatisierung von Kindern führt.» Laut früheren Angaben des Heimatschutzministeriums hatte sich der Einsatz gegen den Vater gerichtet, der aus Ecuador stammen und sich illegal in den USA aufhalten soll. Die Einsätze und Razzien mit teils vermummten Beamten sind Teil der rigorosen Abschiebe-Politik der US-Regierung von Donald Trump. 

Neben dem Fall des Fünfjährigen hatte auch der Tod der beiden US-Bürger Renée Good und Alex Pretti, die bei Protestaktionen gegen das Vorgehen der ICE in Minneapolis im Januar von Beamten erschossen worden waren, eine grosse Empörungswelle im ganzen Land ausgelöst. In mehreren grossen US-Städten kam es auch am Freitag und über das Wochenende wieder zu Demonstrationen. 

«Wir haben Augen im Kopf – Schluss mit den Lügen – Schafft ICE ab!»: Am Strand von San Francisco formen Demonstranten ein riesiges Banner gegen ICE. (31. Januar 2026)
«Wir haben Augen im Kopf – Schluss mit den Lügen – Schafft ICE ab!»: Am Strand von San Francisco formen Demonstranten ein riesiges Banner gegen ICE. (31. Januar 2026)
Bild: Keystone/Stephen Lam/San Francisco Chronicle via AP

Rocklegende Bruce Springsteen singt überraschend in Minneapolis

In Minneapolis trat US-Rocklegende Bruce Springsteen (76, «Born in the U.S.A.») überraschend mit seinem Protest-Lied zu den tödlichen Schüssen auf Good und Pretti auf. Er sang am Freitagabend (Ortszeit) während einer Veranstaltung «Streets of Minneapolis» – eine Protesthymne gegen die umstrittenen Abschiebe-Razzien. Springsteen bezeichnet die Beamten in dem Song als «Privatarmee von König Trump». 

ICE-Razzien in Minneapolis dürfen vorerst weitergehen

Seit Wochen wird in Minneapolis gegen die Razzien protestiert. Die US-Regierung hatte besonders viele Einsatzkräfte in die Stadt geschickt – gegen den Willen der demokratisch regierten Kommune und des US-Bundesstaats Minnesota. Die Stadt Minneapolis scheiterte am Wochenende vor Gericht vorerst mit der Forderung nach einem Stopp der Abschiebe-Razzien. Eine Richterin eines Bundesgerichts in Minnesota wies einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung zurück. Zur Begründung hiess es, dass die Kläger ihre Argumente nicht hinreichend dargelegt hätten. Der Fall an sich geht vor Gericht weiter, die Richterin entschied nur über den Antrag auf einstweilige Verfügung.

ICE lastet auf Verhandlungen über Ende des Teil-Shutdown 

Der Streit um das Vorgehen der Einwanderungsbehörde lastet auch auf den Verhandlungen über den Haushalt der US-Regierung. Die Finanzierung für mehrere Ministerien und Behörden war am Samstag ausgelaufen. Die oppositionellen Demokraten hatten den Protest gegen das ICE-Vorgehen ins US-Parlament getragen und versuchen über den Haushalt eine Abkehr der umstrittenen Methoden zu erzwingen. Der Senat beschloss am Freitag in letzter Minute eine Kompromisslösung für eine Anschlussfinanzierung, das verhinderte den Teil-Shutdown aber nicht. 

Demokraten wollen Reformen bei ICE: Keine Masken und Bodycams

Zwar ist die allgemeine Erwartungshaltung, dass die Blockade schnell gelöst wird. Das Ausgabenpaket braucht auch grünes Licht von der Parlamentskammer Repräsentantenhaus. Der Teilstillstand von US-Regierungsgeschäften zieht sich wohl noch bis mindestens Dienstag. Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, der Republikaner Mike Johnson, sagte in der Sendung «Meet the Press» des Senders NBC News, man beabsichtige, bis Dienstag die Haushaltsfinanzierung sicherzustellen. Ob genügend Demokraten dem Ausgabenpaket dann auch tatsächlich zustimmen, um die Regierungsgeschäfte wieder vollständig zum Laufen zu bringen, ist laut mehreren US-Medien unsicher. 

Die Demokraten haben bereits erreicht, dass das Heimatschutzministerium von Ministerin Kristi Noem fürs Erste nur eine Übergangsfinanzierung von zwei Wochen bekommt. Die Demokraten wollen, dass die ICE-Einsatzkräfte bei ihrem Vorgehen gegen Migranten nicht mehr vermummt auftreten dürfen und Kameras am Körper – sogenannte Bodycams – tragen.

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