Taliban ersetzen Frauenministerium durch Ministerium gegen Laster

dpa

18.9.2021 - 23:55

Kämpfer der Taliban stehen nach dem Abzug der USA vor dem internationalen Flughafen in Kabul.
Kämpfer der Taliban stehen nach dem Abzug der USA vor dem internationalen Flughafen in Kabul.
Khwaja Tawfiq Sediqi/AP/dpa

Was passiert mit den Mädchen und Frauen in Afghanistan? Nach der Machtübernahme der Taliban hat die Miliz dem Ministerium für wirtschaftliche Stärkung von Frauen ein Ende bereitet. Stattdessen wird dort nun Tugend gefördert.

dpa

18.9.2021 - 23:55

Die in Afghanistan regierenden Taliban haben das Frauenministerium durch ein Ministerium für die Förderung der Tugend und zur Verhinderung von Laster ersetzt. Vor dem Ministeriumsgebäude in Kabul war ein neues Schild mit der Beschreibung der Aufgaben zu sehen.

Die frühere Taliban-Herrschaft Ende der 1990er Jahre hatte Frauen stark eingeschränkt. Mädchen und Frauen wurde Bildung damals verweigert. Das Bildungsministerium der Taliban forderte Jungen der Klassen 7 bis 12 und männliche Lehrkräfte am Samstag auf, wieder in die Schule zu gehen.



Es wurde aber nicht mitgeteilt, ob Mädchen der Klassen wieder zum Unterricht gehen sollten. Der Minister für höhere Bildung hatte zuvor gesagt, dass Mädchen den gleichen Zugang zu Bildung haben würden wie Jungen. Jungen und Mädchen würden aber voneinander getrennt, sagte er.

«Ist das das Stadium, in dem die Mädchen vergessen werden?»

Die Leiterin des Netzwerks für afghanische Frauen, Mabuba Suradsch, äusserte sich besorgt über die Vielzahl der von der Taliban-Regierung veröffentlichten Anweisungen, die Frauen und Mädchen einschränken. «Ist das das Stadium, in dem die Mädchen vergessen werden?», fragte Suradsch. «Ich weiss, dass sie nicht an das Abgeben von Erläuterungen glauben, aber Erläuterungen sind sehr wichtig.»

Mitarbeiter eines Programms der Weltbank für die wirtschaftliche Stärkung von Frauen, das seinen Sitz im bisherigen Frauenministerium hatte, wurden am Samstag aus dem Gebäude eskortiert, wie Mitarbeiter Scharif Achtar mitteilte. Auch er musste das Gelände verlassen.

Afghanische Frauen halten einen Banner und rufen bei einer Anti-Pakistan-Demonstration in der Nähe der pakistanischen Botschaft in Afghanistans Hauptstadt Kabul Parolen. Foto: Wali Sabawoon/AP/dpa
Frauen in Afghanistan erwartet eine ungewisse Zukunft. 
Bild: Wali Sabawoon/AP/dpa

Pakistanischer Präsident sucht Dialog

Der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan twitterte am Samstag, er habe einen Dialog mit den Taliban initiiert. Ziel sei, die Taliban zur Bildung einer inklusiven Regierung zu bewegen, die Frieden und Sicherheit nicht nur in Afghanistan, sondern in der Region sicherstelle. Er habe die Initiative nach einem Treffen in dieser Woche mit Staats- und Regierungschefs aus Nachbarländern Afghanistans in Tadschikistan ergriffen.

Die Taliban hatten vergangene Woche eine rein männliche Übergangsregierung vorgestellt. In ihr sind entgegen früherer Zusagen zu Inklusion weder Frauen noch Vertreter von Minderheiten des Landes vertreten. Khan sagte, in der Regierung müssten auch Tadschiken, Hasara und Usbeken repräsentiert sein.

dpa