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ARCHIV – Trümmer des Tauchboots «Titan», das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff «Horizon Arctic» entladen.
Keystone
Drei Jahre nach der Titan-Katastrophe liegt der Abschlussbericht der kanadischen Ermittler vor. Das Urteil fällt vernichtend aus: Konstruktionsfehler, mangelnde Tests und fehlende Aufsicht hätten dazu geführt, dass das Tauchboot auf dem Weg zur Titanic implodierte und fünf Menschen starben.
Drei Jahre nach der Implosion des Tiefsee-Tauchbootes «Titan» mit fünf Todesopfern hat die kanadische Verkehrssicherheitsbehörde TSB der Betreiberfirma schwere Vorwürfe gemacht – und eine bessere internationale Regulierung und Überwachung solcher Boote gefordert. Die Betreiberfirma «Oceangate» habe Design und Konstruktion der «Titan» nicht ausreichend getestet, hiess es in einem rund 135 Seiten langen Untersuchungsbericht.
Im Zentrum der Kritik steht der Druckkörper aus Kohlefaser. Laut dem 136-seitigen Bericht wurden die tatsächlichen Materialeigenschaften nie ausreichend überprüft, obwohl sie entscheidend für die Sicherheit der Konstruktion waren. Zudem seien Bau und Testverfahren nicht nach anerkannten technischen Standards erfolgt. OceanGate habe deshalb nie zuverlässig gewusst, wie lange die Hülle den enormen Belastungen in fast 4000 Metern Tiefe standhalten könne.
Bei jedem Tauchgang seien neue Schäden an der «Titan» aufgetaucht, die Betreiberfirma sei aber unter anderem aufgrund ihrer Struktur und aufgrund «sozialer und psychologischer Faktoren» im Management nicht in der Lage gewesen, darauf angemessen zu reagieren.
Die «Titan» war im Juni 2023 verschollen, nachdem sie zu einer Erkundungstour zum «Titanic»-Wrack aufgebrochen war. Die US-Küstenwache hatte mit Hilfe vor allem kanadischer Kräfte rund 700 Kilometer südlich von Neufundland eine grossangelegte Suche gestartet, die Menschen weltweit verfolgten. Tage nach dem Verschwinden entdeckte ein Tauchroboter dann knapp 500 Meter vom «Titanic»-Wrack entfernt die Trümmer des implodierten Bootes.

Grafik: P. Massow; Redaktion: B. Jütte/Quelle: OceanGate, OSM-Mitwirkende
Es gebe in Kanada und weltweit nicht ausreichend Zusammenarbeit bei der Regulierung und Überwachung solcher Tauchboote, hiess es in dem Bericht weiter. Zwar hätten in Kanada mehrere Behörden von den Aktivitäten der «Titan» gewusst, diese Informationen seien aber untereinander nicht ausreichend geteilt worden.
«Wenn diese Lücken nicht geschlossen werden, besteht Lebensgefahr», sagte TSB-Chef Yoan Marier – und forderte eine bessere nationale und internationale Zusammenarbeit bei der Regulierung und Überwachung von Tauchbooten.
An Bord der «Titan» starben neben «Oceangate»-Chef Stockton Rush (61) der französische Wissenschaftler Paul-Henri Nargeolet (77), der britische Abenteurer Hamish Harding (58), der britisch-pakistanische Unternehmensberater Shahzada Dawood (48) und dessen 19-jähriger Sohn Suleman.
Mehrere andere Behörden hatten den Vorfall bereits untersucht und unter anderem ebenfalls schwerwiegende Versäumnisse der Betreiberfirma festgestellt.