Lenker rast in Menschenmenge Täter von Mannheim ist psychisch krank und hat Vorstrafenregister

dpa

3.3.2025 - 22:40

Auto in Mannheim in Menschenmenge gefahren – eine Festnahme

Auto in Mannheim in Menschenmenge gefahren – eine Festnahme

O-Ton Stefan Wilhelm, Sprecher Polizei Mannheim: «Gegen 12:15 kam es hier im Bereich des Mannheimer Paradeplatzes in der Fussgängerzone zu einem grösseren Polizeieinsatz. Aktuell können wir schon bestätigen, dass ein Auto in der Fussgängerzone in eine Menschengruppe gerast ist und hierbei leider eine Person ums Leben kam.»

03.03.2025

Ein 40-jähriger Deutscher rast in der Innenstadt von Mannheim in eine Menschenmenge. Zwei Menschen sterben, mindestens elf weitere werden verletzt. Was bisher über die Tat bekannt ist, erfährst du hier.

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DPA, Andreas Fischer

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • An Rosenmontag rast in Mannheim ein Autofahrer in eine Menschenmenge.
  • Zwei Menschen kommen bei der Tat in Deutschland ums Leben, elf weitere werden teils schwer verletzt.
  • Der Tatverdächtige verletzt sich bei der Festnahme lebensgefährlich selbst.
  • Bei dem Mann handelt es sich um einen 40-jährigen Deutschen, der psychisch auffällig war.

In der Innenstadt von Mannheim fährt ein Mann in einem Auto in eine Menschenmenge. Es sind viele Menschen unterwegs, denn es ist Rosenmontag. Eine 83-jährige Frau und ein 54 Jahre alter Mann kamen nach Angaben der Ermittler ums Leben. Elf Menschen wurden verletzt, darunter mehrere schwer.

Am Abend haben die Ermittler Details zu den Hintergründen bekanntgegeben. Demnach gibt es Anhaltspunkte, dass der 40 Jahre alte Deutsche, der sein Auto in eine Menschengruppe gesteuert haben soll, eine psychische Erkrankung hat. Man werde sich deshalb auf diesen Aspekt konzentrieren, sagte Staatsanwalt Romeo Schüssler.

Zuvor hatte bereits Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl gesagt, es gebe keine Hinweise für einen religiösen oder extremistischen Hintergrund.

Die Polizei geht davon aus, dass der Mann seine Opfer bewusst ansteuerte. Es habe sich schnell herausgestellt, dass es sich bei dem Vorfall in Mannheim um eine gezielte Fahrt gehandelt habe, bei der bewusst mehrere Personen erfasst worden seien, sagte Mannheims Polizeipräsidentin Ulrike Schäfer. 

Tatverdächtiger liegt verletzt im Krankenhaus

Der mutmassliche Täter wurde kurz nach der Todesfahrt festgenommen und liegt im Krankenhaus. Bei seiner Festnahme soll sich der Mann mit einer Schreckschusspistole in den Mund geschossen haben. Entsprechende Medienberichte bestätigte der Präsident des Landeskriminalamtes, Andreas Stenger. Der Gesundheitszustand des 40-Jährigen sei derzeit stabil. Er habe aber bislang nicht vernommen werden können. 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Landschaftsgärtner unter anderem zweifachen Mord vor. Den Behörden gegenüber war der Mann bereits früher auffällig geworden, allerdings eher mit kleinen Vergehen. Es gebe ein paar Vorstrafen, die lange zurücklägen, sagte Schüssler. Dabei gehe es um eine Körperverletzung, für die er eine kurze Freiheitsstrafe verbüsst habe vor über zehn Jahren, ausserdem ein Fall von Trunkenheit im Verkehr. 

Bei der letzten Tat handle es sich um ein Delikt im Bereich von Hate Speech aus dem Jahr 2018. Er habe einen entsprechenden Kommentar auf Facebook abgesetzt und sei deshalb zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Nähere Informationen gab es dazu vorerst nicht.

In Mannheim sind zwei Menschen gestorben, als ein 40-jähriger Deutscher in der Innenstadt in eine Menschenmenge raste.
In Mannheim sind zwei Menschen gestorben, als ein 40-jähriger Deutscher in der Innenstadt in eine Menschenmenge raste.
Boris Roessler/dpa

Mehrere Hundert Meter durch die Einkaufsstrasse gerast

Nach Augenzeugenberichten soll der Mann mit seinem Wagen die mehrere Hundert Meter lange Haupteinkaufstrasse entlang gerast sein und mehrere Passanten an- oder umgefahren haben. In der Mannheimer Innenstadt derzeit ein Fasnachtsmarkt mit Dutzenden Imbissbuden und Fahrgeschäften statt. 

Die Einkaufsstrasse war nach Angaben der Polizei nicht mit Pollern oder Absperrungen gesichert. Dafür habe es keine besondere Veranlassung gegeben. «Es war ein ganz normaler Tag im Stadtleben von Mannheim», sagte Polizeipräsidentin Schäfer mit Blick darauf, dass dort am Montag keine besondere Veranstaltung anstand.

Am Abend besuchten Spitzenpolitiker aus Bund und Land den Tatort. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann drückte seine Anteilnahme gegenüber Opfern und Angehörigen aus. «Das ist nun wirklich schwer zu ertragen und auszuhalten», sagte er.

Er versicherte den Bürgerinnen und Bürgern, dass der Staat alles tue, was er tun könne, um sie zu schützen. Aber hundertprozentigen Schutz könne es nicht geben. «Manchmal ist es einfach nur tragisch und schlimm.»

Innenminister: «Können unsere Innenstädte nicht zu Festungen machen»

Absolute Sicherheit werde es niemals geben können, sagte auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU). «Wir können auch nicht unsere Innenstädte zu umzäunten Festungen machen.» Die Tat reihe sich ein in mehrere Straftaten der jüngeren Vergangenheit, in der ein Auto als Waffe missbraucht worden sei. 

Bundesinnenministerin Nancy Faeser dankte der Polizei und den Rettungskräften. «Die Polizei hat einen herausragenden Job geleistet», sagte die Politikerin am Abend, nachdem sie sich vor Ort ein Bild gemacht hatte. Etwa 30 Polizeikräfte seien in zehn Minuten vor Ort gewesen, sagte Faeser. 

Nun gelte es, die Ermittlungsbehörden ihre Arbeit machen zu lassen. Es sei eine furchtbare Tat, «ein Horror am helllichten Tag, bei schönstem Wetter, in der Mittagspause, wo viele Menschen draussen sind». 

Immer wieder ähnliche Taten

Der Fall weckt Erinnerungen an mehrere Anschläge, bei denen in den vergangenen Wochen Fahrzeuge in Deutschland in eine Menschenmenge gefahren waren. Im Dezember 2024 kamen in Magdeburg sechs Menschen ums Leben, als ein Arzt über den Weihnachtsmarkt gerast war. Mitte Februar war ein Mann mit seinem Fahrzeug in eine Gruppe von Demonstranten in München gefahren. Dabei kamen eine junge Frau und ein Kind ums Leben. 

Ende Mai vergangenen Jahres hatte zudem auf dem Mannheimer Marktplatz der mutmassliche Islamist Sulaiman A. fünf Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen Bürgerbewegung Pax Europa (BPE) sowie einen Polizisten mit einem Messer verletzt. Der 29 Jahre alte Polizist Rouven Laur erlag später seinen Verletzungen. Ein anderer Beamte schoss den Angreifer nieder. 

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