Ermittlungsakten enthüllen Tote Kellnerin Cyane P. trug Helm offenbar auf Anweisung

Sven Ziegler

15.1.2026

Cyane P. (24) war die Kellnerin mit Helm.
Cyane P. (24) war die Kellnerin mit Helm.
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Neue Akten aus dem Strafverfahren zur Brandkatastrophe von Crans-Montana werfen Fragen zur Rolle der Betreiber auf. Im Zentrum steht die Frage, ob die getötete Kellnerin angewiesen wurde, einen Werbehelm zu tragen – oder ob sie dies freiwillig tat.

Sven Ziegler

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  • Ermittlungsakten und Zeugenaussagen widersprechen der Darstellung der Betreiberin zur Helm-Aktion.
  • Mehrere Zeugen sagen aus, die Kellnerin habe auf Anweisung gehandelt.
  • Gegen die Betreiber wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt; es gilt die Unschuldsvermutung.

Die bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana verstorbene Kellnerin Cyane P. kletterte aus freien Stücken auf die Schultern einer Person, sagte Bar-Betreiberin Jessica Moretti gegenüber Ermittlern. Laut einem Medienbericht bestehen daran jedoch erheblich Zweifel. Vielmehr habe sie sich auf Anweisung Morettis auf den Schultern der Person befunden.

Dies berichtet «Corriere della Sera» unter Berufung auf Ermittlungsakten. Demnach soll Moretti den Ermittlern gesagt haben: «Sie hat das aus eigenem Antrieb getan. Sie hätte nicht auf die Schultern klettern sollen».

Mehrere Zeugen bestritten dies jedoch. Demnach sagte eine ehemalige Kellnerin des Le Constellation und gute Freundin von Cyane P.: «Die Besitzerin der Bar kam panisch an und sagte Cyane, dass sie 16 Flaschen Champagner an die Tische bringen müsse und dass ihr Personal fehle. Sie bat mich auch um Hilfe: Ich kenne sie, weil ich dort gearbeitet habe, als ich vor fünf Jahren nach Crans-Montana kam.» Jessica Moretti habe ihr zudem gesagt, sie solle den Helm aufsetzen.

Sichtfeld stark eingeschränkt

Bei dem Helm handelte es sich laut Ermittlungsunterlagen um einen batteriebetriebenen Werbehelm einer Champagnermarke mit dunklem Visier. Dieses habe das Sichtfeld deutlich eingeschränkt. In der Folge habe P. kaum wahrnehmen können, dass die brennenden Wunderkerzen in unmittelbare Nähe zur Decke gerieten.

Die Helm-Aktion sei Teil eines Verkaufsstunts gewesen, bestätigte Moretti später selbst. Solche Helme seien gelegentlich beim Servieren eingesetzt worden.

Gegen die Betreiber der Bar wird unter anderem wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Jessica Moretti befindet sich auf freiem Fuss, untersteht jedoch Auflagen. Die Ermittlungen dauern an.