Fehler gefunden?
Jetzt meldenFehler gefunden?
Jetzt melden
Stolz zeigt sich Trump vor der Baustelle – doch die Kosten für seinen Ballsaal explodieren.
Jacquelyn Martin/AP/dpa (Archivbild)
Der neue Ballsaal im Weissen Haus werde ausschliesslich privat finanziert, tönt Trump. Doch laut internen Dokumenten explodieren die Kosten des Prestige-Projekts – damit muss wohl doch der Steuerzahler einspringen.
Wenn Trump über seinen neuen Ballsaal am Weissen Haus spricht, kommt er aus dem Schwärmen kaum mehr heraus. Das neue Bauwerk werde «grossartig», so der US-Präsisident – und das Beste daran: Er koste den Steuerzahler keinen Cent, da er ausschliesslich von Spendern finanziert werde.
Doch die Rechnung geht nicht auf, die Kosten für das Prestige-Projekt fallen weitaus höher aus als ursprünglich angenommen. Dies berichtet die «Washington Post» unter Berufung auf interne Kostenschätzungen. Demnach wird die Errichtung des Ballsaales um rund 200 Millionen Dollar teurer als zuletzt veranschlagt, und kostet damit insgesamt 600 Millionen – einspringen muss der Steuerzahler.
Drei Wochen bevor Trump abermals behauptete, die öffentliche Hand müsse nichts beitragen, veranschlagte die Kostenschätzung des Bauunternehmens rund 300 Millionen Dollar, die vom Steuerzahler übernommen werden sollen. Wohlgemerkt: Die ursprünglichen Gesamtkosten bezifferte der US-Präsident noch im vergangenen Jahr mit 200 Millionen Dollar – rund ein Drittel des nun veranschlagten Preises.
Doch das ist nicht alles: Das Bauunternehmen Clark Construction legte dem Weissen Haus mehrere Projektzusammenfassungen vor. Aus allen geht hervor, dass die internen Kostenschätzunge deutlich höher lagen, als Regierungsvertreter in öffentlichen Stellungnahmen oder Gerichtsunterlagen eingeräumt haben. Sie zeigen ausserdem, dass von Beginn an davon ausgegangen wurde, dass das Projekt in hohem Masse auf Steuergelder angewiesen sein würde.

So soll der geplante Ballsaal des Weissen Hauses aussehen.
The White House (Archivbild)
Den Unterlagen zufolge erhielten Beamte des Weissen Hauses eine vorläufige Schätzung bereits am 11. Juli des vergangenen Jahres. Demnach wurden die Baukosten auf 270 Millionen Dollar veranschlagt , wobei über 100 Millionen Dollar über den Secret Service und das Militärbüro des Weissen Hauses aus Steuergeldern finanziert werden sollten.
Eine Anwältin des Weissen Hauses erklärte unterdessen in einer E-Mail an ihre Kollegen, sie habe dem Vertragstext eine Zeile hinzugefügt, «um das Projekt enger mit sicherheitsrelevanten Fragen zu verknüpfen, da der USSS (U.S. Secret Service, Anm.) die Finanzierung übernimmt.»
Selbst kosten für den Abriss wälzten Projektmanager schliesslich auf den Secret Service ab. Doch laut Experten für Vertragswesen und Beschaffung fällt der Abriss des Ostflügels nicht unter den Aufgabenbereich des Secret Service zum Schutz von Regierungsvertretern.
Am 22. Oktober vergangenen Jahres erklärte Trump gegenüber Reportern, die Kosten seien auf 300 Millionen Dollar gestiegen. Das Militär sei zwar beteiligt, das Projekt werde jedoch «zu 100 Prozent von mir und einigen meiner Freunde» finanziert.
Doch zu diesem Zeitpunkt war laut einer internen Projektzusammenfassung bereits klar, dass das gesamte Projekt 478 Millionen Dollar kosten würde. Den Unterlagen zufolge sollten die Steuerzahler fast die Hälfte davon finanzieren.
Doch während all dies längst bekannt war, erklärte Trump: «Es ist ein Geschenk an die Vereinigten Staaten von Amerika.»