«Drückte Kopf auf Penis»Trump sieht sich im Fall Epstein entlastet – ein neues FBI-Dokument erzählt anderes
Philipp Dahm
18.2.2026
Donald Trump (links) und Jeffrey Epstein 1993 auf einer Party.
NBC News
Die Justizministerin sagt, Donald Trump sei mit Blick auf den Epstein-Skandal unschuldig. Der Präsident selbst sieht sich durch die Akten «vollkommen entlastet». Doch Dokumente des FBI sprechen eine andere Sprache: Zwei Minderjährige werfen dem New Yorker Missbrauch vor.
Die Justizministerin weist die Vorwürfe entschieden zurück. «Das ist vollkommen lächerlich», sagt Pam Bondi am 11. Februar während einer Anhörung des House Judiciary Committee, als der demokratische Abgeordnete Ted Lieu fragt, ob Donald Trump mit Jeffrey Epstein auf Veranstaltungen gewesen sei, bei denen auch Minderjährige anwesend waren.
Lieu und weitere Demokraten versuchten damit, von politischen Erfolgen Trumps abzulenken, so Bondi. «Es gibt keinen Beweis dafür, dass er ein Verbrechen begangen hat», sagt sie. Der 79-Jährige habe sich zudem für die Veröffentlichung der Akten eingesetzt.
«Ich glaube, Sie haben gerade unter Eid falsch ausgesagt», entgegnet Lieu. Es gebe «reichlich Beweise» für problematische Kontakte. Bondi weist die Anschuldigung zurück und fordert den Abgeordneten auf, solche Vorwürfe zu unterlassen. Lieu wiederum kritisiert, dass aus seiner Sicht nicht alle Personen aus dem Umfeld Epsteins konsequent verfolgt würden.
«Er drückte ihren Kopf auf seinen entblössten Penis»
Inzwischen ist eine 21-seitige FBI-Präsentation aus dem Jahr 2019 bekannt geworden, die einen Überblick über damalige Ermittlungen im Umfeld Jeffrey Epsteins geben sollte. Darin findet sich auch eine Seite mit «prominenten Namen», unter anderem Prinz Andrew, der Anwalt Alan Dershowitz, der frühere Präsident Bill Clinton, der Unternehmer Les Wexner sowie weitere bekannte Persönlichkeiten.
Das wird aus einer 21 Seiten langen FBI-Präsentation ersichtlich, die einen Überblick über die laufenden Ermittlungen gegen Jeffrey Epstein geben soll. Auch der heutige US-Präsident wird darin erwähnt.
Laut dem Dokument schilderte eine Person, Epstein habe sie Trump vorgestellt. Anschliessend habe Trump «ihren Kopf auf seinen entblössten Penis gedrückt», woraufhin sie ihn gebissen habe. Daraufhin habe er sie geschlagen und aus dem Raum geworfen. Der mutmassliche Vorfall soll sich zwischen 1983 und 1985 ereignet haben.
Epstein zu Trump: «Das ist eine Gute, was?»
Das mutmassliche Opfer soll damals zwischen 13 und 15 Jahre alt gewesen sein. Eine weitere Minderjährige erhebt laut Präsentation ebenfalls Vorwürfe. Demnach habe Epstein sie Trump vorgestellt und gesagt: «Das ist eine Gute, was?» Trump habe mit «Ja» geantwortet. Der geschilderte Vorfall soll sich 1984 ereignet haben; das Mädchen sei damals 14 Jahre alt gewesen.
Wie das FBI weiter vorgegangen ist, wird aus der Präsentation nicht klar. Roger Sollenberger, Journalist beim «Daily Beast», schreibt auf seinem Substack, dass das FBI die Frauen als glaubwürdig eingestuft habe, die den 79-Jährigen belasten.
Aus dem Dokument geht zudem hervor, dass Ermittler offenbar direkt mit den mutmasslichen Opfern gesprochen haben. Bei anderen Personen wird ausdrücklich erwähnt, dass Hinweise über eine Hotline eingegangen seien.
Ähnlichkeit zu anderm Akten-Eintrag
Sollenberger fällt auf, dass die Angaben aus der Präsentation einem anderen FBI-Protokoll ähneln, als ein Opfer mit ihrem Anwalt ausgesagt hat. Das Mädchen wurde im Alter von 13 Jahren von Epstein angelockt: Der Mutter erzählte dieses Opfer, es würde babysitten.
Stattdessen sei sie in ein Haus gebracht worden, in dem sich Epstein aufgehalten habe. Laut Protokoll habe er ihr Alkohol sowie Drogen angeboten. Sie habe diese konsumiert; alles sei «verschwommen» und «wie im Traum» gewesen. In der Folge sei sie zu sexuellen Handlungen gezwungen worden.
Das Mädchen soll später erneut in Epsteins Haus gegangen sein und dort erneut missbraucht worden sein. Zudem habe Epstein Fotos von ihr gemacht, die sie später in einer Schublade entdeckt habe. Als er bemerkt habe, dass sie die Bilder ansah, sei er wütend geworden. «Er hat mich vergewaltigt», wird das Opfer zitiert. Epstein habe sie dabei beleidigt.
FBI erkennt «derzeitigen US-Präsidenten Donald Trump»
Das Gespräch mit dem mutmasslichen Opfer wurde laut Präsentation am 24. Juli 2019 geführt. Dabei habe das Mädchen angegeben, Epstein habe ihr ein Foto von sich und einem Prominenten geschickt. Sie wolle diesen aus dem Bild herausschneiden – «aus Angst vor Vergeltung», wie das FBI festhält.
Weiter heisst es: «Das Bild, das ihr geschickt wurde, wurde von den Agenten als ein weit verbreitetes Foto von Jeffrey Epstein und dem derzeitigen US-Präsidenten Donald Trump erkannt.»
Es gilt in diesem Zusammenhang zunächst die Unschuldsvermutung. Aber Donald Trump kommt laut «New York Times» in 5300 Akten vor und wird insgesamt mehr als 38'000 Mal genannt. Der Demokrat Jamie Raskin, der die teilweise unzensierten Akten gesehen hat, spricht sogar von über einer Million Trump-Nennungen.
Trump: «Ich bin vollkommen entlastet worden»
Der sagt dem «New York Magazine» im Jahr 2002: «Ich kenne Jeff [Epstein] seit 15 Jahren. Er ist ein grandioser Typ. Man hat viel Spass mit ihm. Es heisst sogar, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich, und viele von ihnen sind jünger.» Heute will Trump davon nichts mehr wissen.
«Ich habe nichts zu verbergen», sagte der Präsident am 17. Februar an Bord der Air Force One. «Ich wurde entlastet, ich habe nichts mit Jeffrey Epstein zu tun. Sie sind reingegangen und haben gehofft, dass sie etwas finden – aber sie haben das Gegenteil gefunden: Ich bin vollkommen entlastet worden.»
Trump: I have nothing to hide. I have been exonerated. I have nothing to do with Jeffrey Epstein. I have been totally exonerated on Epstein.
Auf die Frage, worauf sich diese Entlastung konkret beziehe, äusserte er sich nicht im Detail. Weiter sagte Trump, Epstein habe versucht, seine Wahl zu verhindern, gemeinsam mit einem Autor, den er als «durchtrieben» bezeichnete. Gemeint ist Michael Wolff, der mehrere kritische Bücher über Trump veröffentlicht und Epstein mehrfach interviewt hat.
Trump unterzeichnet Gesetz zur Freigabe der Epstein-Akten
Mit 427 zu 1 stimmte das US-Repräsentantenhaus am Dienstag für die Freigabe der sogenannten Epstein-Akten. Demokratische wie republikanische Abgeordnete sprachen sich dafür aus, Unterlagen über den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Kurz nach dem Abgeordnetenhaus billigte auch der US-Senat die Freigabe. Trump hatte die Debatte bislang als eine Verleumdungskampagne der Demokraten abgetan. Gegen eine Veröffentlichung hatte sich der US-Präsident lange gewehrt, bevor er nach wachsendem Druck aus seiner eigenen Partei seine Haltung änderte.