Will er Machtwechsel?Trump führt offenbar Geheim-Gespräche mit Selenskyj-Gegnern
Sven Ziegler
6.3.2025
In Washington hatte sich Selenskyj einen heftigen Wortwechsel mit Trump geliefert.
Mystyslav Chernov/AP/dpa
Laut einem Bericht haben hochrangige Trump-Vertreter Geheimgespräche mit ukrainischen Oppositionspolitikern geführt. Der Verdacht: Will Washington einen Wechsel an der Spitze der Ukraine?
Laut einem Bericht des US-Portals «Politico» haben hochrangige Trump-Vertreter Geheimgespräche mit ukrainischen Oppositionspolitikern geführt. Ziel: Eine mögliche Neuwahl in der Ukraine – und womöglich eine Ablösung von Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Nach Angaben dreier ukrainischer Abgeordneter und eines US-Aussenpolitik-Experten der Republikaner sollen sich die Trump-Gesandten mit Julia Timoschenko und Ex-Präsident Petro Poroschenko getroffen haben. Besonders brisant: Poroschenko war 2019 von Selenskyj mit grossem Abstand besiegt worden.
Die Ukraine müsste eigentlich neue Präsidentschaftswahlen abhalten, doch aufgrund des Kriegsrechts wurde die Abstimmung verschoben – ein in Kriegszeiten üblicher Vorgang.
Eklat vergangene Woche
Donald Trump hatte die Entscheidung jedoch öffentlich kritisiert. Sein Umfeld sei überzeugt, dass Selenskyj bei einer Wahl verlieren würde, da die Kriegsmüdigkeit in der Bevölkerung wächst und sich Frust über die Korruption im Land verbreitet.
Doch laut aktuellen Umfragen bleibt Selenskyj weiterhin der beliebteste Politiker der Ukraine. Der einzige ernsthafte Herausforderer wäre Ex-Armeechef Waleri Saluschnyj, der mittlerweile als Botschafter in London tätig ist. Timoschenko und Poroschenko liegen dagegen weit abgeschlagen.
Dass Trump Selenskyj kritisch sieht, ist nicht neu. Bereits in der Vergangenheit hatte er ihn öffentlich attackiert. Besonders nach der Eskalation im Oval Office Anfang letzte Woche wurde Selenskyj aus Trumps Lager scharf angegriffen.
Tatsächliche Hintergründe unklar
Der republikanische Senator Lindsey Graham, lange ein Unterstützer der Ukraine, liess zuletzt durchblicken, dass Selenskyj zurücktreten oder seine Strategie ändern solle. Trumps Sohn und weitere Berater griffen den ukrainischen Präsidenten öffentlich an und stellten ihn bloss.
Ob Trump tatsächlich einen politischen Wechsel in Kiew anstrebt, bleibt unklar. Doch die geheimen Gespräche seiner Vertrauten mit der ukrainischen Opposition zeigen: Das Verhältnis zwischen Washington und Kiew könnte sich weiter verschlechtern.