Trump legt sich mit dem Papst an «So etwas wie der Atomknopf für den Vatikan»

Andreas Fischer

14.4.2026

Papst_Trump_1

Papst_Trump_1

13.04.2026

Zwischen Machtpolitik und Moral eskaliert ein ungewöhnlicher Konflikt: US-Präsident Donald Trump legt sich offen mit Papst Leo XIV. an. Dies ist die Geschichte eines verbalen Höllenritts.

Andreas Fischer

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Konflikt zwischen Donald Trump und Papst Leo XIV. eskaliert offen, nachdem Trump den Papst öffentlich als «schwach» und «schrecklich» attackiert.
  • Leo XIV. konterte ungewohnt deutlich, bezeichnet Trumps Kriegsrhetorik als «wahrlich inakzeptabel» und will sich nicht einschüchtern lassen.
  • Die Auseinandersetzung zwischen den beiden mächtigen US-Amerikanern hat eine Vorgeschichte, die ein Jahrzehnt zurückreicht.

Jetzt ist er also nur noch einen Schritt davon entfernt, Gott zu sein. Donald Trump inszeniert sich als American Jesus und macht mit einem KI-generierten Bild weiter Stimmung gegen Papst Leo XIV.

Mittlerweile ist der Beitrag von Truth Social verschwunden, der US-Präsident versucht, die massive Kritik an seinem Selbstbildnis als Jesus herunterzuspielen. «Ich habe es gepostet, und ich dachte, es zeige mich als Arzt», sagte er vor Journalisten im Weissen Haus. Er sei davon ausgegangen, dass er als «Mitarbeiter des Roten Kreuzes» dargestellt worden sei. Auf die klare, dramatische Inszenierung des Bildes, die Künstler oft in religiösem Kontext nutzen, ging Trump nicht ein.

And Trump posted an image of himself as some sort of American Jesus healing people.

[image or embed]

— Brian Kaylor (@briankaylor.bsky.social) 13. April 2026 um 04:02

Die Provokation war natürlich kalkuliert und kam nicht überraschend. Der US-Präsident hat einen hässlichen Streit mit dem Oberhaupt der Katholischen Kirche angezettelt, den Beobachter selbst für Trump-Verhältnisse als unverschämt respektlos betrachten.

«Papst Leo ist SCHWACH gegen Kriminalität und schrecklich für die Aussenpolitik», hatte Trump am Sonntag (Ortszeit) auf seiner Plattform Truth Social gegen Leo XIV. ausgeteilt. «Ich will keinen Papst, der glaubt, dass es OK ist, wenn der Iran eine Atomwaffe hat.» Der Papst sei in seinen Augen ein «sehr liberaler Mensch», der aufhören sollte, sich «der radikalen Linken» zuzuwenden. «Ich bin kein Fan von Papst Leo.»

Und überhaupt, fuhr Donald Trump in seiner ausführlichen Schimpftirade fort, sei Leo nur Papst geworden, «weil er Amerikaner war und sie dachten, dass das die beste Möglichkeit wäre, um mit Präsident Donald J. Trump umzugehen. Wenn ich nicht im Weissen Haus wäre, wäre Leo nicht im Vatikan.»

Die Botschaften werden deutlicher

Dass der Ton Trumps gegenüber Papst Leo XIV. rauer würde, hatte sich zuletzt abgezeichnet. Zu oft hatte das Oberhaupt der Katholischen Kirche den US-Präsidenten kritisiert, zunächst oft indirekt, aber immer unmissverständlich. 

So hatte der Papst am Wochenende von einer «Wahnvorstellung der Allmächtigkeit» gesprochen, die den Krieg der USA und Israels gegen den Iran befeuere. Zwar nannte Leo Trump nicht beim Namen, doch schien sich seine Botschaft gegen den US-Präsidenten und andere Vertreter seiner Regierung zu richten. Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte die Amerikaner aufgefordert, «im Namen Jesu Christi» für den Sieg im Krieg gegen den Iran zu beten.

Der Pontifex hingegen verurteilte die «sinnlose und unmenschliche Gewalt» im Nahen Osten und erklärte, Christen könnten nicht an der Seite jener stehen, die «heute Bomben abwerfen». Vor Gläubigen im Petersdom sagte der Papst: «Genug des Krieges!»

Einschüchtern? Nicht mit diesem Papst?

Auf Kritik reagiert Donald Trump mit immer gleichen Reflexen. Darauf kann man sich verlassen. Ein Zurückrudern gibt es aus Prinzip nicht. 

Reporter: Why did you attack Pope Leo? Trump: I don’t think he’s doing a very good job. He likes crime I guess. We don’t like a pope who says it’s ok to have a nuclear weapon. We don’t want a pope that says crime is ok. I am not a fan of Pope Leo.

[image or embed]

— Acyn (@acyn.bsky.social) 13. April 2026 um 03:33

Doch die Einschüchterungsversuche aus dem Weissen Haus nimmt Leo derweil gelassen. Er habe «keine Angst vor der Trump-Regierung», sagte der Papst am Montag auf dem Flug nach Algerien, der ersten Station einer zehntägigen Afrika-Reise.

Der Papst sagte, er werde sich nicht davon abbringen lassen, «die Botschaft des Evangeliums zu verkünden und alle Menschen einzuladen, nach Wegen zu suchen, Brücken des Friedens und der Versöhnung zu bauen, und nach Wegen zu suchen, Krieg zu vermeiden, wann immer das möglich ist».

Leos Widerstand gegen den Krieg spiegele die seit Langem vertretende Haltung der Kirche wider, betonen Analysten. «Es ist eine sehr lange Tradition, die in der Heiligen Schrift, der Theologie und der Philosophie verwurzelt ist», sagt William Barbieri von der Katholischen Universität in Washington.

Papst wird ungewöhnlich deutlich

Ein Novum in der Geschichte war allerdings die Reaktion des Pontifex' auf Donald Trumps Drohung, im Iran eine ganze Zivilisation auszulöschen. Der Papst, zumal der erste aus den USA, kanzelte den US-Präsidenten unmissverständlich ab.

Der Kriegskurs von Donald Trump sei «wahrlich inakzeptabel», schickte Leo XIV. aus Rom über den grossen Teich. Mehr noch: Leo rief die US-Bürger nicht nur dazu auf, für die vielen unschuldigen Opfer zu beten, sondern auch dazu, «nach Wegen zu suchen, um zu kommunizieren – vielleicht mit Abgeordneten, mit Behörden – und deutlich zu machen, dass wir keinen Krieg wollen; wir wollen Frieden.»

Dass sich ein Papst so deutlich in politische Debatten einmischt, ist ungewöhnlich. Zwar äussert sich der Vatikan traditionell zu moralischen Fragen – etwa Krieg, Armut oder Migration. Doch direkte Konfrontationen mit amtierenden Staatsoberhäuptern sind selten.

«So etwas wie der Atomknopf für den Vatikan»

«Das ist überhaupt nicht normal», sagte Massimo Faggioli, Professor am Trinity College Dublin und Autor mehrerer Bücher über den Katholizismus, gegenüber dem Nachrichtenportal «MS Now». «Hier greift der Papst in den demokratischen Prozess ein, in den Repräsentationsprozess eines modernen politischen Systems. Das sei wirklich einmalig und «so etwas wie der Atomknopf für den Vatikan».

Der aktuelle Streit hat eine Vorgeschichte. Schon in seiner ersten Amtszeit als US-Präsident geriet Trump mit dem Vatikan aneinander. 2016 kritisierte Papst Franziskus Trumps Mauerpläne an der Grenze zu Mexiko scharf und erklärte, wer Mauern statt Brücken baue, handle «nicht christlich».

Trump reagierte empört, warf Franziskus politische Einmischung vor und bezeichnete dessen Äusserungen als beschämend. Dieser Bruch mit dem Vatikan verheilte während Trumps erster Amtszeit und auch nach seiner erneuten Wahl nicht. Im Gegenteil.

«Jemand muss für die Menschen einstehen»

Im Februar 2025 schickte Franziskus wenige Wochen vor seinem Tod am 21. April einen Brief an die amerikanischen Bischöfe, in dem er die Migrationspolitik und die Massendeportationen durch die Einwanderungsbehörde ICE als «moralische Fehlentwicklung» anprangerte. «Migration policies built on force (…) will end badly», heisst es darin. Auf deutsch: Migrationspolitik, die auf Zwang basiert, wird böse enden.

Formuliert und geschrieben hatte diesen Brief der aus Chicago stammende Kardinal Robert Francis Prevost: der heutige Papst Leo XIV. Er ist dafür bekannt, seine Worte sorgfältig zu wählen. Das hat sich nicht erst in den vergangenen Wochen deutlich gezeigt: «Jemand, der sagt: ‹Ich bin gegen Abtreibung, aber ich bin mit der unmenschlichen Behandlung von Einwanderern in den Vereinigten Staaten einverstanden›, ich weiss nicht, ob das ‹pro-life› ist», sinnierte der Papst im vergangenen September.

«Zu viele Menschen leiden heute in der Welt», sagte Leo XIV. nun auf dem Weg nach Afrika. «Zu viele unschuldige Menschen werden getötet. Und ich denke, jemand muss für sie einstehen und zeigen, dass es einen besseren Weg gibt.» Auch wenn es Donald Trump missfällt.

Mit Material der Nachrichtenagenturen AFP und DPA.