Zinsen, Zoff, Justiz Trump gegen die Fed – jetzt wird der Machtkampf hochgefährlich

Andreas Fischer

12.1.2026

Machtkampf um die Fed: Notenbankchef Powell stellt sich gegen Trump

Machtkampf um die Fed: Notenbankchef Powell stellt sich gegen Trump

Washington, 12.01.2026: Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Chef der US-Notenbank eskaliert. Jerome Powell weist strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn und eine drohende Anklage als Versuch der Einflussnahme auf die Arbeit der Federal Reserve zurück. Powell soll im Zusammenhang mit der mehrjährigen Sanierung von Gebäuden der Zentralbank in Washington vor dem Senat Falschaussagen gemacht haben, so der Vorwurf. Der Fed-Chef sieht darin allerdings nur einen Vorwand: O-Ton Jerome Powell, Chef der US-Notenbank «Es geht darum, ob die Fed die Zinssätze weiterhin auf Grundlage von Fakten und wirtschaftlichen Gegebenheiten festlegen kann – oder ob die Geldpolitik stattdessen von politischem Druck oder Einschüchterung bestimmt wird.» Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren wirft Trump eine «korrupte Übernahme» der Zentralbank vor. Warum Trumps Justizministerium ausgerechnet jetzt gegen Powell vorgeht, ist unklar. Dessen Amtszeit endet ohnehin im Mai. Trump will noch im Januar seinen Wunschkandidaten für die Nachfolge auf dem Chefposten der Federal Reserve bekanntgeben.

12.01.2026

Löst Donald Trump in den USA die nächste Verfassungskrise aus? Die Trump-Regierung greift die Notenbank jetzt auch ganz offen an. Doch deren Chef Jerome Powell wehrt sich. Wie lange kann er durchhalten?

Andreas Fischer

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Das US-Justizministerium geht frontal auf Jerome Powell los: Der Chef der unabhängigen Notenbank Federal Reserve wird zu einer Anhörung vorgeladen – und könnte angeklagt werden.
  • Beobachter warnen vor einem Tabubruch mit Folgen: Wackelt die Unabhängigkeit der Fed, geraten Märkte und die politische Ordnung der USA ins Wanken.
  • Hinter der Aktion steckt vor allem Donald Trumps Fixierung auf tiefe Zinsen: Powell weigert sich standhaft, die Geldpolitik nach dem Geschmack des Weissen Hauses auszurichten.

Eigentlich, so scheint es zumindest nach aussen, bringt Jerome Powell so schnell nichts aus der Ruhe. Selbst die seit Monaten andauernden Attacken, Beschimpfungen und Drohungen von Donald Trump lässt der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) normalerweise unkommentiert an sich abprallen.

Es ist also durchaus ungewöhnlich, dass Powell jetzt deutliche Worte wählte, um sich vehement gegen einen «Einschüchterungsversuch» der Trump-Regierung zu wehren. Das US-Justizministerium hat der Fed Ende vergangener Woche Vorladungen zugestellt und mit strafrechtlichen Ermittlungen gedroht. Diese richten sich vor allem gegen den unbeugsamen Powell, der sich mit sachlicher Kritik der wiederholten Einflussnahme Trumps auf die Geldpolitik der Fed widersetzt.

Während Donald Trump seit jeher markige Worte wählt, um Jerome Powell zu diskreditieren, legt auch der Fed-Chef nun die Zurückhaltung ab. Mit den ruhigen Tönen ist jedenfalls Schluss: Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zu einem lange schwelenden Streit, der den USA eine veritable Verfassungskrise bescheren könnte.

Was ist zuletzt genau passiert?

Das US-Justizministerium hat der Fed am Freitag Vorladungen zugestellt  und mit einer Anklage gedroht. Jerome Powell soll im Zusammenhang mit der mehrjährigen Sanierung von Gebäuden der Notenbank in Washington vor dem Senat Falschaussagen gemacht haben, so der Vorwurf.

Mit diesem Schritt verschärft sich die langjährige Fehde zwischen Donald Trump und Powell, den der Präsident immer wieder dafür angegriffen hat, dass er sich seinen Forderungen nach einer deutlichen Senkung der Zinssätze widersetzt hat.

«Die Drohung mit einer Anklage ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve die Zinssätze nach bestem Wissen und Gewissen im öffentlichen Interesse festlegt und nicht den Präferenzen des Präsidenten folgt», konterte Powell in einem Video-Statement (hier als PDF zum Nachlesen). Er werde sein Amt weiter «integer und im Dienste des amerikanischen Volkes ausführen».

Der US-Präsident bestritt in einem Gespräch mit dem US-Sender NBC News, Kenntnis über den Fall zu haben. «Ich weiss nichts darüber, aber er macht seine Sache bei der Fed sicherlich nicht besonders gut, und er ist auch nicht besonders gut im Bauen von Gebäuden», sagte er über Powell.

US-Präsident Donald Trump hat Fed-Chef Jerome Powell wiederholt mit der Entlassung gedroht – jetzt wurde der oberste Notenbanker der USA vom Justizministerium vorgeladen.
US-Präsident Donald Trump hat Fed-Chef Jerome Powell wiederholt mit der Entlassung gedroht – jetzt wurde der oberste Notenbanker der USA vom Justizministerium vorgeladen.
Bild: IMAGO/ZUMA Press Wire

Donald Trump vs. Jerome Powell: Worum geht's?

2017 hatte Donald Trump in seiner ersten Amtszeit Jerome Powell selbst als Notenbankchef nominiert. Seit seinem erneuten Amtsantritt im Januar überhäuft er ihn allerdings mit Schmähungen. Er nannte Powell einen «Trottel», «Schwachkopf» und «Loser».

Und: Trump drohte dem Fed-Vorsitzenden wiederholt mit der Entlassung und einer Anklage wegen «Inkompetenz». Anlass ist die mehrjährige Renovierung von zwei Gebäuden der Notenbank in Washington D.C.: Die Kosten dafür sind von ursprünglich 1,9 Milliarden US-Dollar auf 2,5 Milliarden US-Dollar gestiegen – unter anderem, weil die Gebäude stärker mit Asbest verseucht waren, als angenommen, und Material und Arbeitskräfte teurer geworden sind.

In Wahrheit geht es aber um etwas ganz anderes.

Was will Donald Trump wirklich?

Niedrige Zinsen. Niedrige Zinsen. Niedrige Zinsen.

Trump will mit billigem Geld unter anderem Immobilienkredite günstiger machen. Da die Notenbank eine unabhängige Institution ist, kann er sie allerdings nicht zwingen, den Leitzins zu senken.

Was will die Fed?

Die Kernziele der US-Notenbank sind stabile Preise und Vollbeschäftigung am Arbeitsmarkt. Ist der Leitzins zu hoch, bremst er die Wirtschaft aus, etwa wegen zu hoher Kreditkosten. Ein niedrigerer Zins stimuliert Wachstum und Arbeitsmarkt, kann aber die Inflation anheizen.

Die Fed will ihre finanzpolitischen Entscheidungen weiterhin im Sinne des amerikanischen Volkes treffen – unabhängig und gestützt auf Fakten, Analysen und wirtschaftlichen Bedingungen.

Welchen Zoff gab es in der Vergangenheit zwischen Trump und der Federal Reserve?

Donald Trumps regelmässige Beschimpfungen Powells haben sich im Laufe der Monate durch eine gewisse Gewöhnung abgenutzt. Und sie sind bisweilen in der Flut von regelmässigen Beschimpfungen anderer missliebiger Politiker und hochrangiger Beamter untergegangen.

Im Gedächtnis blieb allerdings ein legendärer gemeinsamer Bauhelm-Auftritt von Donald Trump und Jerome Powell. Der US-Präsident Donald beschwerte sich vor laufender Kamera über hohe Kosten bei der Renovation von Fed-Gebäuden – und zückte zur Bestätigung ein Dokument.

Powell schüttelte den Kopf, zückte seine Lesebrille und unterzog das Dokument vor Donald Trump und laufenden Kameras einem Faktencheck, bei dem Trump nicht gut wegkam.

Streit zwischen Trump und Powell über Baukosten bei Notenbank-Besuch

Streit zwischen Trump und Powell über Baukosten bei Notenbank-Besuch

STORY: Bei einem Besuch von Donald Trump am Sitz der US-Notenbank ist es zum offenen Streit zwischen dem Präsidenten und Fed-Chef Jerome Powell gekommen. Bezüglich der Renovierungskosten der Zentrale sagte Trump am Donnerstag vor laufenden Kameras, diese seien gestiegen. Aus 2,7 Milliarden Dollar seien 3,1 Milliarden geworden. Powell schüttelte den Kopf und sagte, dies sei ihm nicht bekannt. Nachdem Trump ihm ein Blatt Papier reichte, erklärte Powell, der Präsident rechne fälschlicherweise ein drittes Gebäude mit ein, das nicht Teil des Renovierungsprojekts sei. Es sei vor fünf Jahren gebaut worden. Man habe das Martin-Gebäude vor fünf Jahren fertiggestellt. Der Streit über die Baukosten findet vor dem Hintergrund von Spekulationen statt, dass Trump versuchen könnte, Powell vor dem Ablauf seiner Amtszeit im Mai 2026 zu entlassen. Der Republikaner hat sich erbost darüber gezeigt, dass die Notenbank entgegen seinen wiederholten Forderungen nicht die Zinsen senkt. Nach US-Recht kann der Präsident den Fed-Chef jedoch nicht wegen eines Streits über die Zinspolitik entlassen. Als etwaiger Anlass gilt daher ein Streit über Kostenüberschreitungen bei der Renovierung der in die Jahre gekommenen Fed-Zentrale in Washington. Die US-Regierung wirft der Notenbank Misswirtschaft vor.

25.07.2025

Im August 2025 wollte US-Präsident Donald Trump die Fed-Gouverneurin Lisa Cook entlassen. Offiziell begründete er den Schritt mit möglichen Falschangaben in Hypothekenverträgen.

Cook leitete daraufhin über ihre Anwälte rechtliche Schritte ein. Trump dürfe sie gar nicht abberufen, argumentierte Cook. Die Vorwürfe wies sie zurück. Die Entlassung wurde von einer Bundesrichterin aufgehoben. Im Berufungsverfahren entschied der Supreme Court, dass Cook im Amt bleiben dürfe, bis er den Fall verhandelt hat. 

Warum hat die Auseinandersetzung eine so grosse Bedeutung?

Der US-Präsident darf ein Mitglied des Fed-Vorstands inklusive des Vorsitzenden nur «aus triftigen Gründen» entlassen – was in der Regel ein Fehlverhalten im Amt oder eine Pflichtverletzung bedeutet. Dadurch wollten die US-Gesetzgeber verhindern, dass die Notenbank zum Spielball politischer Interessen wird. 

Eine Bundesrichterin hatte dies im Fall von Lisa Cook ausdrücklich bestätigt. So könne jemand nicht allein aufgrund von Verhaltensweisen aus der Zeit vor dem Amtsantritt entlassen werden.

Die Unabhängigkeit der Fed hat vor Donald Trump kein Präsident infrage gestellt. Doch nun findet man im Weissen Haus, «dass man Strafverfolgung als politisches Instrument gegen diejenigen einsetzen kann, die Trump stören oder ihm im Weg stehen», wie das US-Portal «MS Now» (ehemals MSNBC) schreibt.

Die Vorladung von Jerome Powell ist als unverhohlener Angriff auf die Unabhängigkeit der Federal Reserve zu werten, sagen politische Beobachter. Sie seien ein weiterer Versuch Trumps, seine Macht auf Kosten demokratischer Gewaltenteilung auszubauen. Und: «Die offensichtliche Korruption des Justizsystems wird noch dadurch verschlimmert, dass das Weisse Haus keine nennenswerten Anstrengungen unternimmt, um diese Korruption zu verbergen.»

Die Untersuchung gegen Powell sei «ein Tiefpunkt in Trumps Präsidentschaft und ein Tiefpunkt in der Geschichte des Zentralbankwesens in Amerika», ordnet Peter Conti-Brown, Fed-Historiker an der University of Pennsylvania, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ein.

«Der Kongress hat die Fed nicht geschaffen, um die täglichen Stimmungsschwankungen des Präsidenten widerzuspiegeln», so Conti-Brown weiter. Trump sieht das offenbar anders und «weil sich die Fed den Bemühungen von Präsident Trump widersetzt, sie zu entmachten, setzt er nun die gesamte Wucht des amerikanischen Strafrechts gegen ihren Vorsitzenden ein.»

Was bedeutet der Streit für die Finanzmärkte?

«Wir sind fassungslos über diese zutiefst beunruhigende Entwicklung, die wie aus heiterem Himmel kam, nachdem die Spannungen zwischen Trump und der Fed zuletzt gebändigt schienen», wird Krishna Guha, Analyst bei der Investmentbank Evercore ISI, bei EuroNews zitiert. Er erwarte, «dass Dollar, Anleihen und Aktien allesamt fallen – in einem Sell-America-Trade ähnlich wie im April vergangenen Jahres auf dem Höhepunkt des Zollschocks und der früheren Drohung gegen Powells Position als Fed-Chef.»

In einer ersten Reaktion der Finanzmärkte stieg der Goldpreis auf ein erneutes Rekordhoch. Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank könnten zu «mehr Inflation und höheren langfristigen Zinsen» führen, kommentiert die «Frankfurter Rundschau». Genau «das wird passieren, wenn Investoren das Vertrauen in die US-Notenbank verlieren.»

Donald Trump hat Jerome Powell 2017 selbst für das Amt als Notenbankchef nominiert.
Donald Trump hat Jerome Powell 2017 selbst für das Amt als Notenbankchef nominiert.
Bild: imago/UPI Photo