Massengebet in WashingtonTrump, Gott und die Nation – was hinter der «Rededicate 250» steckt
Andreas Fischer
19.5.2026
Eine Person betet, während eine aufgezeichnete Videobotschaft von Präsident Donald Trump bei «Rededicate 250» abgespielt wird.
Bild:Keystone
Donald Trump inszeniert sich als Beschützer des christlichen Amerikas: In Washington treffen sich tausende Menschen zu einem Gebetsfestival. Das Weisse Haus zahlt die Sause und hofft auf eine neue «Nation unter Gott».
Mit «Rededicate 250» veranstaltete die Trump-Regierung ein riesiges christliches Gebetsfestival auf der National Mall in Washington.
Evangelikale Prediger und republikanische Politiker präsentierten die USA als von Gott gegründete christliche Nation.
Kritiker warnen, dass Donald Trump Religion gezielt nutzt, um christlichen Nationalismus politisch salonfähig zu machen und die Trennung von Religion und Staat auszuhebeln.
Tausende Menschen beten auf der National Mall in Washington, Regierungsmitglieder sprechen von Amerika als «christlicher Nation» – und Donald Trump sendet eine Bibelbotschaft aus dem Weissen Haus. Gemeinsam wollen sie die USA «wieder» zu einer Nation unter Gott machen.
«Rededicate 250» heisst die Veranstaltung passenderweise: «Rededicate» lässt sich nur holprig ins Deutsche übersetzen, bedeutet aber soviel wie: «neu widmen» oder «neu weihen». Das Weisse Haus will die USA als christliche Nation präsentieren: Als Teil der offiziellen Feierlichkeiten zum 250. Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit zeigt sich an der Veranstaltung, wie eng Religion und Politik in den USA inzwischen verschmolzen sind. Für Kritiker ist das alarmierend.
Dass ausgerechnet die Trump-Regierung die religiöse Veranstaltung organisiert hat, macht das Treffen in der Tat ziemlich brisant. Die USA unter Donald Trump bewegen sich einen weiteren Schritt in Richtung des christlichen Nationalismus.
Auf den Bühnen des vornehmlich von Evangelikalen gefeierten Massengottesdienstes «Rededicate» hört man laut «Spiegel» Sätze wie: «Unsere Gründungsväter wussten, dass wir Gott benötigen.» Oder: «Gott steht seit der Gründung 1776 im Mittelpunkt unserer Nation.»
Das aber ist schlichtweg falsch. Die USA sind mitnichten als christliche Nation gegründet worden. Vielmehr ist die Trennung von Staat und Kirche in der Verfassung verankert und einer der Grundpfeiler der Demokratie in den USA.
Was genau war die «Rededicate 250»?
Die Veranstaltung war weit mehr als ein gewöhnlicher Gottesdienst. Acht Stunden lang wechselten sich evangelikale Prediger, konservative Politiker und christliche Musiker auf den Bühnen ab. Die Botschaft der Redner war eindeutig: Amerika sei von christlichen Gründervätern geschaffen worden und müsse zu diesen Wurzeln zurückkehren.
Verteidigungsminister Pete Hegseth, Aussenminister Marco Rubio, Vizepräsident JD Vance und Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard schickten Videobotschaften. Der Abgeordnete Mike Johnson von den Republikanern, der als Sprecher des Repräsentantenhauses die Nummer drei in den USA ist, sprach sogar persönlich vor Ort.
Trump selbst erschien nicht persönlich, sondern liess eine vorproduzierte Videobotschaft zeigen, in der er einen Bibelvers aus dem Alten Testament vorlas. Dabei ging es um nationale Umkehr und göttlichen Segen – ein Lieblingsmotiv vieler evangelikaler Trump-Anhänger.
Warum ist die «Rededicate 250» umstritten?
In den USA gilt die Trennung von Staat und Kirche als Grundpfeiler der Demokratie. Der erste Verfassungszusatz verbietet dem Staat ausdrücklich, eine Religion zu bevorzugen oder eine Staatsreligion einzuführen.
Historiker widersprechen deshalb der Darstellung, die Vereinigten Staaten seien als ausdrücklich christliche Nation gegründet worden. Der renommierte Historiker Joseph Ellis bezeichnete diese Sichtweise laut «New York Times» als «völlig falsch».
Reporter: Why did you attack Pope Leo?
Trump: I don’t think he’s doing a very good job. He likes crime I guess. We don’t like a pope who says it’s ok to have a nuclear weapon. We don’t want a pope that says crime is ok. I am not a fan of Pope Leo.
Progressive Gruppen protestierten deshalb gegen die Veranstaltung. Auf die Fassade der National Gallery wurden Slogans wie «Democracy, not Theocracy» («Demokratie statt Theokratie») projiziert. Demonstranten warfen Trump vor, Religion politisch zu instrumentalisieren.
Besonders kritisch sehen viele Beobachter, dass die Veranstaltung staatlich unterstützt wurde. Die «Washington Post» berichtet sogar von Millionen an Steuergeldern für das Event.
Warum umgarnt Trump die Christen so sehr?
Die evangelikalen Christen gehören seit Jahren zu Trumps wichtigsten Wählergruppen. Obwohl Trump persönlich kaum als besonders religiös gilt, inszeniert er sich zunehmend als Beschützer des christlichen Amerikas.
Viele konservative Christen fühlen sich kulturell an den Rand gedrängt – etwa durch gesellschaftliche Liberalisierung, LGBTQ-Debatten oder sinkenden Einfluss der Kirchen. Trump gibt ihnen das Gefühl, ihre Werte gegen liberale Eliten zu verteidigen.
Auf der Veranstaltung wurde genau dieses Narrativ sichtbar. Besucher sprachen davon, Amerika müsse «zu Gott zurückkehren». Andere bezeichneten Trump offen als von Gott gesandten politischen Kämpfer.
Für Trump hat die Allianz mit der religiösen Rechten enorme politische Vorteile: Evangelikale Wähler gehen besonders zuverlässig an die Urne, sind stark organisiert und bilden einen zentralen Teil der MAGA-Bewegung. Gleichzeitig hilft ihm die religiöse Symbolik dabei, politische Gegner nicht nur als Gegner, sondern als moralische Bedrohung darzustellen.
Wie steht es um die Trennung von Staat und Religion?
Dass Trump zunehmend religiöse Bilder nutzt, ist kein Zufall. Zuletzt sorgte er mit KI-generierten Darstellungen für Schlagzeilen, die ihn als Papst oder fast messianische Figur zeigten. Auch in seiner Regierung spielt Religion eine immer grössere Rolle.
Laut der «New York Times» finden inzwischen regelmässig christliche Gebetsveranstaltungen im Weissen Haus statt. Verteidigungsminister Hegseth sprach öffentlich davon, dass die amerikanische Militärmacht einem göttlichen Auftrag diene.
Was hat es mit dem Mythos vom betenden George Washington auf sich?
Wie stark sich die amerikanische Rechte religiös auflädt, zeigt auch ein zweiter Trend: die romantisierte Darstellung der Gründerväter. Die «New York Times» berichtete zuletzt über die zunehmende Popularität von Bildern, die George Washington kniend im Gebet zeigen – obwohl Historiker bezweifeln, dass sich die Szene jemals so abgespielt hat.
Solche Darstellungen dienen konservativen Kreisen als Beweis dafür, dass Amerika von Anfang an ein christliches Projekt gewesen sei. Genau an diese Symbolik knüpfte auch «Rededicate 250» an.
Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP.
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US-Vizepräsident JD Vance wurde am Dienstag (14. April) bei einer Rede an einer Veranstaltung von Turning Point USA von Zwischenrufern unterbrochen. Dabei sagte er, Papst Leo solle «vorsichtig sein, wenn er über Fragen der Theologie spricht».