Der Bruch, der MAGA erschüttert«Ich will, dass Mama und Papa sich wieder vertragen – sie lieben sich doch»
Sven Ziegler
21.11.2025
Mögen sich nicht mehr: Marjorie Taylor Greene und Donald Trump.
Bild:Keystone
Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und Marjorie Taylor Greene hat das MAGA-Lager in Unruhe gestürzt. Während Trump sie als «Verräterin» angreift, halten viele Republikaner in ihrem Heimatdistrikt an der Abgeordneten fest.
In Greennes Heimatdistrikt, dem ländlich-konservativen Nordwesten Georgias, sprechen viele Republikaner inzwischen offen aus, was lange undenkbar schien: Sie stellen sich gegen den Präsidenten – nicht gegen ihre Abgeordnete. Bei einem Treffen der Walker County Republicans griff Parteichefin Jackie Harling laut einem Bericht der «Washington Post» den Stimmungswandel mit einem Satz auf, der im Saal hängen blieb: «Mom und Dad sind getrennt.»
Offener Widerspruch gegen Trump blieb zwar aus, aber die Botschaft war eindeutig. Jim Tully, Vorsitzender des 14. Kongressdistrikts und enger Unterstützer Greenes, sagte: «Trump versucht, auf die Welt aufzupassen. Aber nur Marjorie Taylor Greene passt auch auf unser Land auf.»
Die Eskalation begann mit einem Thema, das seit Jahren im rechten Spektrum brodelt: den Akten zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Greene drängt vehement auf vollständige Veröffentlichung, während Trump das Thema lange für überschätzt hielt – und seine eigene Basis davor warnte, sich in Details zu verlieren.
Jackie Harling will, dass MTG und Trump sich wieder vertragen.
Ein republikanischer Wähler in Georgia erklärte gegenüber der «Post» begeistert: «Als das Parlament für die Veröffentlichung der Epstein-Akte stimmte, bin ich vor Freude fast aufgesprungen. Genau das will ich.»
«Greene spricht die Sprache der Leute»
Trump reagierte mit einer Attacke: Er nannte sie «Verräterin» und kündigte an, seine Unterstützung für ihre Wiederwahl 2026 zurückzuziehen. Auf Truth Social schrieb er über Greene, sie sei eine «pöbelnde Wahnsinnige» – ein Tonfall, der selbst treue MAGA-Wähler überraschte.
In zahlreichen Gesprächen mit lokalen Republikanern zeigt sich: Viele unterstützen weiterhin Trump – aber sie unterstützen auch Greene.
John Hagen, 83, sagte zu Reuters: «Unser Präsident ist nicht glücklich mit ihr. Normalerweise gehe ich da mit, aber in diesem Fall bin ich nicht sicher.»
Andere stellen sich klar auf Greenes Seite. Ein junger Parteifunktionär erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur, Greene spreche «die Sprache der Leute». Eine Frau erklärte, sie sei über Trumps Bemerkung verärgert gewesen, die USA hätten nicht genug «talentierte Menschen» für bestimmte Jobs. «Bei der Epstein-Frage stehe ich komplett auf ihrer Seite», sagte sie.
«Will, dass sie sich wieder vertragen»
Innerhalb der Partei hat die Auseinandersetzung eine Welle widersprüchlicher Reaktionen ausgelöst. Eine Vertreterin der Gruppe Women for America First kritisierte Greene mit den Worten: «Ihr Verhalten wirkt in letzter Zeit eher wie ein kindischer Wutanfall.» Andere dagegen sehen in ihrem Kurs eine notwendige Korrektur und begrüssen, dass sie sich nicht vor internen Konflikten scheut.
Ob Trump Greene politisch ernsthaft gefährden kann, ist umstritten. Viele lokale Parteifunktionäre sagen, ein Gegenkandidat hätte es schwer. «Die Menschen, die die Abgeordnete unterstützen, graben sich jetzt erst recht ein», sagte ein republikanischer Bezirksleiter.
Trotz der aufgeheizten Atmosphäre hoffen viele in der Region auf ein Ende des Machtkampfs. Jackie Harling brachte es so auf den Punkt: «Ich liebe Mama, und ich liebe Papa. Und tief im Inneren lieben sie sich auch. Ich will, dass sie sich wieder vertragen.»
Streit um Epstein-Akten: Trump entzieht Republikanerin Greene Unterstützung
US-Präsident Donald Trump entzieht der republikanischen Abgeordneten und langjährigen Unterstützerin Marjorie Taylor Greene die Kooperation. Trump begründet den Schritt am späten Freitagabend mit wiederholter Kritik Greenes an seiner Politik.