Fehler gefunden?
Jetzt melden
Spencer Pratt, hier bei den American Music Awards 2025, rechnete sich im Rennen um das Bürgermeisteramt von L.A. gute Chancen aus. (Archivbild)
Bild: IMAGO
Die Wahl zum Bürgermeister von Los Angeles sorgt für Aufruhr im MAGA-Lager: Weil der von Trump unterstützte und mit guten Chancen angetretene Kandidat Spencer Pratt abstürzte, wittert man Wahlbetrug.
Im MAGA-Lager in den USA ist man sauer. Und wittert mal wieder Wahlbetrug, von der Basis bis zum US-Präsidenten. Dass die Anhänger Donald Trumps so entrüstet sind, liegt an den Vorwahlen um das Bürgermeisteramt in Los Angeles.
Dort nämlich hatte sich im Vorfeld und nach der Auszählung eines Teils der Stimmen abgezeichnet, dass bei den Stichwahlen im November Amtsinhaberin Karen Bass für die Demokraten gegen den von Trump unterstützten Republikaner Spencer Pratt antreten dürfte.
Pratt, einst im Reality-TV bekannt geworden, schien in seinem Wahlkampf unter anderem vom Frust einiger Einwohner zu profitieren, die den langsamen Wiederaufbau nach den Bränden Anfang 2025 kritisieren. Die Chancen für den in L.A. geborenen Maga-Rebellen standen nicht schlecht.
Doch mit der fortschreitenden Erfassung der Briefwahlstimmen schrumpfte Pratts Anteil immer weiter – bis er nun sogar auf den dritten Platz abrutschte, mit dem er aus dem Rennen wäre.
Nach 83 Prozent der ausgezählten Stimmen liegt die demokratische Stadträtin Nithya Raman (27,1 Prozent) nun knapp vor Pratt (26,7 Prozent). Die amtierende demokratische Bürgermeisterin Karen Bass führt das Feld mit 34,7 Prozent an. Nach dem kalifornischen Wahlrecht ziehen unabhängig von der Parteizugehörigkeit nur die beiden stärksten Kandidaten in die Hauptwahl ein.
Wenig überraschend folgte auf diese Entwicklung im Auszählungskrimi der Vorwurf, die Wahl gehe nicht mit rechten Dingen zu: «Hat irgendjemand die betrügerische Wahl verfolgt, die in Kalifornien stattfindet?», wetterte Donald Trump via Truth Social – und ohne Beweise.
Es sei für Pratt «unmöglich» gewesen, die Vorwahlen nach so einem grossen Vorsprung zu verlieren, so Trump in einem weiteren Social-Media-Beitrag: «Dritte-Welt-Staat! Manipulierte Wahl,» schrieb der US-Präsident.
Prominente Köpfe der MAGA-Bewegung schlossen sich der Kritik an, wie unter anderem «Newsweek» berichtet. Der konservative Influencer Nick Sortor sprach auf X von einer «absolut manipulierten» Wahl, während der Pro-Trump-Kanal «MAGA Voice» forderte, den vermeintlichen Diebstahl bei der Wahl zu stoppen.
🚨 JUST IN: Socialist Nithya Raman has OVERTAKEN Spencer Pratt in the Los Angeles mayoral election, despite Pratt’s previously sizable lead, per VoteHub
— Nick Sortor (@nicksortor) June 8, 2026
Absolutely RIGGED. This needs to be THOROUGHLY investigated.
Raman has conveniently received a WILDLY disproportionate amount… pic.twitter.com/Zbc5u6xGoY
Der politische Kommentator Clay Travis zweifelte die Gültigkeit der Briefwahlstimmen für Raman an: «Fünf Tage nach der Wahl in L.A. fällt Spencer Pratt auf den dritten Platz zurück und eine Frau, für die kaum jemand persönlich gestimmt hat, Nithya Raman, hat bei der Briefwahl völlig dominiert, um Zweite zu werden. Niemand mit einem funktionierenden Gehirn glaubt diesen Ergebnissen.»
Auch die ehemalige Fox-News-Moderatorin Monica Crowley sprach von einem «weiteren Wahldiebstahl am helllichten Tag» und forderte die Verabschiedung des «SAVE America Act».
Die Spannungen entluden sich auch im nationalen Fernsehen. Während eines Interviews in der NBC-Sendung «Meet the Press» geriet Trump mit der Moderatorin Kristen Welker über seine Betrugsvorwürfe aneinander. Auf ihre Frage nach Beweisen für seine Behauptung, dass die Republikaner in Kalifornien wegen einer manipulierten Wahl schnell an Boden verlieren, entgegnete Trump: «Ich muss nur hinschauen.»
Als Welker darauf verwies, dass die Behörden die Langsamkeit des Verfahrens einräumen und dies der normalen Wahlpraxis in Kalifornien entspreche, unterbrach Trump sie und attackierte den Sender.
«Nein, sie sind betrügerisch, genau wie Sie betrügerisch sind, Ihre Presse ist betrügerisch. Meet the Press ist betrügerisch», attackierte er die Moderatorin: «Sie sind entweder betrügerisch oder Sie sind dumm – Sie spielen ihnen direkt in die Hände. Sie wissen, dass diese Wahlen manipuliert sind, Ihr Sender weiss, dass sie manipuliert sind. Sie sind ein einseitiger, betrügerischer Sender. Lassen Sie uns Schluss machen, denn ich habe genug.» Danach brach Trump das Interview ab.
Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom wies die Vorwürfe scharf zurück. Trumps Betrugsvorwürfe wurden auf X mit den Worten kommentiert: «Es gibt keinen grösseren schlechten Verlierer im Land. Geh zurück ins Bett, Opa!»
Spencer Pratt selbst deutete Unregelmässigkeiten an, indem er einen Bericht über eine Verschiebung von über 43'000 Stimmen mit einer Statistik zur Obdachlosigkeit in Los Angeles verknüpfte – demnach gäbe es ebenfalls rund 43'000 Obdachlose in der Stadt. Ein Zusammenhang, für den es keinerlei Belege gibt.
Dass die Stimmenauszählung in Kalifornien oft Tage oder Wochen dauert, liegt laut «Newsweek» an den liberalen Wahlgesetzen des Bundesstaates: Jede wahlberechtigte Person erhält automatisch eine Briefwahlunterlage. Zudem werden Stimmzettel auch dann noch gezählt, wenn sie am Wahltag abgestempelt wurden und bis zu sieben Tage später bei den Behörden eingehen.
Vor der Zählung müssen zudem Unterschriften abgeglichen und provisorische Registrierungen geprüft werden. Während Kritiker argumentieren, dies verunsichere die Wähler, betonen Befürworter, dass das Verfahren sicherstelle, dass jede gültige Stimme gezählt wird.