UN-Experten warnenTrump plant «koloniale Herrschaft» über Grönland
Gabriela Beck
14.1.2026
Der dänische Aussenminister Lars Lökke Rasmussen und die grönländische Aussenministerin Vivian Motzfeldt während einer Pressekonferenz in der dänischen Botschaft in Washington, DC, am 14. Januar 2026 im Anschluss an das Krisengespräch mit der US-Regierung.
AFP/Oliver Contreras
Trump will Grönland – und stösst auf Widerstand. UN-Experten schlagen Alarm und warnen vor kolonialem Denken und internationaler Gesetzlosigkeit. Die Nato-Partner blicken mit wachsender Sorge nach Washington.
Redaktion blue News
14.01.2026, 22:27
15.01.2026, 08:57
Gabriela Beck
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Trotz diplomatischer Gespräche bleiben die Fronten zwischen Washington, Dänemark und Grönland verhärtet.
UN-Experten warnen vor Donald Trumps Besitzansprüchen auf Grönland und sprechen von kolonialer Logik.
Die Rhetorik der USA gefährde die internationale Ordnung und normalisiere Machtpolitik.
Von den Vereinten Nationen beauftragte Experten haben sich besorgt über die Besitzansprüche von US-Präsident Donald Trump auf Grönland geäussert. Behauptungen, dass ein Gebiet von einem anderen Staat im Interesse der nationalen Sicherheit oder wirtschaftlicher Interessen «eingenommen, kontrolliert oder ‹besessen› werden kann, erinnern an die Logik kolonialer Herrschaft», erklärten am Mittwoch sieben unabhängige Experten, die vom UN-Menschenrechtsrat beauftragt wurden, aber nicht für die UNO sprechen.
Eine solche Rhetorik löse «tiefe Besorgnis hinsichtlich der Aufrechterhaltung einer demokratischen und gerechten internationalen Ordnung aus», erklärten die Experten. Sie warnten, dass ein «Muster» militärischer Aggression der USA «Gesetzlosigkeit in den internationalen Beziehungen» normalisiere. Die Gruppe rief die Vereinigten Staaten auf, ihre Verpflichtung zur UN-Charta zu bekräftigen und Grönlands Recht auf Selbstbestimmung zu respektieren.
US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Wochen immer wieder einen US-Besitzanspruch auf Grönland erhoben und dies mit Sicherheitsinteressen in der Arktis begründet. Am Dienstag hatte er bekräftigt, Grönland müsse «in den Händen der Vereinigten Staaten liegen» und erklärt, alles andere sei «inakzeptabel». Bei den europäischen Nato-Partnern löste dies Sorgen um die Zukunft der Verteidigungsallianz aus. Grönland gehört als autonomes Gebiet zu Dänemark, das wie die USA Teil der Nato ist.
Keine Einigung mit USA bei Grönland-Krisengespräch
Inmitten der diplomatischen Spannungen kamen am Mittwoch Dänemarks Aussenminister Lars Lökke Rasmussen und seine grönländische Kollegin Vivian Motzfeldt zu einem Gespräch mit US-Vizepräsident JD Vance und US-Aussenminister Marco Rubio im Weissen Haus zusammen. Im Anschluss sagte Lökke Rasmussen, Trump wolle Grönland weiterhin «erobern», die USA und sein Land hätten nach wie vor «unterschiedliche Positionen».
Man habe sich darauf geeinigt, eine Arbeitsgruppe auf hoher Ebene zu bilden, um herauszufinden, ob man einen gemeinsamen Weg finden könne, der sowohl die amerikanischen Sicherheitsinteressen als auch die roten Linien des Königreichs Dänemark berücksichtige, sagte Rasmussen. Diese Arbeitsgruppe solle innerhalb von Wochen erstmals zusammenkommen.
Trump bleibt hart: «Alles andere ist inakzeptabel»
Trump hatte seinen Anspruch in den vergangenen Tagen immer wieder mit Sicherheitsfragen und eine Bedrohung durch Russland und China begründet. Die US-Regierung hatte eine gewaltsame Einnahme der Insel nicht ausgeschlossen.
Die Zugehörigkeit zur Nato sei kein ausreichender Schutz − weder für Grönland noch die USA, hatte Trump vor dem Treffen geschrieben. Grönland sei elementar für den Aufbau der geplanten Raketenabwehr «Golden Dome», die Nato solle daher den Weg für eine US-Übernahme der Insel bereiten, schrieb Trump. In Versalien drohte er, dass dies sonst China oder Russland tun würden. Das werde er verhindern. Trump hatte immer wieder auf eine zunehmende Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Region verwiesen.
Stimmt das mit der russischen und chinesischen Präsenz?
Vor allem China bereitet westlichen Militärs Sorgen. Der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa, Alexus G. Grynkewich, sagte jüngst zu möglichen Bedrohungen durch China, das Land trete vor allem im hohen Norden immer aggressiver auf. So schickten die Chinesen Forschungsschiffe in die Region, die dann unter wissenschaftlichem Deckmantel vermutlich militärische Erkundungen vornähmen. In der jüngsten eisfreien Jahreszeit seien Schiffe ausserordentlich lange vor der Nordküste Alaskas geblieben. Zudem gebe es gemeinsame Patrouillen mit den Russen.
Dänemark erhöhte am Mittwoch mit Unterstützung von Schweden und Norwegen die Militärpräsenz auf Grönland. Dies geschehe im Zusammenhang mit militärischen Übungen sowohl mit Flugzeugen, Schiffen als auch Soldaten − und in enger Zusammenarbeit mit Nato-Verbündeten, hiess es in einer Mitteilung des Aussenministeriums und des grönländischen Ministeriums für Äusseres und Forschung.
Der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen antwortete während einer Pressekonferenz auf die Frage, wie das Militär auf einen Angriff reagieren würde, dass dies eine «hypothetische» Situation sei. «Aber der Befehl ist, dass man das Königreich verteidigen muss, wenn man angegriffen wird», sagte er.
Menschen verfolgen in einem Restaurant in Nuuk die Pressekonferenz der grönländischen Aussenministerin Vivian Motzfeldt und des dänischen Aussenministers Lars Loekke Rasmussen im Fernsehen, nachdem in Washington ein Treffen über die Zukunft der Insel stattgefunden hat.
AFP/Alessandro Rampazzo
Welche Rolle spielt die Nato?
Um den Konflikt zu entschärfen, hatten sich mehrere Bündnisstaaten zuletzt für eine stärkere Präsenz des Bündnisses in der Region ausgesprochen. Im Gespräch ist dabei unter anderem der Start eines neuen Überwachungseinsatzes mit dem Namen «Arctic Sentry» (deutsch etwa: Wächter der Arktis). Dies wäre ein anderer Einsatz als der, über den Dänemark am Mittwoch Auskunft gab.
Trump lässt sich davon aber bislang nicht von seinem Weg abbringen. Die Nato könne nur dank der USA eine wirksame Abschreckung entfalten, schrieb der US-Präsident und fügte hinzu, das sei sein Verdienst durch die Stärkung der US-Streitkräfte während seiner ersten Amtszeit. Die Nato werde weitaus beeindruckender und effektiv mit einem von den USA gesteuerten Grönland.
Das Europäische Parlament verurteilte diese und vorherige Äusserungen der Trump-Regierung über Grönland als «inakzeptabel». Jeder Versuch, «die Souveränität und die territoriale Integrität Dänemarks und Grönlands zu untergraben, verstösst gegen das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen», teilte das EU-Parlament mit.
Trump besteht auf Grönland und warnt vor Russland und China
Ob das gefalle oder nicht: US-Präsident Donald Trump hat seinen Gebietsanspruch auf Grönland bekräftigt. «Denn wenn wir es nicht machen, werden Russland oder China Grönland einnehmen, und wir wollen Russland oder China nicht als Nachbarn haben», sagte der Republikaner am Freitag im Weissen Haus. Dafür würde er gerne einen Deal machen und kündigte an, dies notfalls auch «auf die harte Art und Weise» durchzusetzen, um Grönland zu verteidigen.