Militäreinsatz in VenezuelaTrump-Regierung lobt US-Medien für Zurückhalten von Infos
Von David Bauder, AP
6.1.2026
Protest vor dem Weissen Haus gegen den US-Militärschlag auf Venezuela, am 3. Januar 2026.
IMAGO/ABACAPRESS/Douliery Olivier
Mehrere Medien hielten Informationen zum US-Einsatz in Venezuela vorab zurück. Das rückt eine heikle Frage ins Zentrum: Wann schützt Schweigen Menschenleben – und wann beginnt gefährliche Nähe zwischen Macht und Medien?
Von David Bauder, AP
06.01.2026, 19:22
06.01.2026, 21:35
Gabriela Beck
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela dankte die Trump-Regierung mehreren Medien dafür, Informationen vorab zurückgehalten zu haben.
Aussenminister Marco Rubio begründete dies mit operativer Sicherheit und dem Schutz amerikanischer Soldaten.
Der Fall entfacht erneut die Debatte über Pressefreiheit, Verantwortung und die Grenzen staatlicher Einflussnahme auf Journalismus.
Nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela bekamen die Nachrichtenmedien von der Trump-Regierung etwas Seltenes zu hören: ein «Dankeschön». Aussenminister Marco Rubio würdigte Medien, die schon vorab vom Angriff am vergangenen Samstag erfahren hatten, der in der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro mündete, aber nicht gleich berichtet hatten, um die Mission nicht zu gefährden.
Rubios Anerkennung war besonders bemerkenswert. Denn schliesslich hatte etwa Pentagonchef Pete Hegseth geargwöhnt, dass man nicht darauf vertrauen könne, dass Journalisten sensibel mit vertraulichen Informationen umgehen könnten. Dies führte er auch als Argument für die Einführung von neuen restriktiven Presseauflagen für Reporter im Verteidigungsministerium an. Die meisten grossen Medienhäuser räumten lieber ihre Büros im Pentagon, als sich Hegseths Regeln zu beugen.
In «This Week», einer Sendung des Nachrichtenkanals ABC, sagte Rubio am Sonntag, dass die Regierung den Kongress nicht vorab über die Venezuela-Mission informiert habe, weil «es durchgesickert» wäre. «So einfach ist das.» Der Hauptgrund sei jedoch die operative Sicherheit gewesen. «Offen gesagt war bereits zu etlichen Medien durchgestochen worden, dass das bevorstand, und genau deshalb haben sie es zurückgehalten», erklärte Rubio. «Und dafür danken wir ihnen – ansonsten hätten Menschenleben verloren gehen können. Amerikanische Menschenleben.»
«New York Times» und «Washington Post» wussten Bescheid
Sowohl die «New York Times» als auch die «Washington Post» hätten im voraus vom Militäreinsatz erfahren, aber mit der Berichterstattung gewartet, um US-Militärpersonal nicht zu gefährden, meldete das Nachrichtenportal Semafor unter Berufung auf Personen, die in die Kommunikation zwischen der Regierung und Medienorganisationen eingeweiht gewesen seien. Repräsentanten beider Zeitungen wollten sich auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AP nicht dazu äussern.
Informationen über eine geplante Mission aus dem genannten Grund zurückzuhalten, sei für Nachrichtenorganisationen gängige Praxis, weiss Dana Priest, langjährige Reporterin für Themen rund um die nationale Sicherheit bei der «Washington Post». Auch nachträglich frage die «Post» Regierungsbehörden, ob die Veröffentlichung von bestimmten Details Menschen in Gefahr bringen könnte, ergänzt die erfahrene Journalistin, die heute an der Universität von Maryland lehrt.
Die meisten Amerikaner erfuhren am frühen Samstagmorgen von dem Angriff in Venezuela, als Präsident Donald Trump ihn nach dem Abschluss der Operation auf seiner Plattform Truth Social bekannt gab. Die AP hatte im Vorfeld zwar keine Kenntnis von dem Einsatz, doch hörten und beobachteten ihre Journalisten vor Ort Explosionen. Darüber berichtete die Nachrichtenagentur bereits mehr als zwei Stunden vor Trumps Mitteilung. Dass die USA dahinter steckten, wurde aber erst durch Trumps Post klar.
Klage gegen Hegseths neue Regeln
Als Hegseth im vergangenen Jahr seine neuen Regeln verteidigte, die die Bewegungsfreiheit und Berichterstattung von Reportern im Pentagon einschränken, sagte er im Interview des Senders Fox News: «Wir erwarten, dass Sie keine als geheim eingestuften oder sensiblen Informationen beschaffen.» Die «New York Times» reichte im Dezember Klage ein, um die Aufhebung dieser Regeln zu erreichen.
Der Entscheidung, ob Informationen publik gemacht werden sollen, die Menschen oder eine Mission gefährden könnten, gehen oft Gespräche auf hoher Ebene zwischen Redaktionen und Regierungsmitgliedern voraus. Expertin Priest betont jedoch, dass in einem Land mit Pressefreiheit das letzte Wort darüber, ob nun berichtet wird, bei dem jeweiligen Medienhaus liege.
Viele etablierte Reporter, die über Militär- und Sicherheitsthemen berichten, verfügten über umfangreiche Erfahrung im Umgang mit sensiblen Themen, sagt Priest. Es gebe jedoch einen Unterschied zwischen der Berichterstattung über Informationen, die jemanden in Gefahr bringen könnten, und solchen, die für eine Regierung lediglich peinlich seien.
«Reporter lassen sich nicht durch einen lächerlich weit gefassten Zensurerlass der Trump-Regierung abschrecken», betont Priest. «Sie werden sich festbeissen und noch härter arbeiten. Ihre Aufgabe ist es nicht, sich bei der Trump-Regierung beliebt zu machen. Ihre Aufgabe ist es, die Öffentlichkeit zu informieren.»
Videos zeigen US-Angriff auf Venezuela
Die USA haben militärische Ziele in Venezuela angegriffen. Aufnahmen aus dem südamerikanischen Land zeigen Explosionen und Rauch.