Ukraine in der KriseTrump rügt Selenskyj – politische Spannungen eskalieren
Samuel Walder
1.3.2025
Präsident Donald Trump hört während einer Kabinettssitzung im Weissen Haus in Washington am Dienstag zu.
KeystoneZ/Pool via AP
Während die Ukraine weiter gegen russische Angriffe kämpft, erleidet Präsident Selenskyj in Washington eine diplomatische Niederlage: Trump rügt ihn für angebliche Undankbarkeit – ein Affront mit weitreichenden Folgen.
Konflikt zwischen Selenskyj und Trump: Bei einem Treffen im Weissen Haus wurde der ukrainische Präsident öffentlich von Trump und Vizepräsident JD Vance wegen mangelnder Dankbarkeit kritisiert.
Spannungen zwischen den USA und der Ukraine: Während Kiew dringend Unterstützung benötigt, droht ein Zerwürfnis mit Washington, das die Ukraine politisch und militärisch schwächen könnte.
Unsichere Zukunft für Selenskyj: Der ukrainische Präsident steht vor der Herausforderung, das Verhältnis zu den USA zu reparieren, während der Krieg gegen Russland weiter eskaliert.
Es fühlte sich an, als würde der Himmel über Kiew gespalten. Inmitten anhaltender russischer Drohnen- und Raketenangriffe, die allein in den letzten zehn Tagen 47 Zivilisten das Leben kosteten, erschütterte ein politisches Beben die Ukraine: ein beispielloser Zusammenstoß zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump.
Während sich die Lage an der Front weiter zuspitzt, musste Selenskyj am Freitagabend im Weißen Haus eine öffentliche Demütigung über sich ergehen lassen. Vor laufenden Kameras wurde er von Trump und Vizepräsident JD Vance für angeblich mangelnde Dankbarkeit gerügt – eine Szene, die nicht nur in der Ukraine Wut, sondern auch in Europa Bestürzung auslöste.
Ein transatlantisches Zerwürfnis mit Folgen
Der ukrainische Präsident hatte sich eigentlich auf eine sachliche Verhandlung eingestellt – es sollte um einen Mineraliendeal gehen, ein wirtschaftlich wichtiger Vertrag für Kiew. Doch die Stimmung schlug unerwartet um: Vance, der meist bei internationalen Treffen still im Hintergrund bleibt, nutzte die Gelegenheit für eine politische Breitseite.
«Sie verhalten sich überhaupt nicht dankbar. Und das ist nicht nett», erklärte Trump später vor Journalisten – als wäre der Verlust Zehntausender ukrainischer Leben nicht bereits ein verzweifelter Beweis für den Kampfgeist und das Opfer der Ukraine.
Während auf ukrainischen Telegram-Kanälen Empörung laut wurde – «Lieber stehend sterben, als auf Knien betteln» – versuchten Offizielle in Kiew, Ruhe zu bewahren. Doch der Schock sass tief: Wurde der Ukraine gerade der Teppich unter den Füssen weggezogen?
Von Washington belehrt – von Russland bedroht
Die Szene im Oval Office offenbarte eine schmerzhafte Realität: Während für die Ukraine der Krieg blutige Realität ist, betrachten Trump und Vance ihn aus der Distanz – und zeigen dennoch kaum Verständnis für die verzweifelte Lage ihres Verbündeten.
«Wir können nichts tun, um das zu ändern», sagte ein hochrangiger US-Beamter über die zerrüttete Beziehung zwischen Washington und Kiew. Senator Lindsey Graham spekulierte gar, dass Selenskyj zurücktreten müsse, wenn er keine Lösung finde – eine brisante Aussage, die Moskau mit Sicherheit genau registriert.
Wie geht es für die Ukraine weiter?
Selenskyj steht vor einer unmöglichen Wahl:
Den Bruch mit Trump heilen, obwohl er öffentlich bloßgestellt wurde. Ohne die USA überleben, was angesichts des andauernden Krieges kaum realistisch erscheint. Zurücktreten – eine Möglichkeit, die Russland begrüßen würde, aber die Stabilität der Ukraine massiv gefährden könnte.
Doch in Kiew bleibt die Haltung trotz allem klar. Ein ukrainischer Zivilist brachte es auf den Punkt:
«Würde ist auch ein Wert. Wenn Russland sie nicht zerstören kann, warum glauben die USA dann, dass sie es können?»