Trump stellt Politik auf den KopfUSA wollen russisch besetzte Gebiete in der Ukraine offenbar anerkennen
Sven Ziegler
28.11.2025
Trump will Putin offenbar nun auch definitiv die Hand reichen.
Jae C. Hong/AP/dpa
Laut einem Bericht des «Telegraph» sollen die USA unter Präsident Trump bereit sein, Russlands Kontrolle über besetzte ukrainische Regionen anzuerkennen. Der Vorstoss sorgt in Europa für erhebliche Unruhe.
Die USA sind laut einem Bericht des «Telegraph» bereit, eine jahrzehntelange diplomatische Grundregel zu brechen: Demnach hat die Regierung von US-Präsident Donald Trump Moskau signalisiert, dass Washington bereit wäre, russische Kontrolle über mehrere besetzte ukrainische Gebiete anzuerkennen – darunter die Krim sowie Teile der Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja. Das Angebot soll Teil eines weitreichenden Friedensplans sein, den Trump seit Monaten vorantreibt.
Wie die Zeitung schreibt, reisten Trumps Sondergesandter Steve Witkoff sowie sein Schwiegersohn Jared Kushner nach Moskau, um Präsident Wladimir Putin den Vorschlag persönlich zu überbringen. Der Schritt wäre ein radikaler Bruch mit der bisherigen US-Aussenpolitik und sorgt in europäischen Hauptstädten für erhebliche Verunsicherung. Ein Informant des «Telegraph» wird mit den Worten zitiert: «Es ist zunehmend klar, dass die Amerikaner nicht auf die europäische Position achten. Sie sagen, Europa könne tun, was es wolle.»
Der ursprüngliche Friedensplan umfasste 28 Punkte. Darin boten die USA Moskau eine «faktische Anerkennung» der russischen Besatzung in mehreren Regionen an. Nach Krisengesprächen zwischen ukrainischen und US-Delegationen in Genf wurde das Dokument zwar auf 19 Punkte reduziert – doch laut mehreren Quellen blieb die entscheidende Passage zu möglichen Anerkennungen bestehen.
Ukraine lehnt Verzicht konsequent ab
Für die Ukraine kommt ein formaler Verzicht auf eigenes Territorium nicht infrage. Präsident Wolodymyr Selenskyjs Stabschef Andrij Jermak sagte dem Magazin «The Atlantic»: «Kein vernünftiger Mensch würde ein Dokument unterschreiben, das Land aufgibt.» Die ukrainische Verfassung verbietet territoriale Abtretungen ohne eine landesweite Volksabstimmung.
In Europa wächst der Widerstand. Eine Gruppe williger Staaten bekräftigte am Mittwoch erneut, dass Grenzen nicht mit Gewalt verschoben werden dürften. Ein Gegenpapier aus EU-Kreisen empfiehlt, territoriale Fragen erst nach einer vollständigen Waffenruhe zu behandeln – ohne jegliche Anerkennung russischer Gebietsansprüche.
Europa zeigt sich alarmiert
Dass Washington diese Linie offenbar verlassen will, alarmiert diplomatische Kreise. Die USA hatten selbst nach der Annexion der Krim 2014 nie über eine Anerkennung nachgedacht. Nun wäre ein Präzedenzfall geschaffen, der weltweit Signalwirkung hätte.
Der neue Sicherheitsstrategieplan des Kreml zeigt, wie weit Moskau gehen will. Putin kündigt darin an, die besetzten Regionen binnen eines Jahrzehnts vollständig in russische Strukturen zu integrieren. Rückzugsgedanken habe der Kreml nie entwickelt, schreibt der «Telegraph».
Gleichzeitig sorgen veröffentlichte Telefongespräche für neue Irritationen. Darin soll Trumps Chefunterhändler Witkoff russischen Vertretern Ratschläge gegeben haben, wie sie im Weissen Haus Sympathien gewinnen könnten – unter anderem mit der Forderung, dass die Ukraine Donezk aufgebe. Sicherheitsexperten vermuten, dass eine europäische Behörde die Mitschnitte veröffentlichte, um die Nähe zwischen Witkoff und Moskau offenzulegen.