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Trump arbeitet an einem Zweiertreffen Putins mit Selenskyj.
Alex Brandon/AP/dpa
Vor dem Gipfel in Washington befürchteten Europas Staats- und Regierungschefs ein Fiasko. Mit Schmeicheleien, Inszenierungen und einem Deal gelang es ihnen jedoch, Donald Trump bei Laune zu halten – wenn auch ohne Garantie auf dauerhafte Ergebnisse.
Vor dem Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj im Weissen Haus war die Nervosität in Europa gross. Nach dem Alaska-Treffen mit Wladimir Putin hatte Trump demonstrativ auf die russische Linie eingeschwenkt. Viele europäische Regierungschefs fürchteten, Washington könnte Kiew nun endgültig fallenlassen.
Umso sorgfältiger wurde Selenskyj auf seinen Auftritt vorbereitet, wie «Politico» berichtet. Europäische Diplomaten hatten ihm geraten, Trump nicht erneut durch Nebensächlichkeiten zu provozieren – wie im Februar, als eine Diskussion über seinen Pullover die Stimmung kippen liess.
Diesmal erschien der ukrainische Präsident in Schwarz, mit einer formelleren Jacke. Trumps Kommentar: «Ich liebe es. Sehen Sie sich das an.» Der erste Test war bestanden.
Selenskyj nutzte das Auftakttreffen, um Trump einen Brief seiner Frau zu überreichen – angelehnt an ein ähnliches Vorgehen Trumps beim Treffen mit Putin. Inhaltlich ging es um ukrainische Kinder, die von Russland verschleppt worden waren. Damit lenkte Selenskyj Trumps Aufmerksamkeit auf ein menschlich-emotionales Thema, das der US-Präsident kaum herunterspielen konnte, ohne gegen seine eigene Ehefrau zu argumentieren.
Als später auch Bundeskanzler Friedrich Merz, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie Nato-Generalsekretär Mark Rutte dazukamen, zeigte sich, wie genau die Auftritte abgestimmt waren. Meloni und Rutte lobten Trump überschwänglich, Merz übernahm die Rolle des nüchternen Mahners und sprach klar die Forderung nach einem Waffenstillstand an. Und: Die europäischen Führungsfiguren bedankten sich praktisch am Laufmeter für den «tollen Einsatz», den Trump leiste. Trump wich zwar aus, reagierte aber ungewöhnlich gelassen – ein Eklat wie im Februar blieb aus.
Während vertraulicher Gespräche drang nach aussen, dass die Ukraine Waffen im Wert von 100 Milliarden Dollar in den USA kaufen will. Im Gegenzug soll Trump Sicherheitsgarantien für die Zeit nach einem Friedensschluss zugesagt haben. Für Trump war das gleich doppelt attraktiv: Er konnte sich als Geschäftsmann präsentieren – und gleichzeitig den Widerstand in seiner eigenen Partei abfedern, da er den Deal als Vorteil für die USA verkaufen konnte.
Am Ende stand ein gemeinsames Dinner, das zuvor gar nicht geplant war – ein Symbol dafür, dass die Inszenierung der Europäer aufging. Die New York Times sprach von einer «Masterclass der Diplomatie».
Ob der Balanceakt aber mehr war als bloss ein Aufschub des nächsten Eklats, ist offen. Bei Trump gilt: Er folgt oft dem, der ihn zuletzt beeindruckt hat – am Freitag war es Putin, nun sind es die Europäer.