Affäre um SexualstraftäterTrump unterschreibt Gesetz zur Freigabe von Epstein-Akten – was bedeutet das?
SDA
20.11.2025 - 04:55
Aktivisten installieren an einer Bushaltestelle nahe der US-Botschaft in London ein Poster, das US-Präsident Donald Trump mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zeigt. (17. Juli 2025)
Bild:Keystone/AP Photo/Thomas Krych
Der Druck auf den US-Präsidenten wurde zu gross – nun hat er die Veröffentlichung von Akten zu einem Fall genehmigt, den er nicht loswurde. Was das bedeutet.
Keystone-SDA
20.11.2025, 04:55
20.11.2025, 05:13
SDA
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
US-Präsident Donald Trump hat ein Gesetz zur Veröffentlichung der Akten zu dem als Sexualstraftäter verurteilten Millionär Jeffrey Epstein unterzeichnet.
Beide Kongresskammern stimmten der Gesetzesvorlage zu, die am Mittwoch an Trump übergeben wurde.
Nach der Unterzeichnung hat das Justizministerium nun 30 Tage Zeit, die Akten sowie alle Informationen über die Untersuchung von Epsteins Tod in einem Bundesgefängnis im Jahr 2019 vorzulegen.
Das Gesetz erlaubt Schwärzungen zum Schutz von Epsteins Opfern und bei laufenden Bundesermittlungen, untersagt dem Justizministerium jedoch, Informationen wegen «Peinlichkeit, Rufschädigung oder politischer Sensibilität» zurückzuhalten.
Mit der Freigabe beugte sich Trump dem politischen Druck aus der eigenen Partei.
Er hatte sich lange gewehrt, jetzt hat sich US-Präsident Donald Trump dem Druck des US-Parlaments gebeugt: Der Republikaner unterschrieb ein Gesetz zur Freigabe von Ermittlungsakten zum Fall des gestorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein.
Das teilte der Republikaner auf der Plattform Truth Social mit – nachdem zuvor das Repräsentantenhaus und der Senat den Gesetzentwurf gebilligt hatten. Innerhalb von 30 Tagen soll nun das Justizministerium die Dokumente veröffentlichen. Ob das wirklich die Aufklärung bringt, die sich viele Amerikaner erhoffen, bezweifeln Kritiker allerdings.
Bild:Screenshot Truth Social/Donald Trump
Um was geht es beim Epstein-Fall?
Der Finanzier Epstein aus New York war über viele Jahre Teil der High Society und in einflussreichen Kreisen vernetzt. Der Multimillionär betrieb einen Missbrauchsring. Viele junge Frauen, darunter Minderjährige, waren Opfer. Epstein verging sich auch selbst an ihnen.
Vor fast 20 Jahren landete der Fall vor Gericht, und Epstein bekannte sich zu bestimmten Vorwürfen schuldig. Jahre später wurde der Fall nochmals aufgerollt und der Multimillionär erneut festgenommen. Noch bevor ein mögliches weiteres Urteil gefällt werden konnte, starb der Finanzier 2019 mit 66 Jahren in seiner Gefängniszelle. Im Obduktionsbericht wurde Suizid als Todesursache genannt.
Epsteins plötzlicher Tod und seine vielfältigen Kontakte in die Welt der Reichen und Mächtigen lösten Spekulationen über die mögliche Verwicklung einflussreicher Kreise aus. Auch Trump verbrachte Zeit mit Epstein, wie Party-Videos belegen. Die Enthüllungen über den Missbrauchsskandal brachten auch den britischen Prinzen Andrew in Verruf, der Kontakt zu Epstein pflegte und jüngst seine Adelstitel abgeben musste.
Laut Gesetz soll das Justizministerium nicht als geheim eingestufte Epstein-Akten spätestens 30 Tage nach Inkrafttreten veröffentlichen. Spätestens Mitte Dezember müsste das also passieren.
Im Fokus stehen Unterlagen des US-Justizministeriums, der Staatsanwaltschaft und der Bundespolizei FBI, die die Ermittlungen gegen Epstein dokumentieren und Informationen zu seiner Haft enthalten. Auch im Fokus:
• Akten zu Epsteins einstiger Vertrauten und Komplizin Ghislaine Maxwell. Sie wurde im Zuge des Skandals verurteilt und sitzt im Gefängnis. • Flugprotokolle des Privatjets Epsteins mit Passagierlisten. • Dokumente zu Unternehmen, gemeinnützigen Organisationen und staatlichen Stellen, die möglicherweise Verbindungen zu Epstein hatten. • Infos zu möglicher Aktenvernichtung • Belege für die genauen Todesumstände Epsteins
Opfer und Politiker erhoffen sich durch die Veröffentlichung mehr Antworten und Erkenntnisse über den systematischen Missbrauch. Die republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene kündigte jüngst an: «Ich will jeden einzelnen Namen veröffentlicht sehen, so dass diese Frauen nicht mehr in Angst und Einschüchterung leben müssen.» Neben mehr Transparenz dürfte es den Opfern vor allem darum gehen, endlich ernst genommen zu werden.
Wird der Epstein-Skandal damit komplett aufgedeckt?
Kritiker bezweifeln das. Im Gesetz werden Trumps Justizministerium Sonderrechte einräumt. So dürfen Informationen zurückgehalten oder geschwärzt werden, «wie beispielsweise personenbezogene Daten von Opfern und Materialien, die eine laufende Untersuchung des Bundes gefährden würden». Auch Inhalte, die die nationale Sicherheit gefährden und als geheim eingestuft werden, müssen damit nicht veröffentlicht werden.
Das Justizministerium hatte erst vor ein paar Tagen neue Ermittlungen veranlasst. Trump hatte zuvor das Justizministerium darum gebeten, Epsteins Verbindungen und Beziehungen unter anderem zum früheren US-Präsidenten Bill Clinton, ein Demokrat, anderen Personen und Firmen zu untersuchen. Das könnte laut Kritikern dazu führen, dass durch diese Ermittlungen einige Akten nicht freigegeben werden müssen.
Wurden bereits zuvor Informationen veröffentlicht?
Ja, in der Affäre wurden bereits ausschnittsweise Dokumente und Informationen veröffentlicht. Ein Parlamentsausschuss hatte beispielsweise Anfang September eine mehr als 33.000 Seiten grossen Dokumentensammlung veröffentlicht. Das Justizministerium hatte die Dateien zur Verfügung gestellt. Demokraten kritisierten allerdings, dass die meisten der Dokumente bereits bekannt waren.
Der Parlamentsausschuss prüft aktuell auch Epsteins Nachlass. Mehrfach veröffentlichten Kongressmitglieder zuletzt Dokumente daraus. Jüngst machten Demokraten etwa E-Mail-Auszüge daraus publik, in denen Trumps Name auftaucht. Das löste neue Spekulationen darüber aus, ob und wie viel der Republikaner von Epsteins Straftaten wusste.
Wegen der breiten Kontakte Epsteins in die amerikanische High Society gibt es viele Spekulationen über eine mögliche Verwicklung einflussreicher Kreise in den Missbrauchsskandal.
Spekulationen über Trumps konkrete Verstrickungen in der Affäre waren in der Vergangenheit immer wieder hochgekocht. So hatten die Demokraten etwa Anfang September eine Kopie eines angeblichen Geburtstagsgrusses ins Netz gestellt, den Trump vor mehr 20 Jahren an Epstein geschickt haben soll. Der Republikaner bestritt, Urheber des Schreibens zu sein.
Die US-Regierung hatte alles versucht, um Trump von dem Epstein-Thema fernzuhalten. Auf Fragen von Journalisten reagierte der Präsident oftmals barsch – er unterstellte den Medien, dass mit Falschnachrichten seine Erfolge kleingeredet werden sollten. Als sich abzeichnete, dass es Zustimmung im Parlament geben würde, schwenkte Trump dann um. Er verhinderte dadurch, dass seine eigene Partei, die Republikaner, sich gegen sein Wort stellte, was eine Blamage für ihn gewesen wäre.
Vor seinem Wahlsieg im November 2024 hatte Trump versprochen, die Epstein-Akten vollständig offenzulegen. Seit seinem Amtsantritt im Januar hat er dieses Versprechen aber nicht eingelöst, weswegen der Druck auf Trump zunahm – auch innerhalb seiner eigenen Partei. Neben vielen Demokraten und Opfern Epsteins forderten zuletzt auch einige Republikaner die Freigabe aller Akten und volle Transparenz. Hätten die Republikaner sich weiter gesperrt, hätten sie riskiert, bei den Kongresswahlen 2026 vom Wähler bestraft zu werden.
Kritiker monieren, dass die Veröffentlichung der Ermittlungsakten nun den Gesetzgebungsprozess durchlaufen musste. Trump hätte die Freigabe auch so anordnen können, bemängelten sie. Das hätte den Prozess erheblich beschleunigt und die Abstimmungen in beiden Kongresskammern – Repräsentantenhaus und Senat – überflüssig gemacht.
Trump will Epstein-Akten nach Kongressbeschluss freigeben
STORY: Mit 424 zu 1 stimmte das US-Repräsentantenhaus am Dienstag für die Freigabe der sogenannten Epstein-Akten. Demokratische wie republikanische Abgeordnete sprachen sich dafür aus, Unterlagen über den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nancy Mace, Republikanerin aus South Carolina «Und bei diesem Kampf und dieser Abstimmung heute Abend geht es um die Opfer von Epstein, aber auch um viel mehr. Es geht darum, dass die Machtlosen den sehr Mächtigen die Macht entreissen.» Jim McGovern, Demokrat aus Massachusetts «Zunächst möchte ich sagen, wie sehr ich den Mut meiner republikanischen Kollegen bewundere, die heute hier neben mir stehen. Mr. Speaker, letztendlich geht es hier nicht um uns und es geht auch nicht um Politik. Es geht um die Überlebenden, junge Mädchen, die von mächtigen Männern ausgebeutet wurden." Kurz nach dem Abgeordnetenhaus billigte auch der US-Senat die Freigabe. Damit liegt die Vorlage nun bei Donald Trump zur Unterschrift. Auf die Frage einer Journalistin des US-Fernsehsenders ABC zu dem Thema reagierte der US-Präsident am Dienstag wütend. «Sie sind total überdreht, jemand bei ABC hat Sie aufgedreht. Sie sind ein schrecklicher Mensch und eine schreckliche Reporterin. Was die Epstein-Akten angeht, so habe ich nichts mit Jeffrey Epstein zu tun. Ich habe ihn vor vielen Jahren aus meinem Club geworfen, weil ich ihn für einen kranken Perversen hielt. Aber ich glaube, ich hatte Recht», sagte Trump und forderte, der Sender der Journalistin solle seine Lizenz verlieren. Der besonders unter Wohlhabenden und Prominenten gut vernetzte Epstein soll Minderjährige sexuell missbraucht und an Bekannte weitervermittelt haben. Er wurde 2019 im Gefängnis tot aufgefunden, was als Selbstmord eingestuft wurde. Trump hatte die Debatte bislang als eine Verleumdungskampagne der Demokraten abgetan und das Justizministerium angewiesen, stattdessen Verbindungen prominenter Demokraten zu Epstein zu untersuchen. Gegen eine Veröffentlichung hatte sich der US-Präsident lange gewehrt, bevor er am Wochenende nach wachsendem Druck aus seiner eigenen Partei seine Haltung änderte.