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Die Liste, an der Beamte im Vorfeld des Besuchs von Nato-Generalsekretär Mark Rutte (l.) in Washington in diesem Monat arbeiteten, enthält eine Übersicht über die Beiträge der Mitglieder zum Bündnis.
KEYSTONE/Evan Vucci (Archivbild)
Die US-Regierung erstellt eine «Brav-oder-unartig»-Liste und bewertet Nato-Partner nach ihrer Unterstützung. Indessen setzt Washington Verbündete mit empfindlichen sicherheitspolitischen Folgen unter Druck.
Keine Unterstützung für den Iran-Krieg? Zu wenig Militärausgaben? Die US-Regierung führt offenbar eine interne «Brav-oder-unartig» -Liste über Nato-Verbündete. Dies berichtet «Politico» unter Berufung auf mehrere europäische Diplomaten sowie einen US-Verteidigungsbeamten. Demnach drohen Konsequenzen für NATO-Partner, die US-Militärvorhaben – insbesondere im Iran-Konflikt – nicht unterstützt haben.
Die Liste unterscheidet zwischen «vorbildlichen» und «weniger kooperativen» Verbündeten und basiert unter anderem auf Verteidigungsausgaben sowie militärischer Unterstützung. Konkrete Massnahmen sind bislang unklar, diskutiert werden jedoch Anpassungen bei Truppenstationierungen, Militärübungen oder Rüstungskooperationen.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte bereits im Dezember 2025 angekündigt, engagierte Partner künftig zu bevorzugen. Staaten wie Polen oder die baltischen Länder könnten profitieren, während andere mit Nachteilen rechnen müssen. In Europa wächst die Sorge, dass der Vorstoss das ohnehin angespannte Bündnis weiter belastet.
Im Zentrum der Überlegungen stehen offenbar auch mögliche Truppenverlegungen innerhalb Europas. Ein Abzug aus einzelnen Ländern gilt zwar als schwierig und kostspielig, doch könnten US-Einheiten gezielt in Staaten verlegt werden, die sich kooperativer zeigen.
Während Verbündete wie Grossbritannien und Frankreich US-Hilfeersuchen entweder ablehnten oder verzögerten, gestatteten Rumänien und mehrere kleinere Staaten den USA die Nutzung ihrer Luftwaffenstützpunkte. Auch Bulgarien unterstützte stillschweigend die amerikanische Logistik im Nahen Osten. Spanien hatte sich bereits mit der Trump-Regierung angelegt, weil es sich beim NATO-Gipfel in Den Haag im vergangenen Jahr gegen das 5-Prozent-Ziel für Verteidigungsausgaben ausgesprochen hatte.
Zugleich stösst der Kurs in den USA selbst auf Kritik. Mitglieder des Kongresses warnen vor den politischen und strategischen Risiken eines härteren Umgangs mit Verbündeten. Auch frühere Regierungsvertreter bezweifeln, dass Washington in der aktuellen geopolitischen Lage die Kapazitäten hat, einen weiteren Konflikt mit europäischen Partnern zu riskieren.