Da schien ihr Verhältnis noch besser: Anfang März empfängt Trump (r.) den Kanzler im Weissen Haus.
Bild:Keystone/AP Photo/Mark Schiefelbein
Das Verhältnis zwischen Kanzler Merz und US-Präsident Trump galt lange Zeit als gut. Jetzt schlagen die beiden andere Töne an – und einer von ihnen spricht eine Drohung aus.
Keystone-SDA
30.04.2026, 05:10
30.04.2026, 07:54
SDA
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Offenbar will US-Präsident Donald Trump den deutschen Kanzler Friedrich Merz für dessen kritische Töne zum Irankrieg abstrafen.
Washington prüfe eine Truppenreduzierung in Deutschland, sagt Trump.
Eine Entscheidung solle in Kürze getroffen werden, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.
Die Ankündigung folgt auf Trumps deutliche Kritik am deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz, weil dieser sich kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäussert hatte.
Fast 40'000 US-Soldaten sind in Deutschland stationiert.
Die USA prüfen nach Aussage von Präsident Donald Trump eine mögliche Reduzierung ihrer Truppen in Deutschland. Eine Entscheidung solle in Kürze getroffen werden, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.
Screenshot Truth Social
Die Ankündigung folgt auf Trumps deutliche Kritik am deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz, weil dieser sich kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäussert hatte. «Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!», hatte Trump am Dienstag auf Truth Social mit Blick auf den CDU-Vorsitzenden geschrieben. Es sei kein Wunder, «dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!». Er warf dem Kanzler vor, damit einverstanden zu sein, dass der Iran über Atomwaffen verfüge.
Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) mit einer Reduzierung des Truppenkontingents in Deutschland gedroht. Damals hatte er einige Monate vor seinem Abschied aus dem Weissen Haus angekündigt, er wolle 12'000 der damals rund 35'000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Mehrere Tausend davon sollten innerhalb von Europa verlegt werden, andere in die USA zurückkehren. Trump beschrieb das Vorhaben damals als Strafe für die aus seiner Sicht zu geringen deutschen Militärausgaben. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte die Pläne dann nach seinem Amtsantritt.
Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86'000 Soldaten in Europa stationiert – davon rund 39'000 in Deutschland. Die Zahl verändert sich regelmässig, auch wegen Rotationen und Übungen.
Die US-Truppen galten in der Zeit des Kalten Krieges als Sicherheitsgarant für die Bundesrepublik und sind zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Regionen rund um die Stützpunkte geworden. Tausende Ortskräfte werden vom US-Militär beschäftigt, daneben hängen vor allem in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern Tausende weitere Arbeitsplätze von den US-Truppen ab.
Allein der riesige Luftwaffenstützpunkt Ramstein bei Kaiserslautern mit der grössten US-Militärgemeinde ausserhalb der Vereinigten Staaten generiert Schätzungen zufolge jedes Jahr Hunderte Millionen Euro an Löhnen, Gehältern, Mieten und Aufträgen in der regionalen Wirtschaft. Nahe dem Stützpunkt entsteht zurzeit das grösste US-Militärkrankenhaus ausserhalb der USA.
In Europa gibt es seit Jahrzehnten Dutzende grosse US-Militärstützpunkte, die bei den weltumspannenden Einsätzen der Amerikaner – etwa im Nahen Osten – von enormer Bedeutung sind. Sie dienen der Stationierung von Truppen, Waffen, Schiffen und Flugzeugen, Drohnen werden von dort aus gesteuert und auch Verletzte versorgt. In Deutschland gibt es neben dem den Flugplatz Ramstein in Rheinland-Pfalz etwa das US-Oberkommando für Europa (EUCOM) in Stuttgart.
Der US-Kongress beschloss Ende 2025 einen Sicherheitsmechanismus, demzufolge die Gesamtzahl der Streitkräfte, die dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europa-Kommandos sind, nicht länger als 45 Tage unter 76'000 liegen darf. Danach müssten bestimmte Berichtswege eingehalten werden, um eine Verringerung anzustrengen.
Noch im März hatte Trump dem Bundeskanzler nach dessen Angaben zugesagt, dass die USA an ihrer Truppenpräsenz in Deutschland festhalten wollten. «Das ist eine gute Nachricht, die ich aber auch anders nicht erwartet habe», sagte der CDU-Vorsitzende in Washington nach einem Treffen mit Trump.
Angesichts der kritischen Grundhaltung Trumps gegenüber den Europäern als langjährigen Verbündeten war zuvor spekuliert worden, dass der Präsident US-Soldaten auch aus Deutschland abziehen könnte. Ob Trump zusagte, dass das US-Kontingent auch in voller Truppenstärke erhalten bleibe, sagte Merz nicht.
Im Sommer vergangenen Jahres - bei einem früheren Besuch des Kanzlers in Washington - machte Trump Deutschland Hoffnung, die Zahl der dort stationierten US-Soldaten nicht zu reduzieren. Auf die Frage einer Reporterin, ob er die US-Truppen in Deutschland belassen werde, sagte er: «Ja, wir werden darüber reden.» Wenn Deutschland die amerikanischen Soldaten dort haben wolle, sei er dazu bereit. «Ja, das werden wir tun. Das ist kein Problem.»
Wie es um das Verhältnis von Merz und Trump bestellt ist
Nimmt man Trumps jüngste Äusserungen zum Massstab, scheint das persönliche Verhältnis zu Merz an einem Tiefpunkt angelangt zu sein. Merz trat diesem Eindruck am Mittwoch entgegen. «Das persönliche Verhältnis zwischen dem amerikanischen Präsidenten und mir ist – jedenfalls aus meiner Sicht – unverändert gut», sagte er. «Wir sind nach wie vor in guten Gesprächen miteinander.»
Warum Merz die US-Regierung kritisierte
Über Monate pflegten der Bundeskanzler und der US-Präsident ein recht gutes Verhältnis zueinander. Zuletzt stimmte Merz allerdings einen neuen Ton an und kritisierte die Regierung in Washington öffentlich. So warf er ihr vor, keine Exit-Strategie für den Iran-Krieg zu haben. «Weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben», sagte er bei einer Diskussion mit Schülern in Marsberg im Sauerland.
«Das Problem bei solchen Konflikten ist immer: Da muss man ja nicht nur rein, da muss man auch wieder raus. Das haben wir ganz schmerzhaft bei Afghanistan gesehen, 20 Jahre lang. Wir haben das im Irak gesehen», sagte der Bundeskanzler weiter. Die Amerikaner seien im Iran «ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen». Deshalb sei es umso schwerer, den Konflikt nun wieder zu beenden. «Zumal die Iraner offensichtlich sehr geschickt verhandeln - oder eben sehr geschickt nicht verhandeln», sagte Merz. «Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung.»
Trump ist auch auf andere Europäer nicht gut zu sprechen
Merz ist nicht der erste Spitzenpolitiker in Europa, den Trump massiv attackiert. So sind auch der britische Premierminister Keir Starmer und der französische Präsident Emmanuel Macron bei dem Republikaner in Ungnade gefallen. Zuletzt krachte es nach der Kritik des US-Präsidenten am Papst sogar zwischen ihm und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Kanzler Merz: Trump für «massive Eskalation» im Iran-Krieg verantwortlich
Frankfurt/Main, 27.03.26: Bei seinem Besuch im Weissen Haus hat sich Kanzler Friedrich Merz Anfang des Monats noch ganz gut mit US-Präsident Donald Trump verstanden – jetzt wird das Verhältnis der beiden Tag für Tag konfrontativer.
«Was Trump da im Augenblick macht, ist nicht Deeskalation und der Versuch, da eine friedliche Lösung hinzubekommen, sondern eine massive Eskalation mit offenem Ausgang», sagt er mit Blick auf das Vorgehen des US-Präsidenten im Iran-Krieg.
Und weiter: «Das sind Eskalationen, die schon bedrohlich sind. Nicht nur für die Betroffenen, sondern für uns alle.»
Zuvor hatte US-Präsident Trump Deutschland wegen der ausbleibenden Hilfe bei der Sicherung der Strasse von Hormus kritisiert. Er habe es als «unangemessen» empfunden, dass von deutscher Seite geäussert worden sei: «Das ist nicht unser Krieg.»