Epstein-AffäreTrump-Vertrauter Bannon pflegte Kontakt zu Jeffrey Epstein
Jan-Niklas Jäger
14.11.2025
Steve Bannon (r.) hat Donald Trump ewige Treue geschworen.
Getty Images
Trump unter Druck: Schon bald könnte es zu einer Abstimmung über die Freigabe der Epstein-Akten kommen. Nun wurde ein Austausch Epsteins mit dem früheren MAGA-Strategen Steve Bannon öffentlich gemacht.
Der Druck auf US-Präsident Donald Trump in der Epstein-Affäre wächst.
Zuletzt wurden E-Mails veröffentlicht, in denen Epstein Trump als Mitwisser belastet.
Nun ist bekannt geworden, dass Trumps ehemaliger Chefstratege Steve Bannon noch 2018 mit Epstein in Kontakt stand.
Bannon gilt als Architekt der MAGA-Bewegung.
Nächste Woche könnte das Repräsentantenhaus bereits darüber abstimmen, ob das Justizministerium dazu verpflichtet wird, die Epstein-Akten zu veröffentlichen.
Die Epstein-Affäre spitzt sich weiter zu. Auslöser ist ausgerechnet das Ende des Shutdowns. Dieser hat keine direkte Verbindung zu dem Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, der Beziehungen zu zahlreichen Schlüsselfiguren der US-Politik und -Wirtschaft pflegte, zeitweise auch zu US-Präsident Donald Trump.
Nach dem Ende des Shutdowns wurde jedoch – mit zweimonatiger Verspätung – die Vereidigung der demokratischen Abgeordneten Adelita Grijalva im US-Repräsentantenhaus nachgeholt. Und Grijalva setzte prompt ihren Namen auf eine gemeinsame Petition des Demokraten Ro Khanna und des Republikaners Thomas Massie.
Damit sind die 218 benötigten Unterschriften erreicht, um eine Abstimmung über ein Gesetz zu erzwingen, welches das Justizministerium dazu zwingen würde, alle Unterlagen im Fall Epstein – die sogenannten Epstein-Akten – zu veröffentlichen. Schon nächste Woche könnte es dazu kommen.
Epstein als Medien-Coach für den MAGA-Architekten
Zeitgleich hat die Aufsichtskommission des Repräsentantenhauses eine weitere Verbindung Epsteins zu einem Vertrauten Trumps offengelegt: Steve Bannon. Demnach stand Bannon, der zu den Architekten der MAGA-Bewegung gehört, die für Trumps zweimaligen Aufstieg in das mächtigste Amt der Welt massgeblich mitverantwortlich ist, mit Epstein im August 2018 via Textnachrichten in Kontakt.
Im August des Vorjahres war Bannon von Trump als dessen Berater entlassen worden. Ob es sich bei dem Austausch über sechs Tage nur um einen Auszug aus einer längeren Korrespondenz handelt, ist nicht bekannt.
Die freigegebenen Textnachrichten dokumentieren einen Austausch Bannons mit Epstein vom 17. zum 23. August 2018. Offenbar hat sich der politische Stratege in dieser Zeit von Epstein für anstehende Medienauftritte coachen lassen.
Epstein klagte Bannon sein Leid
So gratuliert Epstein Bannon zu einem gelungenen Auftritt beim liberalen TV-Sener MSNBC. Er habe kurz gedacht, aus Versehen beim Eiskunstlauf eingeschalten zu haben, weil Bannon so adrett ausgesehen habe, scherzt er an einer Stelle. Als der erwähnt, das sei sein «Komm-hierher»-Look, scherzt Epstein erneut: «Besser als dein Komm-Hitler-Look».
Epstein äussert in dem Austausch ausserdem seinen Frust mit ehemaligen Weggefährt*innen, die sich von ihm abwenden würden. Namentlich erwähnt er Steven Hoffenberg, ein verurteilter Trickbetrüger, der lange als Epsteins Mentor galt.
«Da ist so ein Typ, total verrückt, der nach 20 Jahren aus dem Gefängnis ist und mir Briefe schickt», entrüstet sich Epstein gegenüber Bannon. «Will eine Milliarden Dollar. Keine echte Bedrohung, nur ein weiteres Ärgernis.»
Hoffenberg, der 2022 unter ungeklärten Umständen verstorben ist, gab bis zum Ende seines Lebens an, Epstein sei der «wahre Architekt» hinter dem Betrug gewesen, für den er einsass.
Treffen unter Sicherheitsvorkehrungen
Auch die Verabredung zu einem persönlichen Treffen zwischen Epstein und Bannon wird in der veröffentlichten Korrespondenz dokumentiert. Auffällig ist, wie sehr Bannon sich darüber sorgt, mit dem Sexualstraftäter gesehen zu werden. «Gibt es einen anderen Zugang als die Vordertür?», fragt er. «Sie beobachten dich gerade zu jeder Tageszeit.»
«Es gibt einen Hintereingang», beschwichtigt Epstein seinen Gesprächspartner. Dieser sei «supersicher». «Jemand kann sich mit dir treffen und dich rein begleiten.» Damit gab sich Bannon zufrieden.
Für Donald Trump kommt die Veröffentlichung der Kommunikation zwischen Epstein und einem seiner ehemals wichtigsten Strategen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Innerhalb seiner Partei mehren sich kritische Stimmen im Bezug auf den Umgang des Präsidenten mit der Epstein-Affäre.
Zuletzt wurde der Präsidenten durch von Demokraten in der Aufsichtskommission veröffentlichte E-Mails belastet, laut denen Epstein gesagt haben soll, dass Trump «natürlich von den Mädchen» gewusst habe. Ausserdem habe er mit einem der Mädchen «Stunden verbracht».
Druck auf Trump wächst
Epstein und Trump traten vor allem zwischen 1997 und 2000 gemeinsam öffentlich auf, 2004 kam es zu einem Bruch in der Beziehung. 2007 liess Trump Epstein aus seinem Privatclub Mar-a-Lago werfen.
Zeitgenössischen Berichten zufolge soll Epstein die Tochter eines Clubmitglied belästigt haben, im Juli 2025 sagte Trump, der Rauswurf erfolgte, nachdem Epstein Mitarbeiterinnen des Clubs abzuwerben versucht habe.
In seinem Wahlkampf hatte Trump versprochen, die Epstein-Akten zu veröffentlichten und legte nahe, vor allem die Demokraten würden unter einem solchen Schritt leiden. Neben Trump selbst ist auch eine Beziehung Bill Clintons zu Epstein dokumentiert. So beteiligten sich beide an einem grossen Geburtstagsgeschenk für den damaligen Finanzmogul – mit persönlichen Gratulationen.
Zuletzt erhöhte Trump den Druck auf republikanische Kritiker*innen seines Umgangs mit den Epstein-Akten. Neben Initiator Thomas Massie haben die Politikerinnen Marjorie Taylor Greene, Lauren Boebert und Nancy Mace die Petition unterschrieben. Trump suchte daraufhin das Gespräch mit Boebert und Mace. Weitere Republikaner*innen haben signalisiert, für eine Veröffentlichung der Akten zu stimmen, sollte es zu einer Abstimmung kommen.