Geheime Pläne enthüllt USA wollen Militärbeiträge für Nato drastisch reduzieren – was sind die Folgen?

Oliver Kohlmaier

26.5.2026

Die USA planen offenbar, ihre militärischen Beiträge zur Nato massiv zu reduzieren.
Die USA planen offenbar, ihre militärischen Beiträge zur Nato massiv zu reduzieren.
Petty Officer 2nd Class Triniti/U.S. Pentagon/dpa (Archivbild)

Die USA wollen ihre militärischen Beiträge für die Nato offenbar drastisch zurückfahren – und setzen damit ihre europäischen Bündnispartner unter Druck. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Redaktion blue News

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  • Die USA wollen laut einem Medienbericht ihre militärischen Beiträge zur Nato drastisch reduzieren. 
  • Demnach sollen dem Bündnis künftig deutlich weniger militärische Fähigkeiten der USA zur Verfügung stehen. 
  • Die US-Pläne setzen die europäischen Bündnispartner erheblich unter Druck, da die dann entstehenden Lücken rasch geschlossen werden müssen.

Bereits während seiner ersten Amtszeit wetterte Donald Trump immer wieder gegen die Nato. Die Bündnispartner auf der anderen Seite des Atlantiks würden die USA ausnutzen, für die Amerikaner sei die Allianz hingegen nutzlos. Auch bei Treffen liess der US-Präsident kaum eine Gelegenheit aus, sich über das Militärbündnis zu beschweren. Seinen Tiraden liess er jedoch zunächst keine Taten folgen.

Das hat sich seit Beginn der zweiten Amtszeit deutlich geändert. So mussten sich die Bündnispartner im vergangenen Jahr dazu verpflichten, ihre Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des BIP zu steigern. Nun folgt der nächste Paukenschlag: Die militärischen Beiträge zur Nato sollen einem Medienbericht zufolge deutlich reduziert werden. Antworten auf die wichtigsten Fragen zu den geheimen US-Plänen:

Um was geht es bei den US-Plänen für die Nato?

Ein Gesandter des US-Verteidigungsministers Pete Hegseth hat bei einem Treffen in Brüssel vergangene Woche die Verbündeten darüber unterrichtet, dass Washington künftig «erheblich weniger militärische Schlüsselfähigkeiten bereitstellen» werde, berichtet der «Spiegel» am Dienstag. Demnach betreffen die Kürzungen unter anderem «US-Kampfjets, Kriegsschiffe, Drohnen oder Tankflugzeuge».

Den Angaben zufolge planen die USA, deutlich weniger strategische Bomber für die Nato abzustellen, von  einer Halbierung ist die Rede. Die Zahl der US-Kampfjets soll um ein Drittel sinken. Das habe der US-Gesandte Alexander Velez Green, Chefberater des US-Staatssekretärs für Verteidigungspolitik, Elbridge Colby, hochrangigen Beamten der Nato-Partner bei dem Treffen hinter verschlossenen Türen mitgeteilt.

Die US-Marine soll zudem weniger Zerstörer für die Nato bereithalten, U-Boote wollen die USA im Nato-Verbund demnach gar nicht mehr stellen. Auch für Drohnen zur Aufklärung sollen die Europäer selbst sorgen. Bei bewaffneten Modellen wollen die USA ihr Engagement deutlich zurückfahren.

Was ist das «Nato Force Model»?

Die nun gemeldete Reduzierung würde sich auf das Nato Force Model beziehen, das beschreibt, welches Land der Nato im Einsatzfall wie schnell wie viele Soldaten und militärisches Gerät zur Verfügung stellt.

Im Nato Force Model ist festgehalten, auf welche Einheiten und militärischen Fähigkeiten aus den Mitgliedstaaten der Nato-Oberbefehlshaber für Europa direkt zugreifen kann, um die Abschreckung und die Verteidigung Europas sicherzustellen. Es wurde als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ins Leben gerufen und soll dem Militärbündnis erlauben, schneller und flexibler auf Bedrohungen zu reagieren. Ziel ist es, die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit an der gesamten Nato-Ostflanke zu stärken und eine schnelle Krisenreaktion zu ermöglichen.

Künftig wollen die USA deutlich weniger Drohnen für die Nato bereitsstellen.
Künftig wollen die USA deutlich weniger Drohnen für die Nato bereitsstellen.
Massoud Hossaini/MH/AP/dpa

Was bedeutet das für Europa?

Washington fordert seit längerem von Kanada und den europäischen Partnern, mehr Verantwortung bei der Verteidigung des Nato-Gebiets zu übernehmen. Neben dem Abzug von US-Truppen aus Europa gehört dazu auch ein «burden shifting», also eine Lastenverlagerung bei den Kommandostrukturen und militärischen Fähigkeiten. Im bisherigen System stellten die USA rund die Hälfte der militärischen Fähigkeiten, den Rest müssen die übrigen Nato-Partner beibringen.

Die nun enthüllten US-Pläne fallen dem «Spiegel» zufolge gravierender aus, als die Europäer dies erwartet hatten. Demnach hatten europäische Diplomaten vor dem Treffen vermutet, dass es um kleinere Anpassungen im Laufe der Zeit gehen werde.

Werden die Pläne umgesetzt, müssten die Europäer die dann entstehenden Lücken rasch selbst füllen. Entscheidend ist nun, welchen Zeithorizont sich die US-Regierung bei der Umsetzung der Pläne vorstellt. So wäre etwa ein Ausgleich bei den Kampfjets über die laufenden Lieferungen von F-35 an europäische Bündnispartner denkbar. Polen habe bereits die ersten drei Maschinen erhalten, die deutsche Luftwaffe soll die ersten Kampfjets im kommenden Jahr bekommen. 

Doch es bleiben zahlreiche weitere Lücken, die sich nicht auf die Schnelle schliessen lassen. So verfügt Europa nicht über strategische Bomber, die im Ernstfall Atomwaffen ins Ziel bringen könnten. Auch jene zwei Flugzeugträger, welche die USA für das Nato Force Model angemeldet hatten, können wohl kaum schnell ersetzt werden. 

Was haben die Pläne mit China zu tun?

In der US-Verteidigungsplanung spielt der Indopazifik eine grosse Rolle. US-Geheimdienste schätzen, dass China ab 2027 über die Fähigkeiten verfügen wird, Taiwan anzugreifen. 

Unter Berufung auf Militärs schreibt der «Spiegel», die USA wollten mit der Reduzierung ihres Engagements in erster Linie mehr Flexibilität im Falle eines Konflikts im Indopazifik erreichen. Denn dann wolle die US-Regierung nicht durch die Anmeldung von militärischen Fähigkeiten bei der Nato gebunden sein.

Wie reagiert die Nato?

Nato-Generalsekretär Mark Rutte hatte vergangene Woche gesagt, er könne sich zu den «streng geheimen» Planungen noch nicht äussern, «aber ich denke, dies entspricht genau unseren Erwartungen und liegt absolut im Rahmen des Ansatzes, dass es keine Überraschungen geben soll». Der Prozess sei «nichts Neues», betonte Rutte. «Jeder wusste, dass das passieren würde.»

Aus Sicht von Militärvertretern bedeuten die Pläne jedoch nicht, dass die USA nicht einspringen würden, sollte es zum Verteidigungsfall in Europa kommen. Der Druck auf die europäischen Bündnispartner ist dennoch hoch. Bereits Anfang Juni sollen die Nato-Partner entscheiden, wie die Schliessung der Lücken bewerkstelligt werden kann. Denn Washington wolle die neue Lastenverteilung beim Nato-Gipfel in Ankara im Juli präsentieren.

Mit Material der Nachrichtenagentur afp.


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