Griff nach Grönland Wie Trumps Gelüste die Inselbewohner zusammenschweissen

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25.3.2025 - 23:35

Eine deutliche Mehrheit der Grönländer will nicht Teil der USA werden.
Eine deutliche Mehrheit der Grönländer will nicht Teil der USA werden.
Bild: Christian Klindt Soelbeck/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa (Archivbild)

Schon in seiner ersten Amtszeit warf Donald Trump ein Auge auf Grönland. Seit seiner Rückkehr ins Weisse Haus äussert der Präsident seine Annexionswünsche noch forscher. Wie kommt das auf der Insel an?

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  • Donald Trump will Grönland unbedingt für die USA gewinnen.
  • Erst kürzlich bekräftige Trump seinen Wunsch nach einer Annexion der Insel – nur wenige Tage, nachdem die Grönländer ein neues Parlament gewählt hatten, das eine Übernahme durch die USA ablehnt.
  • Das Vorgehen des US-Präsidenten hat die Inselbewohner laut einem Experten zusammengeschweisst und ein noch stärkeres Gefühl der nationalen Identität entstehen lassen.
  • Die Menschen in Grönland sind besorgt, dass ihre Heimat zu einem Spielball im Wettbewerb zwischen den USA, Russland und China wird.
  • Grönland gehört seit 1721 zu Dänemark, strebt aber seit Jahrzehnten die Loslösung an.

Lisa Sólrun Christiansen steht an den meisten Tagen um vier Uhr morgens auf und macht sich an die Arbeit. Sie strickt dicke Wollpullover, die bei Käufern auf der ganzen Welt wegen ihrer Wärme und farbenfrohen Muster aus der traditionellen Kultur der grönländischen Inuit begehrt sind.

Zu ihrer morgendlichen Routine gehört auch ein kurzer Blick in die Nachrichten, aber in diesen Tagen wird ihre Seelenruhe durch die vielen Berichte über die Pläne von US-Präsident Donald Trump für ihre Heimat gestört.

«Auf seinem Sterbebett sprach er viel über die Flagge»

«Ich bin überfordert», gesteht Christiansen, als sie auf das Meer hinausblickt, wo unwirklich blaue Eisberge vor der Küste treiben. Die 57-Jährige ist die Tochter von Eltern mit Wurzeln im Volk der Inuit und in Dänemark. Christiansen liebt ihr Grönland. Dass ihr Vater, ein Künstler und Lehrer, einst die rot-weisse Flagge der riesigen Insel entwarf, erfüllt die Familie mit grossem Stolz.

«Auf seinem Sterbebett sprach er viel über die Flagge und sagte, dass die Flagge nicht ihm gehöre, sondern dem Volk», erzählt Christiansen. «Und es gibt einen Satz, an den ich immer wieder denke. Er sagte: «Ich hoffe, die Flagge wird das grönländische Volk vereinen."»

Eine Insel in Unruhe

Unter den Menschen in Grönland macht sich immer mehr Sorge breit, dass ihre Heimat – ein autonomer Teil Dänemarks – zu einem Spielball im Wettbewerb zwischen den USA, Russland und China wird. Und sie befürchten, dass Trumps Bestrebungen, die Kontrolle über das rohstoffreiche Grönland zu übernehmen, ihren Weg zur Unabhängigkeit blockieren könnten.

Verstärkt wurden die Ängste am vergangenen Sonntag, als die Ehefrau von US-Vizepräsident J.D. Vance einen Besuch in Grönland ankündigte. Usha Vance will nach Angaben ihres Büros am Donnerstag eintreffen und sich das Hundeschlittenrennen Avannaata Qimussersua ansehen. Zudem wollen der nationale Sicherheitsberater des Weissen Hauses, Michael Waltz, und Energieminister Chris Wright eine US-Militärbasis im Norden Grönlands besuchen.

Die Visite der US-Delegation hat die Spannungen angeheizt. Erst kürzlich hatte Trump seinen Wunsch nach einer Annexion der Insel bekräftigt – und das nur wenige Tage, nachdem die Grönländer ein neues Parlament gewählt hatten, das eine Übernahme durch die USA ablehnt. Der Präsident machte sogar kaum verhüllte Anspielungen, dass die USA militärischen Druck aufbauen könnten. Es gebe ja US-Stützpunkte in Grönland. «Vielleicht werden Sie sehen, dass immer mehr Soldaten da hingehen.»

Auf die Nachricht vom ranghohen Besuch aus Washington reagierten grönländische Politiker empört und sprachen von amerikanischen Muskelspielen in einer Phase, in der sie versuchten, eine neue Regierung zu bilden. «Es muss also in Fettschrift deutlich gemacht werden, dass unsere Integrität und Demokratie ohne irgendeine Einmischung von aussen respektiert werden muss», betonte Grönlands scheidender Ministerpräsident Múte Bourup Egede.

Die riesige Insel Grönland hat in Zeiten des Klimawandels eine enorme strategische Bedeutung.
Die riesige Insel Grönland hat in Zeiten des Klimawandels eine enorme strategische Bedeutung.
Steffen Trumpf/dpa (Archivbild)

David gegen Goliath

Grönland habe allenfalls begrenzte Druckmittel gegen die grösste Supermacht der Welt in der Hand, sagt Otto Svendsen, Arktisexperte bei der Denkfabrik Center for Strategic and International Studies in Washington. Doch habe Trump einen strategischen Fehler begangen, indem er einen Streit mit Grönland und Dänemark vom Zaun gebrochen habe, anstatt mit den Nato-Verbündeten in Nuuk – der Hauptstadt der Insel – und Kopenhagen zusammenzuarbeiten. Das Vorgehen des US-Präsidenten habe die Grönländer zusammengeschweisst und ein noch stärkeres Gefühl der nationalen Identität entstehen lassen. Die Menschen seien stolz auf ihre Insel und entschlossen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und sich dem Druck aus Washington nicht zu beugen, erklärt Svendsen.

Grönland gehört seit 1721 zu Dänemark, strebt aber seit Jahrzehnten die Loslösung an. Das Recht des autonomen Gebiets auf Unabhängigkeit zu einem Zeitpunkt seiner Wahl erkannte Dänemark mit dem sogenannten Grönland-Selbstverwaltungsgesetz von 2009 an, das von den dortigen Wählern gebilligt und vom Parlament in Kopenhagen ratifiziert wurde. Das Recht auf Selbstbestimmung ist auch in der Charta der Vereinten Nationen verankert, die 1945 von den Vereinigten Staaten angenommen wurde.

Trump über Grönland: Werden die Insel so oder so bekommen

Trump über Grönland: Werden die Insel so oder so bekommen

Washington, 05.03.2025: Donald Trump schielte schon während seiner ersten Amtszeit auf Grönland – ohne Erfolg. Nach dem neuerlichen Einzug ins Weisse Haus will er sich der grössten Insel der Welt endgültig bemächtigen. In einer Rede vor dem US-Parlament sagt er: Donald Trump, US-Präsident: (1:40:40) «Wir brauchen Grönland für die nationale Sicherheit und sogar für die internationale Sicherheit, und wir arbeiten mit allen Beteiligten zusammen, um zu versuchen, es zu bekommen. Wir brauchen es wirklich für die weltweite Sicherheit. Ich denke, wir werden es so oder so bekommen.» Trump hat in den vergangenen Monaten auch militärischen oder wirtschaftlichen Zwang nicht ausgeschlossen. Grönland ist die grösste Insel der Erde und gehört zu Dänemark.

05.03.2025

Strategisch wichtige Bedeutung

Allerdings ist Trump seit jeher mehr auf die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen US-Interessen fixiert als auf die Rechte kleinerer Länder. Grönland kommt tatsächlich mit seiner Lage zwischen Nordatlantik und Nordpolarmeer eine strategisch wichtige Bedeutung in einer Zeit zu, in der das durch den Klimawandel schmelzende Meereis das Ringen der Arktis-Anrainerstaaten um Erdgasreserven und Rohstoffe neu entfacht hat. Denn durch das schwindende Eis sind diese Schätze leichter abbaubar. In der Region ist inzwischen Russland verstärkt militärisch präsent. Die Pituffik Space Base – ein Militärflugplatz der USA – an der Nordwestküste Grönlands unterstützt die Überwachung von Raketenstarts und Weltraumaktivitäten für die USA und die Nato.

Vor Trumps Rückkehr ins Weisse Haus hatten die Grönländer gehofft, dass sie ihre besondere Lage nutzen könnten, um ihre Unabhängigkeit von Dänemark zu erlangen. Doch nun fürchten sie, dass sie dadurch eher anfällig geworden sind.

Ein Blick zurück

Es gab eine Zeit, in der die USA Grönland praktisch besetzten: Im Zweiten Weltkrieg bauten die Amerikaner gleich mehrere Luftwaffen- und Marinebasen auf der Insel. Nach Kriegsende bot die Regierung von Präsident Harry Truman den Dänen an, Grönland wegen seiner «extremen Bedeutung für die Verteidigung der Vereinigten Staaten» zu kaufen. Kopenhagen lehnte rasch ab, unterschrieb aber eine langfristige Vereinbarung über die Präsenz eines US-Stützpunkts auf der Insel.

Nun beherrscht Trump die Schlagzeilen mit neuen Ansprüchen auf Grönland, die er schon in seiner ersten Amtszeit erhoben hatte. Diesmal scheint es ihm ernst zu sein. «Ich denke, wir werden es kriegen», sagte er kürzlich in einer Rede vor beiden Kammern des US-Kongresses über Grönland. «Auf die eine oder andere Weise.»