Late Night USATrumps Grönland-«Deal» und sein Pseudo-Gespräch mit Macron, das tief blicken lässt
Philipp Dahm
24.1.2026
Donald Trump hat etwas entdeckt, das ihn noch unbeliebter macht als sein Umgang mit den Epstein-Akten: Seth Meyers spricht über die Grönland-Pläne seines Präsidenten.
YouTube/Late Night with Seth Meyers
«Late night with Seth Meyers» beleuchtet Donald Trumps Grönland-Debakel in Davos, bei dem der US-Präsident ein Problem löst, das er selbst erschaffen hat. Ein dicker Hund ist sein Märchen von einem Gespräch mit Emmanuel Macron, das zeigt, wie der 79-Jährige tickt.
«Erinnert Ihr euch an diese ganze Epstein-Sache?», beginnt Seth Meyers sein Segment «A Closer Look» in seiner «Late Night»-Show. «Ihr wisst schon: der Fund geheimer Dokumente, die die verschiedenen Verbrechen des berüchtigtsten Sexhändlers der Welt beschreiben?» Klingelt es?
Meyers führt aus: «Ihr wisst schon: die Akten, deren Veröffentlichung quer durch das politische Spektrum gefordert wird – und die die Regierung per Gesetz offenlegen muss. Nun, Donald Trump hat etwas gefunden, was die Menschen noch mehr hassen, als sein Umgang mit diesen Akten: sein Bestreben, Grönland zu übernehmen.»
Das belegt im folgenden Clip CNN-Statistiker Harry Enten: Das sogenannte net approval rating liege in Sachen Epstein bei -38 Prozent. Aber bei den Umfragen mit Blick auf Grönland sind es sogar -40 Prozent, besagen die Umfragen.
Zahlen-Guru Harry Enten: Nur Trumps Griff nach Grönland ist noch unpopulärer als sein Umgang mit dem Epstein-Fall.
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Von Epsteins Insel zu Grönland
«Okay, ich glaube ich weiss, was hier passiert ist: Trump dachte, die Leute wollen mehr über Epsteins Insel wissen. Also versucht er, sie mit einer grösseren Insel abzulenken«, witzelt Meyers und imitiert den Präsidenten: «Ihr denkt zu klein! Geh auf die grossen, Amerika! Such dir was aus: Du kannst Grönland haben, Fidschi, Madagaskar...»
YouTube/Late Night with Seth Meyers
Der Late Night-Host ist in seinem Element: «Viele schlimme Dinge passieren auf Madagaskar. Viele zwielichtige Sachen! Als König Julien gesagt hat, ‹I like to move it, move it›, hat er über Kokain geredet. Viele Leute sagen das – immer öfter.»
Trump habe also etwas gefunden, was noch unbeliebter sei als sein Vertuschen des Epstein-Skandals, fasst der 52-Jährige zusammen. «Aber keine Sorge: Er will, dass Ihr wisst, dass der Streit, den er begonnen hat – wegen einer Sache, um die niemand gebeten hat –, jetzt beendet wurde. Möglicherweise. Oder vielleicht nicht.»
Was für ein Abkommen?
Zeit für die nächsten News-Einspieler – ab 1:59 Minute: Da wird berichtet, man verhandle den «Rahmen eines Abkommens», doch das Weisse Haus verrate keine Details. Es gebe «widersprüchliche Informationen» und vielleicht doch «keinen Deal». Dänemark poche auf seine Souveränität.
Und Trump sagt, was er tue, sei «wirklich fantastisch für die USA» und man bekomme «alles, was wir wollten». «Wir?» fragt Meyers erregt. «Wir wollten gar nichts! Wir waren volkommen glücklich damit, alle paar Jahre auf [dem Spartensender] ‹National Geographic› von Grönland zu hören, und nirgendwo sonst.»
Meyers meint, Trump löst ein Problem, dass der 79-Jährige selbst kreiert hat.
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«Buchstäblich niemand» habe über die Insel gesprochen, bis Trump es getan habe. «Und dann haben wir uns alle Sorgen gemacht, dass er einen Atomschlag gegen Grönland durchführt – dank des Namens von Grönlands Hauptstadt.»
Vielsagendes «Ääähh»
Was das soll? Höre selbst, wie es tönt, wenn sie in Amerika «Nuuk, Grönland» sagen: Es klingt wirklich wie «nuke Greenland», also «einen Atomschlag gegen Grönland durchführen».
An den 79-Jährigen gewendet legt Meyers nach: «Kannst du uns wenigstens etwas über die Bedingungen des Deals sagen, den du gemacht hast und nach dem niemand gefragt hat?» Es folgt ein Clip mit dieser vielsagenden Szene:
COLLINS: Does it include the US having ownership of Greenland?
TRUMP: It's a long term deal. It's the ultimate long term deal
COLLINS: How long is it?
TRUMP: Infinite. There is no time limit. It's a deal that's forever.
CNN-Reporterin Kaitlan Collins fragt, ob Grönland den USA gehören werde, wie Trump es wollte? «Ääähh.... Es ist ein langfristiges Geschäft», reagiert der New Yorker. «Es ist der ultimative langfristige Deal.» «Also nein», ätzt Meyers. «Man sollte die Antwort nie mit ‹Ääähh› beginnen.»
Kindische Verhandlung
Der Talkmaster legt nach: «Du hast Wochen damit zugebracht, darauf zu beharren, dass die Vereinigten Staaten Grönland haben müssen, und jetzt feierst du einen Deal, bei dem wir Grönland gar nicht bekommen.» Trump verhandele mit Ländern wie er selbst mit seinen Kindern, so Meyers:
Late Night USA – Amerika verstehen
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50 Staaten, 330 Millionen Menschen und noch mehr Meinungen: Wie soll man «Amerika verstehen»? Wer den Überblick behalten will, ohne dabei aufzulaufen, braucht einen Leuchtturm. Die Late-Night-Stars bieten eine der besten Navigationshilfen: Sie sind die perfekten Lotsen, die unbarmherzig Untiefen bei Land und Leuten benennen, und dienen unserem Autor Philipp Dahm als Komik-Kompass für die Befindlichkeit der amerikanischen Seele.
«Kein ‹Paw Patrol› mehr, es ist Schlafenszeit... Okay, in Ordnung, noch eine Folge... Okay, in Ordnung, noch zwei Folgen... Okay, es läuft so: Ich gehe ins Bett, schaut so viel, wie Ihr wollt. Im Eisfach ist Glacé. Das ist euer Abendessen. Dreht durch. Sagt Mama nichts davon. Oder tut es, mir egal!»
Meyers wundert sich: Gibt es über dieses Grönland-Abkommen denn wirklich keine weiteren Informationen? Oder wenigstens einen Zeithorizont? «[Der Deal] versetzt jeden in eine gute Position – insbesondere, weil es sich Sicherheit und Rohstoffe und alles andere bezieht», sagt Trump im folgenden Einspieler.
«Es ist für immer»
Und wie lange gilt das Ganze?, fragt CNN-Frau Collins? «Unendlich», lautet Trumps Antwort. «Es gibt kein Zeitlimit. Es ist für immer. Es ist, was man ein unendliches Geschäft nennt. Das ist für immer.» Meyers lächelt süffisant: «Das hört sich ziemlich offiziell an. Ist es wirklich unendlich? Ääähh...»
Trump spricht in Davos über seinen «ultimativen» Deal.
YouTube/Late Night with Seth Meyers
Der Präsident überzeugt den dreifachen Familienvater nicht: «Wie kannst du keine Details zu dem Deal haben, den du gerade abgeschlossen hast, und den nur du willst? Du hörst dich an, als würdest du eine Besprechung über ein Buch machen, das du nicht gelesen hast, aber es ist noch schlimmer, weil du es geschrieben hast.»
Trump ist kein «Dealmaker», sagt Meyers. «Er spielt nur einen im Fernsehen.» Als Beweis führt der Late-Night-Host an, wie Trump am WEF über ein angebliches Gespräch mit Frankreichs Präsident redet, bei dem Trump Emmanuel Macron dazu gebracht haben will, die Preise von Medikamenten in seinem Land zu erhöhen, damit sie diejenigen in den USA übertreffen.
Trumps «Gespräch» mit Macron
Hier die «Erzählung» im Video:
🔥OMG. President Trump just talked about the time he EMBARRASSED French President Emmanuel Macron while he's in the room and it's pure GOLD!
"I said, here's the story, Emmanuel, you're gonna do it and you're gonna do it FAST. If you don't, I put 25% tariffs on you and 100% on🍷 pic.twitter.com/4gHj3Z8nkG
Hier das ganze Gespräch so aufgeschrieben, wie es Trump erzählte:
Trump (taff): «Emmanuel, die wirst den Preis dieser Pille auf 20 oder 30 Dollar erhöhen müssen. Denk darüber nach. Das heisst, es ist eine Verdopplung. Eine Verdopplung verschreibungspflichtiger Medikamenten. Könnte eine Verdreifachung sein, könnte eine Vervierfachung sein. Es ist nicht einfach.»
Macron (ängstlich): «Nein, nein, nein, Donald. Das werde ich nicht tun.»
Trump (knallhart): «Das wirst du, 100 prozentig.»
Macron (entsetzt): «Nein, nein, nein.»
Trump (bestimmt): «Emmanuel, du wirst verdoppeln oder verdeifachen.»
Macron (weinerlich): «Nein, nein, nein.»
Trump (drohend): «Die Geschichte geht so, Emmanuel: Die Antwort ist, du wirst es tun. Du wirst es schnell tun. Und wenn du es nicht tust, werde ich einen Zoll von 25 Prozent auf alles erheben, was du in den USA verkaufst, und 100 Prozent auf Wein und Champagner.»
Macron (flehend): «Nein, nein, Donald, ich werde es tun. Ich werde es tun.»
So habe er mit allen Staatsführern gesprochen, erzählt Trump weiter. Durchschnittlich drei Minuten habe er gebraucht, bis er die Leute jeweils überzeugt habe. «Es hat drei Minuten gebraucht? Warum hast du dann f****** fünf Minuten gebraucht, um diese Geschichte zu erzählen?», fragt Meyers. «Ich habe noch nie von einem Gespräch gehört, das noch weniger wirklich stattgefunden hat als dieses.»
Prägnanter Vergleich
Und: «Nehmt euch eine Sekunde, um zu überlegen, was Trump in dieser gar nicht erfundenen Geschichte sagt: Sein Weg, dass sich die Amerikaner mit den Medikamentenpreisen besser fühlen, ist nicht, sie für Amerikaner zu senken, sondern sie für alle anderen zu erhöhen.»
Trump erzählt am WEF ein Medikamenten-Märchen.
YouTube/Late Night with Seth Meyers
Zeit für einen der wunderbaren Vergleiche des Moderators: «Es ist, als würde dich deine Frau mit einer Affäre erwischen, und deine Antwort ist: ‹Ich biege das wieder gerade. Ich rufe meinen Freund Tony an, damit er seine Frau auch betrügt. Siehst du? Deine Ehe ist gar nicht sooo schlecht.›»
Aber was ist wirklich passiert? Meyers glaubt, Trump habe einen Rückzieher gemacht, weil es international derart viel Aufruhr gegeben hat, die Aktienindizes gesunken sind und die Europäer einerseits Truppen nach Grönland entsandt und andererseits mit wirtschaftlicher Vergeltung gedroht haben.
«Die dumme Episode ist ein weiteres Beispiel dafür, was passiert, wenn Trump auch nur minimalen Widerspruch erfährt: Er zieht zurück», so Meyers. «Es ist eine Lektion, an die sich Oppositionelle im In– und Ausland erinnern sollten, wenn Trump eine verrückte Forderung stellt.»