Demokraten feiern schonTrumps Probleme in 7 Zahlen – und wie seine Partei jetzt zittert
Andreas Fischer
26.11.2025
Für US-Präsident Donald Trump läuft es in den Umfragen gerade nicht so gut.
KEYSTONE
Seine Macht bröckelt: Weil Donald Trump zunehmend unbeliebter wird, rebelliert seine eigene Partei. Bei den nächsten Wahlen drohen herbe Verluste – und dem US-Präsidenten ein Schicksal als «lahme Ente».
Donald Trumps Rückhalt an der MAGA-Basis und bei den Republikanern schwindet, da viele fürchten, bei kommenden Wahlen für seine Politik abgestraft zu werden.
Umfragen – selbst von Trump-freundlichen Instituten – zeigen Trumps wachsende Unbeliebtheit, während die Demokraten Erfolge feiern.
Hier sind 7 Zahlen, die Trumps Dilemma auf den Punkt bringen.
«Wenn ich mich in meiner wunderschönen Umgebung umschaue, sage ich mir: Oh, schau mal, ich sitze im Oval Office!», schrieb Donald Trump Anfang des Monats auf seiner Social Media-Plattform «Truth Social». Dem US-Präsidenten können «böse und korrupte Fake News» und angeblich «gefälschte Umfragen» nichts anhaben.
Wenn sich Donald Trump da mal nicht irrt. Es rumort an der «MAGA»-Basis und in Trumps Partei. Die Republikaner haben sich in der Epstein-Abstimmung vorige Wochen ganz offen gegen den Präsidenten gestellt und die Freigabe der Akten gefordert. Das wollte Trump monatelang verhindern, bevor er nach wachsendem Druck auch aus der eigenen Partei seine Haltung änderte.
Die Republikaner stehen längst nicht mehr so geschlossen hinter ihm, wie es Donald Trump gewohnt war. Das hat Gründe: In der Partei zittern viele, weil sie befürchten müssen, bei den nächsten Wahlen für die Politik von Donald Trump abgestraft zu werden.
Trump gefährdet die Mehrheit der Republikaner
Sollten die Demokraten bei den Zwischenwahlen im kommenden Jahr die Mehrheit im Repräsentantenhaus von den Republikanern erobern, müsste Donald Trump die zweite Hälfte seiner Amtszeit als «lame duck» regieren. Eine lahme Ente, die die eigene Agenda nicht mehr durchsetzen kann, weil die Mehrheit im Kongress fehlt.
Unvorstellbar ist dieses Szenario nicht mehr – egal, wie sehr Trump das Gegenteil behauptet und egal, wie blass die Demokraten trotz einiger Leuchttürme in Kalifornien, New York City, Virginia und New Jersey sind. Das zeigen mittlerweile auch Umfragen von Trump wohlgesonnenen Instituten und Medienhäusern.
Hier sind sieben Zahlen, die zeigen, wie gross Donald Trumps Probleme sind und warum die Republikaner zu Recht zittern.
55,9 – Donald Trumps Unbeliebtheit
Wir fangen mit einer Zahl an, die das Dilemma auf den Punkt bringt. Trumps Zustimmungswerte sind auf dem Tiefpunkt. Oder anders ausgedrückt: Die Ablehnungswerte sind auf dem Höhepunkt. Egal, wie man es dreht und wendet, Trump war in seiner zweiten Amtszeit nie unbeliebter.
Eine aktuelle Umfrage von Reuters/Ipsos ergab, dass Trumps Zustimmungsrate insgesamt auf 38 Prozent gefallen ist. Der Anteil der Menschen, die US-Präsident Donald Trump ablehnen, ist laut dem Meinungsforscher Nate Silver derzeit höher als zu einem vergleichbaren Zeitpunkt seiner ersten Amtszeit.
Trump's disapproval rating (55.9%) now exceeds the figure from a comparable point in his first term (54.9%). pic.twitter.com/yBd66qs7st
In einem Beitrag auf X schrieb Silver, Statistiker und Politologe, dass 55,9 Prozent den Präsidenten ablehnten, verglichen mit 54,9 Prozent zu einem ähnlichen Zeitpunkt im Jahr 2017. Silver fasst für seine Analysen dutzende Umfragen zusammen und gewichtet sie. Er sagt: «Donald Trumps zunehmende Unbeliebtheit könnte von Dauer sein.»
Die Umfragewerte werden auf die Unzufriedenheit mit den Lebenshaltungskosten, den Rekord-Shutdown und den Umgang mit den Jeffrey-Epstein-Akten zurückgeführt. Die für die Basis der Republikaner wichtigen Themen könnten bei den Midterms nächstes Jahr entscheidend sein: Trump wird für die Partei mittlerweile eher zu einer Belastung.
76 – Selbst die Wirtschaft läuft nicht
Schlechte Umfragewerte sind für Donald Trump das Werk von Fake News und linksextremen Demokraten. Dass nun auch sein Haus- und Hofsender Fox News mit wenig schmeichelhaften Zahlen aufwartet, dürfte Trump umso mehr schmerzen.
BY THE NUMBERS: A new FOX News poll shows most voters believe the White House is doing more harm than good on the economy.
Seventy-six percent of those polled view conditions negatively, and 58% of voters disapprove of the job Trump is doing — a four-point rise from two months… pic.twitter.com/AyX0ax7s0O
In einer Umfrage des Senders gaben 76 Prozent der Wähler an, die Wirtschaftslage negativ zu beurteilen. Damit ist Trump in Bezug auf die Wirtschaft weniger beliebt als sein Amtsvorgänger Joe Biden. Am Ende seiner Amtszeit im Jahr 2024 sahen laut einer Umfrage von Fox News 70 Prozent der Menschen die Wirtschaftslage negativ.
Schlimmer noch: Mehr als doppelt so viele der Befragten machen Donald Trump und nicht Joe Biden für die miserable Wirtschaftslage verantwortlich
3 – Die Preise steigen weiter
Dass die Inflation derart hartnäckig ist, damit hat Donald Trump offenbar nicht gerechnet. Zwar ist die Teuerungsrate inzwischen niedriger ist als während der Regierungszeit von Joe Biden – aber sie betrug zuletzt immer noch 3 Prozent. Das ist mehr als von Trump versprochen (und zugegeben).
Und so wächst die Unzufriedenheit angesichts der weiterhin hohen Preise. Zu deren Senkung hatte Trump zuletzt sogar Zölle auf Waren wie Kaffee, Rindfleisch und tropische Früchte wieder zurückgenommen.
Das war eine Art Eingeständnis – es war offensichtlich, dass die Zölle, die ein Kern seiner wirtschaftlichen Agenda sind, entgegen aller Versprechungen eben nicht zu einer Reduzierung der Lebenshaltungskosten innerhalb der USA geführt hatten.
2 – Gerrymandering geht nach hinten los
Gerrymandering könnte ein weiteres Problem für Donald Trump werden: Im Bundesstaat Indiana sollten die regierenden Republikaner auf Wunsch des Präsidenten die Wahlbezirke neu zuschneiden, um den Demokraten 2 Sitze im Repräsentantenhaus abzunehmen. Doch die Parteikollegen weigern sich, obwohl sie von Trump beschimpft und vor Ort bedroht werden.
Trumps Pläne, die Mehrheit der Republikaner durch Gerrymandering zu sichern, könnten sogar nach hinten losgehen. Im demokratischen Kalifornien haben die Wähler als Reaktion auf einen Neuzuschnitt der Wahlkreise im republikanischen Texas ähnlichen Massnahmen zugestimmt. Kurze Zeit später hat ein Bundesgericht den veränderten Wahlkreiszuschnitt in Texas gleich ganz verboten.
Gerrymandering erklärt: Wie sich die US-Politik mit Wahlkreis-Mauscheleien ins eigene Fleisch schneidet
Als Gerrymandering bezeichnen die Amerikaner die Verschiebung von Wahlkreisen, um politisch daraus Vorteile zu ziehen. Sowohl Republikaner als auch Demokraten haben es getan – oder wollen es tun. Die Politiker vergessen dabei jedoch etwa, veranschaulicht das blue-News-Video.
31.10.2025
5 – wankende Mini-Mehrheit
Dass Trump und die Republikaner nervös sind, ist nachvollziehbar. Aktuell haben sie im Repräsentantenhaus nur eine hauchdünne Mehrheit von 5 Sitzen.
4 – ein Haufen Niederlagen
Wie schlimm sich Niederlagen anfühlen, das haben die Republikaner Anfang November erfahren. Bei 4 wichtigen Wahlen gingen sie ebenso häufig als Verlier von der Urne.
• New York City wählte den linken Demokraten Zohran Mamdani zum ersten muslimischen Bürgermeister der Stadt. • Die nächste Niederlage erlitt Trump in Kalifornien, wo die Wählenden die California Proposition 50 angenommen haben (siehe «Gerrymandering» weiter oben). • Im Bundesstaat Virginia wurde die Demokratin Abigail Spanberger zur neuen Gouverneurin gewählt (und die Demokraten bauten die Mehrheit im Parlament signifikant aus). • In New Jersey holte die Demokratin Mikie Sherrill einen deutlichen Sieg bei der Gouverneurswahl.
MAKE AMERICA GREAT AGAIN!
"I HAVE JUST GOTTEN THE HIGHEST POLL NUMBERS OF MY “POLITICAL CAREER.” While my great work on the Economy has not yet been fully appreciated, it will be! Things are really Rockin’. Stopping WARS and Foreign Relations seems to be a strong suit. Also… pic.twitter.com/i10Xu8TJQF
Wahlumfragen, zumal in den USA, sind zwar immer ein wenig wie Kaffeesatz lesen: Aber eine aktuelle Erhebung dürfte die Republikaner endgültig in Aufruhr versetzen. Während Trumps Umfragewerte immer weiter einbrechen, erholen sich die Demokraten zusehends. Ohne etwas dafür tun zu müssen.
Sie liegen derzeit deutliche 14 Punkte vor der Trump-Partei.
In der von Marist, NPR und PBS durchgeführten Umfrage, gaben 55 Prozent der registrierten Wähler an, sie würden einen demokratischen Kandidaten für den Kongress in ihrem Wahlkreis unterstützen, wenn die Wahl heute stattfinden würde. Nur 41 Prozent der Wähler gaben an, sie würden einen Republikaner unterstützen.
Laut NPR ist dies der grösste Vorsprung, den die Demokraten seit November 2017 erzielt haben. Im folgenden Jahr gewannen die Demokraten mit 40 zusätzlichen Sitzen die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurück.
Sollte ihnen das im nächsten Jahr erneut gelingen, wäre Donald Trump in der Tat eine «lame duck».
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