Sein Krieg gegen den Iran läuft nicht so, wie erwünscht: Donald Trump legt am 25. Mai in Arlington, Virginia, einen Kranz am Grab des unbekannte Soldaten nieder.
Bild:Keystone
Erst das ewige Gerede vom baldigen Kriegsende, dann die Mär vom Mullah, der um einen Deal bettelt – und dann scheitern Gespräche, ohne dass Trump auch nur informiert wird: Donald Trumps Angriff auf den Iran wird immer mehr zu dem «Debakel», das er Barack Obama vorwirft.
Den jüngsten Abbruch der Gespräche durch den Iran kommentiert der 79-Jährige bei «NBC News» so: «Wenn sie nicht reden wollen, ist das okay für mich. Ich denke, das ist in Ordnung. Ich will auch nicht unbedingt reden. Wir reden zu viel.»
So schürt Trump die Erwartungen
Es ist das eine, immer wieder einen nahenden Frieden anzukündigen, um Märkte und Wählerschaft zu beeinflussen. Etwas anderes ist es, so zu tun, als habe der Gegner schon aufgegeben.
Iran winselt um Gnade – immer wieder
26. März: «Sie betteln um einen Deal, ich nicht. Sie betteln um einen Deal.»
1. Mai: «Sie wollen einen Deal machen, aber ich bin nicht zufrieden. Iran will einen Deal machen.»
3. Mai: «Ich bin so mit den Anrufen der Iraner beschäftigt, die einen guten Deal machen wollen.»
19. Mai: «Sie betteln um einen Deal. Vielleicht müssen wir ihnen einen weiteren grossen Schlag verpassen. Ich weiss es noch nicht.»
22. Mai: «Der Iran brennt darauf, einen Deal zu machen.»
27. Mai: «Sie wollen einfach nur einen Deal machen – ich glaube nicht, dass sie eine Wahl haben.»
1. Juni: «Der Iran will wirklich einen Deal machen, und es wird ein guter Deal für die USA und diejenigen sein, die mit uns sind.»
Frappant: Seine Regierung ist über den Abbruch der Verhandlungen nicht mal informiert worden, räumt Trump bei «NBC News» ein. So viel zur Qualität seiner Diplomatie.
Die Ausreden
Wenn es dann doch nicht so läuft, wie zuvor erzählt, bedarf das mitunter einer Erklärung. «Ich habe es mit sehr klugen Spielern zu tun», zitiert die «New York Times» Trump am 16. Mai: «Das sind wirklich kluge Leute und gewalttätige Leute und bösartige Leute. Und einige sehr nette Leute. Und einige sind sehr nett, aber gewalttätig; sie wurden gewalttätig.»
«Sie sind keine Trottel, auf gewisse Art sind sie sogar sehr schlau. Und sie können gut verhandeln», attestiert am 26. März der US-Präsident dem Regime in Teheran. «Sie sind lausige Kämpfer, aber sie können gut verhandeln.»
Zwei Tage später legt er bei Schwiegertochter Lara Trump auf «Fox News» nach: «Sie sind sehr gute Verhandlungsführer, sie sind schlau, aber am Ende haben wir alle Karten in der Hand, weil wir sie militärisch besiegt haben.»
Trump on Iran: A deal that would not be good for us is the line. We’re playing it out—we will see. They're very good negotiators, crafty. In the end, we have all the cards. pic.twitter.com/anSEzp9yZe
Trump hadert aber nicht nur mit den «gewieften» Iranern, sondern auch mit jenen, die ihm an der Heimatfront in den Rücken fallen: Am 19. Mai spricht er darüber auf der lärmenden Ballsaal-Baustelle in Washington.
«Wie soll man sich fühlen, wenn man verhandelt, jeden Punkt gewinnt, und dann sagen sie: ‹In Washington wollen sie dich daran hindern, zu verhandeln›?», klagt Trump am 19. Mai. «Es ist nur politisch. Es sind die Dummokraten. Sie sind dumm. Es ist ein neuer Name. Es ist ein sehr akkurater Name.»
Angesprochen auf Kritik fordert Trump am 1. Juni, man solle ihn nicht behindern: «Verstehen die Dummokraten und einige anscheinend unpatriotische Republikaner nicht, dass es viel schwieriger für mich ist, meinen Job richtig zu machen und zu verhandeln, wenn politische Handlanger in nie gekanntem Ausmass negativ ‹zwitschern›?»
Sein Post endet mit: «Lehnt euch einfach zurück und entspannt euch, am Ende wird alles gut gehen – das tut es immer!»
Krieg kostet
Obwohl die heisse Phase des Iran-Kriegs «nur» vom 28. Februar bis zum 8. April dauerte, kostete sie Uncle Sam jede Menge Munition. Die Washingtoner Denkfabrik Center for Strategic and International Studies schreibt, es werde «viele Jahre» dauern, um Luftabwehrraketen der Typen THAAD und Patriot sowie Marschflugkörper vom Typ Tomahawk zu ersetzen.
Gleichzeitig hat die BBC Schäden an amerikanischen Stützpunkten im Nahen Osten anhand von Satellitendaten untersucht: Mindestens 20 Basen sind demnach betroffen, doch einige Analysten gingen sogar von 28 beschädigten Einrichtungen aus, schreiben die Briten.
Nicht nur das müssen die Steuerzahlenden in den USA berappen. Auch an den Tankstellen steigen die Spritpreise: Donald Trump tut zunächst so, als habe der Iran-Krieg auf die USA keine Auswirkungen. Am 1. Mai gibt er zu: «Wir haben einen kleinen Anstieg bei Spritpreisen. Es wird billiger sein, als es vorher war. [Der Preis] wird stürzen.»
Trump on his message to Americans suffering because of high gas prices: "Once you explain that this is all about Iran having a nuclear weapon, people are willing to pay a little bit more."
Das bleibt abzuwarten. Nachdem die Öl- und Gasförderung im Nahen Osten Schaden genommen hat, dauert es seine Zeit, bis das Vorkriegsniveau wieder erreicht werden kann. In der Zwischenzeit belastet Trumps Waffengang die gesamte Weltwirtschaft – und das nicht nur wegen der Energiepreise.
«Die Zeit läuft ab, um die globale Krise der Ernährungssicherheit abzuwenden», warnt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, weil kein Dünger mehr die Strasse von Hormus passieren kann. Bereits Ende März warnt «Oxford Economics»: «Ein längerer Krieg im Iran könnte die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen.»
Obamas «Debakel» – für Trump unerreichbar
Ein Frieden am Persischen Golf ist nicht in Sicht. «Es ist mir wirklich egal. Es ist mir völlig egal», sagt Donald Trump CNBC über den Abbruch der Gespräche, die ohnehin «anfingen, sehr langweilig zu werden». Gleichzeitig schreibt er am 1. Juni auf Truth Social: «Die Gespräche werden fortgesetzt, und zwar in rasantem Tempo.» Wer soll das verstehen?
Was das Weisse Haus langfristig mit Teheran aushandeln kann, steht in den Sternen. Fakt ist, dass die Kontrolle über die Strasse von Hormus infrage steht – im Gegensatz zur Zeit vor Trumps Angriff am 22. Februar, als die Wasserstrasse noch frei befahrbar war.
Nahost-Konflikt
Immer wieder kommt es zu Eskalationen im Nahen Osten. Jüngst sorgten die USA und Israel mit Angriffen auf den Iran für Unruhen. blue News informiert dich laufend über alle wichtigen Entwicklungen in Nahost.
Washington wird es schwer haben, ein Abkommen zu erreichen, was demjenigen von Barack Obama entspricht. Im Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) von 2015 wurde die Uranproduktion geregelt und überwacht – im Gegenzug gab es einige Sanktionserleichterungen.
President Obama on Iran: “We pulled it off without firing a missile. We got 97% of their enriched uranium out. There’s no dispute that it worked and we didn’t have to kill a whole bunch of people or shut down the Strait of Hormuz” pic.twitter.com/ELRAVFwW7y
Trump betont, dass er dieses Ergebnis toppen könne: «Der Deal mit dem Iran wird entweder ein grossartiger und sinnvoller Deal sein, oder es wird keinen Deal geben», schreibt er am 25. Mai auf Truth Social.
Jessica Tarlov fact checked Jesse Watters in the same segment after he implied that Trump would be giving Iran its own money back unlike Obama. Tarlov explains that Obama was also giving Iran its own money as part of the JCPOA (Iran nuclear deal). pic.twitter.com/919dszQ8Xq
— Decoding Fox News (@DecodingFoxNews) May 27, 2026
Und: «Es wird das genaue Gegenteil des JCPOA-Desasters sein, das von der gescheiterten Obama-Regierung ausgehandelt wurde und einen direkten und offenen Weg zu einer Atomwaffe für den Iran darstellt.»
How did the U.S. and Iran get here?
Trump didn’t like the JCPOA because it was Obama’s deal. He pulled the U.S. out (2018), killed Iran’s top general (2020), launched two wars on Iran (2025 & 2026) which led to a new global crisis: Strait of Hormuz
— Negar Mortazavi نگار مرتضوی (@NegarMortazavi) June 1, 2026
Nun will der Iran die Kontrolle über die Strasse von Hormus, macht keine Kompromisse in Sachen Uran, fordert Reparationen und eine Aufhebung der Sanktionen, während die Weltwirtschaft leidet.