Boykott-Bewegung und Rezessionsangst Trumps Zoll-Politik droht ihm um die Ohren zu fliegen

Philipp Dahm

13.3.2025

Trumps Pressesprecherin Leavitt platzt bei einer Frage nach den US-Zöllen der Kragen

Trumps Pressesprecherin Leavitt platzt bei einer Frage nach den US-Zöllen der Kragen

«Ich finde es beleidigend, dass sie versuchen, mein Wissen über Wirtschaft und die Entscheidungen, die dieser Präsident getroffen hat, zu testen», sagt die Pressesprecherin des Weissen Hauses am 11. März 2025. «Jetzt bereue ich es, dass ich die Associated Press eine Frage habe stellen lassen.» Das ist selbst für Karoline Leavitt deftig, die sich in den sieben Wochen seit Donald Trumps Amtsantritt bereits einen Namen für ihre schneidige Art gemacht hat. Was sie so aufgeregt hat? Die Frage nach den Zöllen der neuen Administration, für die die 27-Jährige ihre ganz eigene Erklärung hat.

13.03.2025

Für Donald Trump sind Zölle ein Mittel, um Politik zu machen. Doch sein Kurs verschreckt nicht nur Nachbarn und die eigene Bevölkerung, sondern macht auch die Märkte nervös. Im Ausland mehren sich Boykott-Aufrufe.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Reizthema: Donald Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt platzt bei einer Frage nach den US-Zöllen der Kragen.
  • Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft: Trumps Zollpolitik macht die Bevölkerung und die Märkte nervös.
  • Jeans und Bourbon: Gegenzölle der EU und von Kanada treffen gezielt Industrien aus republikanisch geführten Bundesstaaten.
  • Trumps Zölle auf Stahl und Aluminium treffen vor allem Kanada. Diese Produkte werden in den USA dadurch teurer.
  • Gegenzölle auf Gegenzölle: Eine Ausweitung des Handelskriegs dürfte die Inflation befeuern und könnte in eine Rezession führen.
  • Image-Schaden: Australiens Premier ruft zum Boykott von US-Produkten auf. Auch in Europa gibt es solche Tendenzen.

«Ich finde es beleidigend, dass sie versuchen, mein Wissen über Wirtschaft und die Entscheidungen, die dieser Präsident getroffen hat, zu testen», sagt die Pressesprecherin des Weissen Hauses im obigen Video. «Jetzt bereue ich es, dass ich die Associated Press [AP] eine Frage habe stellen lassen.»

Das ist selbst für Karoline Leavitt deftig, die sich in den sieben Wochen seit Donald Trumps Amtsantritt bereits einen Namen für ihre schneidige Art gemacht hat. Was sie so aufgeregt hat? Die Frage nach den Zöllen der neuen Administration, für die die 27-Jährige ihre ganz eigene Erklärung hat.

«Zölle sind eine Steuererhöhung für fremde Länder, die uns abgezockt haben. Zölle sind eine Steuersenkung für das amerikanische Volk. Und der Präsident ist ein überzeugter Verfechter von Steuersenkungen», sagt Leavitt. Dann wagt es der Reporter einzuwenden, dass jene Zölle zumeist von den Firmen an die Konsumierenden weitergereicht würden.

White House Press Secretary Karoline Leavitt thinks tarrifs are a tax cut for the American people. 🤦‍♂️

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— SaltyDog (@saltydog12.bsky.social) 13. März 2025 um 01:10

Das sei nun mal notwendig auf dem Weg zu einem «ausgewogenen und fairen» Handel, der dem «Volk seit Jahrzehnten» vorenthalten werde, sagt die Sprecherin verärgert. «Wie ich eingangs sagte: Die Einnahmen bleiben hier, die Löhne steigen und unser Land wird wieder wohlhabend werden.»

Das Gespenst der Rezession geht um

Das Thema Zölle macht nicht nur das Weisse Haus nervös – Trumps Partei-Strategen werden zur Kenntnis genommen haben, dass laut «The Hill» die Zustimmungswerte des Präsidenten wegen der Sorge um die Wirtschaft sinken. Das Konsumenten-Vertrauen ist im Februar spürbar gesunken.

Die aktuelle Talfahrt der Börse spricht eine deutliche Sprache: «Nach nur 45 Tagen in seiner zweiten Amtszeit reisst Trump die Wirtschaft runter», stöhnt der «San Francisco Chronicle». «Niemand an der Wall Street lobt Trump und seinen bipolaren Ansatz in Bezug auf Zölle und Aktienmarkt.»

Dow Jones past 5 days. Yeah, we're doing great under Trump and Elon aren't we. 🙄

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— Madge (@madge9800.bsky.social) 12. März 2025 um 21:49

Warum die Zölle schaden, erklärt Gerald Cohen von der University of North Carolina beim NPR: «Wenn du unsicher bist, wie die Politik aussehen wird, führt das dazu, dass du keine grossen, wichtigen Entscheidungen triffst. Wenn wir uns bereits in einem Umfeld befinden, das nicht gut aussieht, könnte uns diese Unsicherheit in eine Rezession stürzen.»

Gegenzölle treffen republikanische Bundesstaaten

Trump ficht das nicht an. «Ich hasse es, solche Dinge vorherzusagen», sagt er mit Blick auf die Rezessionsangst. Und: «Es braucht ein bisschen Zeit.» Für den 78-Jährigen sind Zölle ein diplomatisches Druckmittel: Gerade erst hat er etwa Kanada beschieden, es würde die «Zollprobleme», die er selbst initiiert hat, gar nicht geben, wenn die sich bloss anschlössen.

Gleichzeitig macht der US-Präsident den Anschein, als kümmerten ihn die Reaktionen der Betroffenen nicht. Dabei beantworten Kanada und die EU seine Zölle gezielt – mit Gegenzöllen für Industrien aus Bundesstaaten, in denen die Republikaner an der Macht sind. So soll parteiinterner Druck aufs Weisse Haus aufgebaut werden.

Brüssel erhebt Abgaben auf so unterschiedliche US-Produkte wie Geflügel, Rindfleisch, Motorräder, Bourbon, Erdnussbutter und Jeans. Kanada steuert mit Zöllen auf Stahl-Produkte, Werkzeuge, Computer, Bildschirme, Gusseisen und Sportgeräte gegen. «Zusammengenommen werden die neuen Zölle die Unternehmen Milliarden von Dollar kosten», schreibt AP.

Was Stahl- und Aluminium-Zölle teurer machen

Trumps Zölle auf Stahl und Aluminium werden weiter dafür sorgen, dass in den USA jene Produkte und Dienstleistungen teurer werden, die auf die Metalle angewiesen sind. Das Portfolio reicht von der Getränkeindustrie über die Bauwirtschaft bis zu den Auto-Herstellern. 

China and other US trading partners hit back on Trump’s steel, aluminium tariffs Major US tradi... https://hongkongfp.com/2025/03/13/china-and-other-us-trading-partners-hit-back-on-trumps-steel-aluminium-tariffs/ #Business #China #Defence #& #Foreign […] [Original post on hongkongfp.com]

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— Trump (@Trump.activitypub.awakari.com.ap.brid.gy) 13. März 2025 um 11:12

Auf der anderen Seite trifft Trumps Massnahme insbesondere Kanada, das laut AP mehr als die Hälfte des ausländischen Aluminiums stellt und am meisten Stahl in die USA exportiert. Auch Mexiko, Brasilien, China und Taiwan haben unter den Stahl-Zöllen zu leiden. Vorgeblich soll das Ganze die heimische US-Industrie schützen.

In den Vereinigten Staaten selbst arbeiteten jedoch nur noch 150'000 Menschen in der Stahlindustrie – verglichen mit 1,6 Millionen Angestellten bei Walmart. Apropos: Der US-Riese hat gerade Ärger mit Peking, weil er angeblich Druck auf chinesische Lieferanten gemacht hat. Diese sollten demnach wegen Trumps 20-Prozent-Zoll ihre Preise senken.

Boykott-Bewegung

Dass Trumps Handelskrieg sich auf die Inflation auswirken wird, die er zu senken versprochen hat, scheint ausgemacht. Im Februar war sie mit 2,8 Prozent sogar ein bisschen tiefer als erwartet – doch spätestens wenn am 2. April die ausgesetzten 25-Prozent-Zölle auf alle Waren aus Kanada und Mexiko fällig werden, muss für Lebensmittel mehr gezahlt werden.

Zudem drohen sich die Zölle und Gegenzölle hochzuschaukeln: «Natürlich werde ich antworten», versichert Trump auf die angedrohten Gegenzölle der EU im Wert von knapp 25 Milliarden Franken. Im Gespräch sind laut «Handelsblatt» 200-Prozent-Zöllen auf Wein und Champagner. Doch selbst wenn ein Land keine Gegenzölle erhebt wie etwa Australien, schadet Trumps Politik der amerikanischen Wirtschaft.

Wegen der US-Zölle ruft Premier Anthony Albanese seine Landsleute zum Boykott von US-Waren auf: Statt amerikanischer Produkte sollten die Leute heimische Erzeugnisse kaufen. Auch Konsumierende in Frankreich wollen US-Ware meiden, haben aber mitunter Probleme, diese auf dem Markt zu identifizieren, berichtet «Radio France Internationale».

Und auch die Brüssel will unabhängiger von Washington werden: Wenn die EU Gelder für Verteidigungsinvestitionen freimacht, sollten diese möglichst in Europa investiert werden, fordert Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Trumps Zölle verärgern die Handelspartner wie auch die dortige Kundschaft: Diese US-Politik kann nicht nur kurz-, sondern auch langfristig teuer werden.


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