Schweizer Ökonom ordnet ein Trumps Zolldeal ist ein Erfolg für die Schweiz – mit fahlem Beigeschmack

Dominik Müller

14.11.2025

Trump hat nach dem Zoll-Deal wohl gut lachen. 
Trump hat nach dem Zoll-Deal wohl gut lachen. 
KEYSTONE

Die USA reduzieren die Strafzölle für Schweizer Produkte. Ein vermeintlicher Triumph, doch der Preis für den Deal ist hoch. Ökonom Claude Maurer ordnet für blue News ein.

Dominik Müller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die USA senken die Strafzölle auf Schweizer Produkte von 39 auf 15 Prozent.
  • Für Ökonom Claude Maurer bedeutet dies eine Entlastung für Schweizer Unternehmen.
  • Maurer lobt Trumps Taktik als clevere Verhandlungsstrategie, warnt jedoch, dass 15 Prozent Zoll in einem «schlechten Spiel» kein echter Grund zur Euphorie seien.

«Wir haben einen Deal erreicht.» Die Worte, die der US-Handelsdelegierte Jamieson Greer dem Wirtschaftssender CNBC am Freitagnachmittag (MESZ) sagte, dürfte in der Führungsetage von so manchem Schweizer Unternehmen zu Freudensprüngen geführt haben. Kurz darauf bestätigt der Bundesrat auf der Plattform X: «Die US-Zölle werden auf 15 % gesenkt.»

Zur Erinnerung: Am 1. August, notabene am Schweizer Nationalfeiertag, auferlegte US-Präsident Donald Trump der Schweiz Strafzölle von 39 Prozent. Für die Senkung gelte nun ebendiesem US-Präsidenten gemäss Bundesrat der «Dank für das konstruktive Engagement».

Aber ist die überschwängliche Freude gerechtfertigt? «Das Wichtigste ist, dass Schweizer Unternehmen beim Zollsatz die gleichen Voraussetzungen haben wie die Konkurrenz aus der EU», sagt Claude Maurer, Chefökonom von BAK Economics, zu blue News.

«Gleich lange Spiesse in einem schlechten Spiel»

Die Zollsenkung komme für Schweizer Unternehmen entsprechend einer «Entlastung» gleich, so Maurer. Zumal die Exportwirtschaft ohnehin unter der schnellen Aufwertung des Frankens gegenüber dem Dollar leide. Nun habe man aber immerhin wieder «praktisch gleich lange Spiesse wie vergleichbare Unternehmen in der Eurozone, allerdings in einem schlechten Spiel».

Zugutekomme Schweizer Unternehmen, dass sie es aufgrund des tendenziell starken Frankens gewohnt seien, über keine preislichen Wettbewerbsvorteile zu verfügen.

Vor allem die Uhren-, Medizinal- und Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie dürften von tieferen Zöllen profitieren, wie die UBS auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP schreibt. Für EU-Güter gilt bereits seit einigen Monaten ein tieferer US-Zoll von 15 Prozent.

Absurder Anker wird zur Erfolgsmeldung

Loben müsse man Trump gemäss Maurer für seine Verhandlungsstrategie. Er greife erfolgreich zur «Ankerung»: Einstieg bei 39 Prozent, Rückzug auf 15 Prozent. «Ohne den absurden Anker würden ein Wert von 15 Prozent nie als Erfolg gefeiert werden», so Maurer. So sei auch davon auszugehen, dass der Zollsatz von 15 Prozent dauerhaft bleibe.

Aber der Deal hat seinen Preis. Gemäss Greer müssen Schweizer Firmen bestimmte Anteile ihrer Produktionskapazitäten in die USA verlagern. Nach bis anhin unbestätigten Meldungen ist zudem die Rede von Investitionsversprechen in Höhe von rund 200 Milliarden Dollar sowie der Beschaffung von Boeing-Flugzeugen.

Ein zu hoher Preis? Maurer relativiert: «Schweizer Firmen investieren ohnehin schon stark in den US-Markt, weitere Investitionen sind deshalb nicht abwegig.» Es bleibe nun abzuwarten, wie viele dieser Investitionen sogenannte Mitnahmeeffekte sind – also auch ohne Zollstreit getätigt worden wären – und wie viel Geld nun effektiv zusätzlich in die Hand genommen werde.