Mit blossen Händen 12-Jähriger rettet seine Familie mit einem Trick vor Putins Killerdrohnen

Sven Ziegler

16.5.2026

Eine russische FPV-Drohne – Typen wie diese werden vermehrt eingesetzt. 
Eine russische FPV-Drohne – Typen wie diese werden vermehrt eingesetzt. 
IMAGO/ZUMA Press

Ein ukrainischer Junge stellt sich einer russischen FPV-Drohne entgegen – und gewinnt. Mit einer Technik, die ihm ein Soldat gezeigt hatte, kappte der Zwölfjährige das Glasfaserkabel der Drohne und verhinderte so womöglich eine Katastrophe.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein 12-jähriger Ukrainer stoppte eine russische FPV-Drohne, indem er deren Glasfaserkabel zerstörte.
  • Die Technik hatte ihm zuvor ein ukrainischer Soldat beigebracht.
  • Die Familie musste danach umziehen, weil russische Telegram-Kanäle den Jungen zur Zielscheibe machten.

Der Krieg in der Ukraine hat längst auch Kinder verändert. In der nordukrainischen Region Tschernihiw weiss der zwölfjährige Anatolii Prokhorenko heute, wie man eine russische Kampfdrohne stoppt – weil er es selbst tun musste.

Wie die «Washington Post» berichtet, sass der Junge im April auf einem Birnbaum nahe dem Haus seiner Familie, als er plötzlich das Summen einer russischen FPV-Drohne hörte. Seine kleinen Geschwister spielten zu diesem Zeitpunkt in der Nähe des Hauses.

Anatolii bemerkte dabei ein haarfeines Glasfaserkabel, das hinter der Drohne hergezogen wurde. Genau diese Technologie nutzt Russland zunehmend für seine Angriffsdrohnen. Über die dünnen Kabel bleiben die Drohnen mit ihren Operateuren verbunden und können auch über grosse Distanzen störungsfrei gesteuert werden. Reichweiten von bis zu 20 Kilometern gelten inzwischen als üblich.

Bub zerstörte Glasfaserkabel der Drohne

Der Junge erinnerte sich in diesem Moment an eine Begegnung aus dem vergangenen Herbst. Damals hatte ihm ein ukrainischer Soldat mit dem Übernamen «Dynamo» gezeigt, wie sich solche Glasfaserkabel zerstören lassen. Der Trick: Man formt zunächst eine Schlaufe, damit die extrem dünnen Fäden nicht die Hände aufschneiden, und reisst sie dann mit Kraft auseinander.

Genau das tat Anatolii nun unter Zeitdruck. Gegenüber der «Washington Post» schilderte er den Moment so: «Ich hatte keine Zeit. Also zählte ich bis zehn und riss sie durch.»

Die Drohnen werden direkt von Piloten gesteuert. 
Die Drohnen werden direkt von Piloten gesteuert. 
IMAGO/Funke Foto Services

Der Plan funktionierte. Nachdem das Kabel beschädigt worden war, verlor die Drohne offenbar die Kontrolle, drehte ab und stürzte in ein verwildertes Gebiet. Eine Explosion blieb aus.

In der Ukraine wird der Junge inzwischen als Held gefeiert. Gleichzeitig geriet er laut Bericht ins Visier russischer Telegram-Kanäle. Deshalb lebt die siebenköpfige Familie derzeit nicht mehr in ihrem Dorf, sondern vorübergehend in einer kleinen Wohnung in der Stadt Tschernihiw.

Russland setzt im Krieg immer stärker auf sogenannte FPV-Drohnen. Diese kleinen, oft mit Sprengstoff beladenen Fluggeräte werden direkt von Piloten gesteuert und greifen laut ukrainischen Behörden zunehmend auch zivile Ziele an. Besonders in grenznahen Regionen seien ganze Landstriche inzwischen von den kaum sichtbaren Glasfaserkabeln überzogen.

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