UN-Generalsekretär warnt

Ukraine-Krieg könnte Kampf gegen Klimawandel bremsen

AP / tchs

21.3.2022

Antonio Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, verurteilt Russlands Angriffe auf Zivilisten in der Ukraine. Foto: Seth Wenig/AP/dpa
Laut Antonio Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, könnte der Krieg in der Ukraine den Kampf gegen den Klimawandel behindern.
Bild: Seth Wenig/AP/dpa

Industriestaaten sind weltweit auf der Suche nach Ersatz für russische Energieträger. Doch dabei setzen sie vornehmlich auf fossile Brennstoffe.

AP / tchs

21.3.2022

UN-Generalsekretär António Guterres hat vor den Folgen von Importstopps für Kohle, Gas und Öl aus Russland gewarnt. Das von den wichtigsten Wirtschaftsmächten verfolgte Ziel, die Einfuhr fossiler Energieträger aus Russland zu stoppen, könne Anstrengungen im Kampf gegen weltweite Klimaveränderungen zunichte machen, sagte Guterres am Montag. Das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015, die weltweite Erwärmung auf möglichst 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, liege ohnehin praktisch auf der Intensivstation.

Als Reaktion auf die russische Invasion in die Ukraine haben westliche Staaten erste Importstopps für russisches Öl verhängt und fahnden weltweit nach Ersatz für russische Energieträger, um ihre Sanktionen noch verschärfen zu können. Deutschland bemüht sich als einer der grössten Kunden Russlands um Öllieferungen vom Persischen Golf, und beschleunigt den Bau von Hafenanlagen zum Import von verflüssigtem Erdgas aus nichtrussischen Quellen.

Vollgas Richtung erneuerbare Energien

Guterres warnte per Video auf einer von der Wochenzeitung «Economist» organisierten Veranstaltung: «Die Länder könnten durch die unmittelbare Versorgungslücke bei fossilen Brennstoffen so sehr in Anspruch genommen werden, dass sie Massnahmen zur Verringerung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe vernachlässigen oder auf die lange Bank schieben. - Das ist verrückt.» Anstatt bei der Dekarbonisierung der Weltwirtschaft auf die Bremse zu treten, sei jetzt der Zeitpunkt, Vollgas in Richtung erneuerbare Energien zu geben.

Die durchschnittliche globale Erwärmung liege derzeit bei 1,2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter, sagte Guterres. Im vergangenen Jahr seien die Kohlendioxidemissionen wieder deutlich gestiegen. Um das im Pariser Abkommen festgelegte Ziel zu erreichen, müssten sie aber um 45 Prozent gekürzt werden. «Wenn wir so weitermachen wie bisher, können wir uns von 1,5 Grad verabschieden», sagte er. «Selbst 2 Grad könnten unerreichbar sein. Und das wäre eine Katastrophe.» Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern führe zur gegenseitigen Zerstörung.

Abhängigkeit von Kohle soll schnellstmöglich enden

Guterres forderte ein schnelles Handeln der grössten Wirtschaftsnationen und der wichtigsten Wachstumsländer, um ihre Kohlendioxidemissionen zu verringern. Insbesondere die Abhängigkeit vom Energieträger Kohle müsse so schnell wie möglich beendet werden.

Die UN-Klimasekretärin Patricia Espinosa forderte die Regierungen weltweit auf, umgehend zu handeln, damit die Klimaziele für 2030 eingehalten werden könnten. Langfristige Pläne seien wichtig, sagte Espinosa zur Eröffnung von Beratungen des Weltklimarats (IPCC). Wenn Politik und Wirtschaft in den kommenden zwei Jahren keine Fortschritte machten und klare Pläne für den Klimaschutz aufstellten, seien die Ziele für 2050 möglicherweise irrelevant.

Die Mitglieder des IPCC beraten über ihren neuen Bericht, der am 4. April veröffentlicht werden soll. Direkte Hinweise auf die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine würden nicht enthalten sein, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe, die den Bericht verfasst, Jim Skea.