«Ich war einfach so naiv» Ultrarechte Marjorie Taylor Greene rechnet mit Trump ab

Philipp Fischer

30.12.2025

Marjorie Taylor Greene hat mit Trump gebrochen. Jetzt kehrt sie der politischen Elite in Washington den Rücken.
Marjorie Taylor Greene hat mit Trump gebrochen. Jetzt kehrt sie der politischen Elite in Washington den Rücken.
Archivbild: IMAGO/Middle East Images

Lange war Marjorie Taylor Greene eine glühende Unterstützerin Donald Trumps – bis es im November zum Streit und dem endgültigen Bruch kam. In einem Interview erklärt die Ex-Trump-Loyalistin ihre Abkehr von der «toxischen Politik» des US-Präsidenten.

Philipp Fischer

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Abgeordnete Marjorie Taylor Greene aus Georgia war eine treue Anhängerin Donald Trumps.
  • Dann kam es zum Streit über die Epstein-Akten – und zum Bruch mit dem US-Präsidenten.
  • Greene entschuldigt sich für ihre «toxische Politik» und kehrt dem Politgeschäft den Rücken.

Marjorie Taylor Greene zählte zu den Hardcore-Anhängerinnen von Donald Trump innerhalb der republikanischen Partei. Bis es zwischen beiden im November zum Bruch kam – wegen der Epstein-Akten. In einem ausführlichen Interview mit der «New York Times» erklärt die 51-Jährige ihre Abkehr von der politischen Elite in Washington.

Ihr Sinneswandel gegenüber Trump begann mit der Trauerfeier für den konservativen Influencer Charlie Kirk, so die 51-Jährige. Nach dessen Ermordung im September verfolgte sie die Reden von Kirks Witwe Erika und Donald Trump vor dem vollbesetzten Stadion in Arizona im Fernsehen.

Während Erika Kirk mit Tränen in den Augen erklärte, dass sie dem Mörder ihres Mannes vergeben habe, schlug Trump einen komplett gegenteiligen Tonfall an. «Ich hasse meine Gegner und wünsche ihnen nicht das Beste», wetterte Trump vor den Trauergästen. In diesem Moment sei ihr klar geworden, «wo sein Herz ist».

Der Kontrast zwischen Erika Kirk und dem Präsidenten habe ihr die Augen geöffnet. Für sie war das «die absolut schlimmste Aussage», erinnert sie sich. «Sie hat einen aufrichtigen christlichen Glauben, und seine Worte beweisen, dass er überhaupt keinen Glauben hat», so Greene über Trumps religiösen Fanatismus.

Unversöhnliche Kampftaktik

2021 wurde Greene ins Repräsentantenhaus gewählt. Unbeirrbar folgte sie Trump bei seinen Angriffen gegen politische Gegner und bei Verschwörungstheorien wie der angeblich «gestohlenen Präsidentschaftswahl» im Jahr 2020. Als Front-Frau der MAGA-Bewegung liebte sie die Provokation, häufig fiel sie auch durch rassistische Beleidigungen auf.

Seit dem sich stetig vertiefenden Bruch mit ihrem Mentor Donald Trump wagte sich Greene in ihren politischen Ansichten mehr und mehr aus der Deckung. Sie bezeichnete den Krieg in Gaza als «Völkermord» und kritisierte die Unterstützung der Kryptoindustrie durch den Präsidenten. 

«Das sind die Bereiche, die immer noch alles bekommen, was sie wollen, während wir hier draussen immer noch sagen: ‹Wir wollen Massnahmen in Bereichen, die dem amerikanischen Volk zugutekommen, nicht den grossen Industrien und den grossen Spendern›», so Greene im Gespräch in dem Interviewformat «60 Minutes» von CBS News.

Teil der vergifteten Kultur

Die Politikführung Trumps beruhe auf einer kompletten Vernichtung von Andersdenkenden und politischen Gegnern, erklärt Greene im Interview mit der «New York Times». «Donald Trump hat uns beigebracht, uns niemals zu entschuldigen und niemals Fehler einzugestehen», erklärt sie. «Man greift seine Feinde einfach immer weiter an, egal was passiert.»

Greene selbst folgte als unerbittliche Trump-Unterstützerin unverhohlen der reaktionären Rhetorik des US-Präsidenten. So bezichtigte sie die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, des Verrats und erklärte, dass Verrat mit Gefängnis oder dem Tod bestraft wird.

Rückblickend sagt Greene, es sei falsch gewesen, die Demokraten des Verrats zu bezichtigen. «Nach Charlies Tod wurde mir klar, dass ich Teil dieser vergifteten Kultur bin», so Greene.

Bruch mit Trump wegen Epstein

Den endgültigen Bruch zwischen ihr und ihrem Mentor markierte der Streit um die Freigabe der Epstein-Akten. Sie forderte gegen den Widerstand des Präsidenten, sämtliche Ermittlungsakten zu veröffentlichen. «Die Epstein-Akten stehen für alles, was in Washington falsch läuft», erklärte Greene. «Reiche, mächtige Eliten begehen schreckliche Taten und kommen ungestraft davon. Und die Frauen sind die Opfer.»

Auf einer Pressekonferenz kündigte sie im November an, Namen der Täter zu veröffentlichen. Trumps Reaktion liess nicht lange auf sich warten. Einer von Greenes Mitarbeitern berichtet von einem Anruf, in dem Trump sie lauthals anschrie. «Meinen Freunden wird wehgetan», soll Trump gedroht haben.

Und der US-Präsident reagierte mit weiteren Attacken: Er nannte sie eine «Verräterin» und kündigte an, seine Unterstützung für ihre Wiederwahl 2026 zurückzuziehen. Auf Truth Social schrieb er über Greene, sie sei eine «pöbelnde Wahnsinnige» – ein Tonfall, der selbst treue MAGA-Wähler überraschte.

Die fortwährenden Drohungen Donald Trumps haben schliesslich den Rückzug Greenes aus der Politik bewirkt. Mitte November entschuldigte sie sich für ihre «toxische Politik». «Ich habe Washington kennengelernt und verstanden, wie kaputt dieser Ort ist», sagt sie. Nach dem Zerwürfnis mit Trump über die Epstein-Akten kündigte sie in einem Video ihren Rücktritt vom Kongress zum 5. Januar an – ein Jahr vor dem Ende ihrer Amtszeit. «Loyalität sollte eine Zweibahnstrasse sein», schrieb Greene in ihrer langen Rücktrittserklärung.

Ehemalige Trump-Vertraute Greene kündigt nach Zerwürfnis Rücktritt an

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Greene, lange eine vehemente Verteidigerin Trumps, hatte sich in den vergangenen Wochen wiederholt von der Linie des Weissen Hauses entfernt. 

22.11.2025