Serie von Gewalttaten Unbekannte feuern in vier US-Städten auf Passanten – mehrere Tote

tgab

6.6.2022 - 13:25

Die aufsehenerregenden Fälle von Waffengewalt in den USA reissen nicht ab. Bei vier verschiedenen Vorfällen starben am Wochenende zehn Menschen, mehr als 30 weitere wurden verletzt.

6.6.2022 - 13:25

Erneut sind in den USA binnen weniger Stunden mehrere Menschen durch Schusswaffengewalt gestorben. In Chattanooga im Bundesstaat Tennessee kamen laut Polizei zwei Menschen durch Schüsse ums Leben, ein weiterer wurde totgefahren. Bei Schusswaffenangriffen in Philadelphia sowie in den Staaten Michigan und South Carolina starben sieben weitere Menschen.

In der Nähe eines Nachtclubs im Zentrum der 180'000-Einwohner-Stadt Chattanooga seien am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) zwei Menschen durch Schüsse getötet worden, berichtete die örtliche Polizeichefin Celeste Murphy. Drei Menschen wurden von Autos fliehender Täter erfasst, eine Person kam dabei ums Leben, teilte die Polizei mit.

Zwölf weitere Menschen wurden bei dem Vorfall durch Kugeln verletzt. Mehrere der Verletzten schwebten in Lebensgefahr, sagte die Polizeichefin. Die Schüsse wurden demnach von «definitiv» mehr als einem Täter abgefeuert. Die Hintergründe der Tat sind unklar, Festnahmen gab es zunächst nicht.

Opfer vor allem «unschuldige Passanten»

Bei der Schiesserei in Philadelphia starben zwei Männer und eine Frau, elf weitere Menschen wurden verletzt. Auch in der Ostküstenstadt gab es mehrere Schützen. Sie feuerten nach Polizeiangaben in der belebten Ausgeh-Strasse South Street in die Menge.

In Philadelphia erklärte Polizeichefin Danielle Outlaw, erste Ermittlungsergebnisse deuteten darauf hin, dass es in dem belebten Viertel zunächst zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung gekommen sei. Danach seien die ersten Schüsse gefallen. Einer der beiden erschossenen Männer soll in den Zwischenfall verwickelt gewesen sein. Der andere Mann und eine getötete Frau sowie elf Verletzte seien hingegen «unschuldige Passanten» gewesen, sagte Outlaw.

Ein Polizeibeamter habe mehrfach auf einen der Angreifer geschossen, woraufhin dieser geflohen sei, hiess es. Die Polizei habe zwei halbautomatische Pistolen sichergestellt, die Täter seien flüchtig. In der belebten South Street seien «zahlreiche» Munitionshülsen sichergestellt worden. Zum Tatzeitpunkt am Samstag kurz vor Mitternacht (Ortszeit) befanden sich – wie am Wochenende üblich – hunderte Menschen in dem Viertel mit zahlreichen Restaurants und Bars. Die Polizei hoffe durch Überwachungskameras weitere Hinweise zum Tathergang und zur Identität der Täter zu bekommen. Bislang sei noch unklar, wie viele Schützen es gab und was das Motiv für die Tat war.

Weitere Opfer in Michigan und South Carolina

In der Stadt Saginaw in Michigan wurden laut übereinstimmenden Berichten von Lokalmedien bei einem Schusswaffenvorfall drei Menschen getötet und zwei weitere verletzt. In Clarendon County in South Carolina starb nach Polizeiangaben bei einer Abschlussfeier ein Erwachsener durch Waffengewalt, fünf junge Menschen im Alter zwischen zwölf und 19 Jahren wurden verletzt.

In den USA hatte es in den vergangenen Wochen eine Serie besonders blutiger Schusswaffenangriffe gegeben. Ende Mai etwa hatte ein 18-Jähriger an einer Grundschule in Uvalde im US-Bundesstaat Texas das Feuer eröffnet. Der Amokläufer verschanzte sich in einem Klassenraum und tötete 19 Kinder sowie zwei Lehrerinnen. Wenige Tage zuvor hatte ein Schütze in Buffalo im US-Bundesstaat New York in einem Supermarkt das Feuer eröffnet, zehn Menschen erschossen und drei weitere verletzt. Den Ermittlern zufolge war die Tat rassistisch motiviert – 11 der 13 Opfer waren schwarz.

Senatoren verhandeln über Waffenrechtsreform

Eine parteiübergreifende Gruppe von Senatoren verhandelt derzeit unter der Leitung des Demokraten Chris Murphy über eine Waffenrechtsreform. In der Vergangenheit hatten die konservativen Republikaner Verschärfungen des laxen US-Waffenrechts immer wieder verhindert.

US-Präsident Joe Biden machte am Sonntag ein Kompromissangebot über den Kurznachrichtendienst Twitter. «Wenn wir schon nicht das eigentlich nötige Verbot von Sturmgewehren erreichen, müssen wir zumindest das Mindestalter für ihren Kauf auf 21 Jahre erhöhen», schrieb Biden.

Senator Murphy sagte am Sonntag, die von ihm geleitete Gruppe hoffe, ein Gesetzespaket auszuhandeln, dem auch mindestens zehn Republikaner im US-Senat zustimmen würden – zusätzlich zu fast allen Demokraten in der Kongresskammer. «Ich denke, die Möglichkeit eines Erfolgs ist besser als je zuvor», sagte Murphy dem Nachrichtensender CNN.

Das Gesetzespaket sieht demnach «bedeutende Investitionen in die psychische Gesundheit, Geld für die Sicherheit an Schulen und ein paar bescheidene, aber wirkungsvolle Änderungen am Waffenrecht» wie eine Ausweitung der Hintergrundüberprüfung von Waffenkäufern vor.

Bürgermeister: «Der Kongress muss seine Arbeit erledigen»

Der sichtlich aufgebrachte Bürgermeister von Chattanooga, Tim Kelly, sagte zu den bislang gescheiterten Waffenrechtsreformen: «Der Kongress muss seine Arbeit erledigen und Regeln nach gesundem Menschenverstand verabschieden, die dabei helfen, diesen Irrsinn zu beenden.»

Im konservativen Bundesstaat Texas unterzeichneten gar mehr als 250 selbsterklärte Waffen-Liebhaber einen offenen Brief für eine von Republikanern und Demokraten unterstützte Waffenrechtsreform. Der Appell, der eine ganze Seite der «Dallas Morning News» füllte, zielt auf eine Ausweitung der Hintergrundüberprüfungen, eine Anhebung des Mindestalters für Waffenkäufe auf 21 Jahre und Gesetze zum Ausschluss gewaltbereiter Menschen von Waffenkäufen.

mit Material von dpa und AFP

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