«Bedrohung für nationale Sicherheit» Weltall-Forschende verschwinden oder sterben – Trump leitet Untersuchung ein 

Philipp Dahm

15.5.2026

Zwischen Juni 2022 und April 2026 sind mindestens elf Forschende in den USA gestorben oder verschwunden, die mit der Nasa oder dem Militär zu tun hatten. Nun untersuchen die Behörden, ob es Zusammenhänge gibt. 

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Seit Juni 2022 ist eine Reihe von Forschenden in den USA verschwunden oder verstorben.
  • Weil sie mit dem Militär oder der Raumfahrt zu tun hatten, gibt es nun viele Spekulationen und Verschwörungstheorien.
  • Nun sorgt sich die Politik um die nationale Sicherheit: Eine offizielle Untersuchung durch US-Behörden wurde eingeleitet. 
  • Das ist an den Gerüchten über die Forschenden dran.

Eigentlich haben sich die Journaille und der Präsident im Oval Office versammelt, weil Donald Trump ein paar Dekrete unterzeichnet, während einige Republikaner*innen hinter ihm Spalier stehen. Peter Doocy von «Fox News» fragt den 79-Jährigen dabei nach einem Thema, das anmutet wie von einem anderen Stern.

«Es gibt diese Wissenschaftler, die Zugang zu geheimen Material hatten. Sie werden entweder vermisst oder sind tot. Wurden Sie darüber unterrichtet, ob diese Fälle zusammenhängen?», fragt der Reporter. «Ja, das wurde ich», antwortet Trump. 

Was ist passiert? Es geht um Forschende, die mit der Nasa und dem Militär zusammengearbeitet haben – und die das Schicksal hart getroffen hat: Sie sind entweder gestorben oder verschwunden. Mitte April kündigt die Sprecherin des Weissen Hauses an, dass diese Fälle untersucht werden.

DOOCY: All these scientists who have access to classified materials who are missing or dead. Are these cases connected? TRUMP: We have a lot of scientists. Ten is a lot, but it's a very small number compared to -- we have a lot of scientists

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 30. April 2026 um 21:37

Fälle sollen ganzheitlich geprüft werden

«Das Weisse Haus arbeitet aktiv mit allen relevanten Behörden und dem FBI zusammen, um alle Fälle ganzheitlich zu prüfen und mögliche Gemeinsamkeiten zu identifizieren», teilt Karoline Leavitt am 17. April auf X mit. «Dabei werden wir nichts unversucht lassen und das Weisse Haus wird Updates geben, sobald wir etwas wissen.»

Auch der Kongress wird aktiv: Das Committee on Oversight and Government Reform kündigt drei Tage später an, der Sache ebenfalls auf den Grund gehen zu wollen. «Wenn die Berichte zutreffen, können diese Todesfälle und das Verschwinden von Personen eine ernste Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA und für US-Personal mit Zugang zu wissenschaftlichen Geheimnissen darstellen», schreibt das Kommitee.

I feel like the us government is investigating the missing scientists like they are investigating the epstein files.

— Skunk - It's the billionaires and trump, stupid. (@skunkityskunk.bsky.social) 2. Mai 2026 um 18:26

Und was sagt Trump zur Causa? «Wir haben viele Forschende», erklärt der New Yorker dem Reporter Peter Doocy. «Zehn [Betroffene] sind viel, aber es ist vergleichsweise eine sehr kleine Zahl. Es gibt hunderttausende Forschende. Wir haben uns zum Teil sehr traurige Fälle angesehen: Einige waren sehr krank. Einige haben diese Erde aus freien Stücken verlassen. Einige hatten andere Dinge.»

Womit Trump recht hat

Eine Verbindung zwischen den Personen habe bisher nicht festgestellt werden können, doch die Ermittlungen gingen weiter, so der Präsident. Inzwischen geht es auch um mehr als zehn Personen – doch Trump hat recht: Statistisch gesehen fallen diese Fälle mit Blick auf die Vielzahl von Forschenden nicht ins Gewicht.

Die Verschwörungstheorien über die Forschenden beginnen im Januar dieses Jahres mit Video-Podcaster Daniel Liszt, der ein längliches Video fabriziert, in dem er über den «mysteriösen Tod des MIT-Plasmaphysikers Nuno Loureiro durch einen möglicherweise bewusstseinskontrollierten Attentäter namens Claudio Valente» spricht und mit UFOs in Zusammenhang bringt.

Nuno Loureiro wurde Mitte Dezember in Brookline, Massachusetts, erschossen – siehe Bildergalerie ganz oben. In Februar greift die frühere Mommy-Bloggerin Jessica Reed Kraus den Fall auf – und bringt ihn mit dem Mord an Carl Grillmair in Verbindung, der acht Wochen nach Loureiro auf der Veranda seines Hauses in Llano in Kalifornien erschossen wurde.

Mainstream-Medien greifen das Thema auf

«Ich habe Quellen, die sich besonders für das UFO-Zeug interessieren, und die haben normalerweise mit allem Recht», sagt Kraus dem linken Sender CNN auf Nachfrage. Im März geht ein entsprechender Post von Kraus viral – und weckt das Interesse der Medien. Bald entdeckt die Amerikanerin weitere Fälle wie den von William Neil McCasland, der in New Mexico beim Wandern verschwunden ist.

Am 22. März berichtet das britische Revolverblatt «Daily Mail»: «Rätsel um fünf vermisste Wissenschaftler lässt Amerika erschauern». Einen Tag später erweitert der rechte Sender «NewsNation» das Portfolio um das Verschwinden von Monica Jacinto Reza, die ebenfalls beim Wandern verschwunden ist – und schreibt von einem «UFO-Mysterium».

Former U.S. Admiral Tim Gallaudet claims aliens are observing humans, a claim emerging as questions swirl about 11 missing and dead scientists tied to UFO research and Donald Trump teases the imminent release of UFO files, illustrating public … #aliens #may2026 #ovni #uap #ufo #ufosky #usa #wionews

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— ufo-uap.news (@ufo-uap-news.bsky.social) 2. Mai 2026 um 21:08

Nun springen auch grössere Sender wie «Fox News», Publikationen wie die «New York Post» und «Newsweek« oder Podcaster Joe Rogan auf den Zug auf – und weitere Forschende werden dem Thema zugeordnet. Am 20. April teilt die Nasa mit Blick auf die eingeleiteten Ermittlungen auf X mit, sie kooperiere mit den Behörden.

«Neil hat keine besonderen Kenntnisse über die ET-Leichen»

Es gibt jedoch auch Gegenwind. Eine Kritik lautet, dass Fälle miteinander verbunden werden, die nichts miteinander zu tun hätten. Etwa bei Michael David Hicks, der im Juli 2023 tot zuhause aufgefunden wurde. Der Spezialist für Kometen und Asteroiden hatte medizinische Probleme, erklärt seine Tochter Julia.

«Ich verstehe den Zusammenhang zwischen dem Tod meines Vaters und den anderen vermissten Wissenschaftlern nicht«, sagt sie CNN. «Ich kann nicht anders, als darüber zu lachen, aber gleichzeitig wird es ernst.» Auch die Witwe McCasland widerspricht sarkastisch: «Neil hat keine besonderen Kenntnisse über die ET-Leichen und Trümmer des Roswell-Absturzes.»

That question from the Fox News guy is nonsense conspiracy theory fear-mongering. Some of the "scientists" on the list aren't even scientists at all. One was an admin. assistant (Melissa Casias), another a custodian (Steven Garcia). 🙄 It's really stupid stuff. www.newsweek.com/missing-dead...

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— The Tim (@angryoldtim.bsky.social) 30. April 2026 um 23:35

Zweideutig ist der Fall von Amy Eskridge, die bereits im Juni 2022 gestorben ist. Die Expertin für Antischwerkraft-Antriebe hat sich offiziell selbst das Leben genommen. «NewsNation» zitiert jedoch einen Freund, der sagt, die Forscherin habe um ihr Leben gefürchtet – und eine SMS geschrieben, in der gestanden haben soll: «Wenn du einen Bericht siehst, dass ich mich umgebracht habe, dann habe ich das ganz sicher nicht getan.»

Witwe nennt Gerüchte «absoluten Unsinn»

Ihre Familie berichtet dagegen CNN, Eskridge habe unter chronischen Schmerzen gelitten: «Die Menschen sollten erkennen, dass auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sterben und nicht zu viel daraus machen», heisst es von ihrer Seite.

Im Fall der tödlichen Schüsse auf Nuno Loureiro ist der Täter bekannt – und auch bei Carl Grillmair ist der Fall klar, erklärt Witwe Louise der BBC: «Das ist absoluter Unsinn. Es gibt die Fakten, und die sind da draussen.» In der Sache wurde Freddy Snyder angeklagt, mit dem der Forscher schon früher aneinandergeriet. Der 29-Jährige  war wohl auf Rache aus.

«Es ist typisch für diese Art von Listen«, erklärt Jesse Walker, der Autor von «The United States of Paranoia: A Conspiracy Theory», gegenüber «El Pais»: «Es gibt eine Menge angeblich mysteriöser Todesfälle, aber wenn man sie genau untersucht, stellt man fest, dass es nur zwei wirklich rätselhafte Fälle gibt und der Rest ohne viel Sinn aufgenommen wurde.»

Ähnlich denkt der Chefreaktor des Magazins «The Sceptic»: Dass Personen wie Forscherin Monica Reza beim Wandern in riesigen Wäldern verschwinden, könne schon mal vorkommen, schreibt Michael Shermer. «Dort werden jedes Jahr Leute vermisst.» Auch Selbstmord sei keine Ausnahme: 50'000 Menschen nehmen sich Jahr für Jahr in den USA das Leben.


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